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Kultur
Freitag, 27. Mai 2016 26° 3

Musik

Preis für den Pionier des Elektro-Pop

Brian Eno hat die Ambient Musikrichtung erfunden. In Karlsruhe erhielt das Multitalent am Wochenende den Giga-Hertz-Preis.
Von Marie-Hélèn Frech

  • Brian Eno, britischer Musiker, Produzent und Multimediakünstler, erhielt im Zentrum für Kunst und Medientechnologie den Giga-Hertz-Preis. Foto: Uli Deck/dpa
  • Brian Eno im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe Foto: Uli Deck/dpa
  • Peter Weibel, Leiter des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, hielt die Laudatio auf Brian Eno. Foto: Uli Deck/dpa

Karlsruhe.Multitalent Brian Eno hat am Samstagabend den mit 10 000 Euro dotierten Giga-Hertz-Preis für elektronische Musik erhalten. Der englische Musiker, der etwa mit David Bowie und U2 gearbeitet hat, nahm die Auszeichnung im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) entgegen. Eno sei einer der bedeutendsten Vertreter der elektronischen Musik, Erfinder der Ambient Musikrichtung und „Mastermind des Tonstudios“, sagte ZKM-Leiter Peter Weibel bei der Verleihung der Auszeichnung. Eno nutze Töne wie Farben und schneidere als Produzent „musikalische Kleider“. Seit 2007 verleiht das ZKM gemeinsam mit dem Freiburger Experimentalstudio des SWR den Giga-Hertz-Preis. Mit der Preisverleihung und dem anschließenden Konzert von Pierre Henry, dem „Vater des Technos“, geht das Imatronic-Festival für elektronische Musik im ZKM zu Ende. Im Interview erklärt Brian Eno, was er an Deutschland schätzt.

Sie sind öfter in Deutschland unterwegs. Was gefällt Ihnen hier?

In Deutschland fühle ich mich wohl. Das Frühstück hier ist lecker (lacht). Aber ich habe auch sehr gute Freunde hier gefunden und Künstler, mit denen ich gerne zusammenarbeite.

Mit dem Giga-Hertz-Preis werden Sie für Ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Aber Sie haben sicherlich noch Pläne in petto?

Ich habe noch Einiges geplant. Für ein Museum in Barcelona arbeite ich etwa an einem Song, den man betreten kann. Dafür nutze ich 40 unterschiedliche Lautsprecher, mit denen ein begehbarer Song-Raum geschaffen wird.

Was hören Sie denn privat? Haben Sie ein heimliches Vergnügen an Popmusik?

Es gibt da etwas, aber peinlich ist es mir nicht: In England singe ich seit 16 Jahren in einer A-cappella-Gruppe. Wir geben keine Konzerte und machen keine Aufnahmen, es geht um den Spaß an der Sache. Wir singen Gospels, Country und Western- und Folksongs. Singen gehört zum Besten im Leben.

Wie behält ein so produktiver Künstler wie Sie den Überblick über sein Gesamtwerk?

In meinem digitalen Archiv sind 3048 Stücke gespeichert. Ohne die veröffentlichten Werke komme ich damit auf etwa sieben Tage und elf Stunden Musik. Wenn man dann aber dazu zählt, dass mit meinen Apps jeder User selbst aus meinem Programm Musik komponieren kann, dann dürften es Millionen Stunden sein.

Mit Ihren Apps haben Sie Systeme entwickelt, die wiederum Musik erschaffen. Wollen Sie sich selbst in Rente schicken?

Ich wünschte, ich könnte in Rente gehen (lacht). Aber als ich das überlegt habe, dachte ich mir, im Ruhestand will ich nur das machen, was mir Spaß macht. Also hat sich für mich nichts geändert. Ich glaube, die Apps verdeutlichen, dass der Unterschied zwischen Komponist, Interpret und Zuhörer verschwunden ist. Den passiven Hörer gibt es nicht mehr.

Brian Eno wurde am 15. Mai 1948 im englischen Suffolk geboren. Der ehemalige Kunststudent spielte in der Glam-Rock-Band Roxy Music Keyboard. Als Solokünstler machte er sich einen Namen als Erfinder der Ambient-Musik. Er arbeitete mit Größen wie David Bowie und Genesis und produzierte etwa für Coldplay und U2. Auch als Multimediakünstler feiert er Erfolge.

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