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Musik

Queens of the Stone Age: Rocker unter der Diskokugel

Aufstehen, weitergehen: „Villains“ von Queens of the Stone Age ist das erste Album von Bandleader Josh Homme nach seinen Erlebnissen rund um den Terroranschlag in Paris. Und das spricht eine deutliche Sprache: Die beste Antwort auf Hass ist immer noch Rock'n'Roll.
Von Lisa Forster, dpa

Josh Homme von der US-Band „Queens Of The Stone Age“ 2013 in Utrecht (Niederlande). Foto: Paul Bergen

München.Bruno Mars, Lady Gaga, Amy Winehouse: Das sind erstmal keine Musiker, die man mit Josh Homme in Verbindung bringen würde.

Der 44-Jährige hat sich seit Jahrzehnten den dreckigen Varianten der Rockmusik verschrieben. Doch auf „Villains“, dem siebten Album seiner Band Queens of the Stone Age, kommt er den Popstars näher als je zuvor.

Grund dafür ist Mark Ronson. Er ist einer der Produzenten von „Villains“ - und auch von manchen Hits der eingangs erwähnten Musiker. Doch die Queens-Fans können aufatmen: Die Zusammenarbeit mit Ronson hat „Villains“ nicht geschadet. Immer noch dominieren die riffgewaltigen Grooves, für die Homme spätestens seit dem Hit „No One Knows“ (2002) bekannt ist. Sie sind jetzt einfach noch ein bisschen tanzbarer.

Etwa in der Single „The Way You Used To Do“: Gitarrist Troy van Leeuwen wiederholt immer wieder das gleiche, kecke Gitarrenriff (das mit seinen Bluesrock-Anleihen ziemlich an eine von Hommes Lieblingsbands, ZZ Top, erinnert). Dazu kommt ein minimalistisch stampfender Beat - und dann muss man einfach die Hüften bewegen, wie Homme im begleitenden Video eindrücklich zeigt.

Die Stimme des Bandleaders kann sich dazu in einem Moment tief nach unten graben, um sich im nächsten Moment ins Falsett hochzuschrauben. „Feet don't fail me now/ I just gotta move on“, singt er im Eingangslied „Feet don't fail me“ („Füße, versagt mir jetzt nicht/ Ich muss einfach weitergehen“). Unweigerlich muss man an die Zeit denken, die hinter Homme liegt.

Im November 2015 sollte er mit den Eagles of Death Metal auf der Bühne im Pariser „Bataclan“ stehen, wo Terroristen einen Anschlag verübten. Er hatte seine Teilnahme aber kurzfristig abgesagt. „Alles, was ich dazu sagen kann: Ich habe immer im Jetzt gelebt. Wir sind jetzt hier - und das ist alles, was du jemals haben wirst“, hatte er der Deutschen Presse-Agentur gesagt.

Wenige Monate nach den Ereignissen produzierte der Musiker das Album „Post Pop Depression“ von Iggy Pop und tourte mit ihm 2016 um die Welt. Hat der Alt-Rocker Hommes Auffassung davon verändert, was Rock 'n' Roll ist? „Ich wusste schon immer, was es war“, entgegnete der Musiker.

„Jemand sagt zu dir: "Das kannst du nicht machen." Und dann machst du genau diese Sache“, so Homme. „Denn ich bin nicht hier, um das zu machen, was du von mir willst. Ich bin hier, um diese Sache zu finden, ohne die ich nicht leben kann. Was liebst du? Wofür würdest du dich die Klippe runterstürzen? Für mich ist es Rock'n'Roll.“

Und genau der trieft aus allen Ecken des neuen Albums. In den meisten Songs sind wie gewohnt wuchtige, dabei unglaublich akkurat gespielte Gitarrenakkorde das Gerüst. Dazu schleicht sich ab und zu eine Synthesizer-Melodie oder eine ungewohnte Beat-Lastigkeit. Das könnte Ronson zu verdanken sein - doch es ändert nichts an dem draufgängerischen Gefühl, das die Musik hinterlässt.

Queens of the Stone Age, das sind immer noch diese betont lässigen Männer (in stets wechselnden Besetzungen) mit speckigen Lederjacken und ein bisschen zu viel Wachs im Haar. Der einzige Unterschied ist, dass sich im Glanz ihrer Haare nun vielleicht häufiger mal eine Discokugel spiegelt.

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