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Kultur
Sonntag, 19. November 2017 3

Raselius-Chor singt höchst fesselnden „Messias“

Händels Oratorium in der Urfassung wurde bei Auftritt der Regensburger Kantorei gefeiert.
Von Gerhard Heldt, MZ

Der Raselius-Chor begeisterte das Publikum. Foto: Peter Pavlas

Regensburg.Der „Messias“, Händels erstes Oratorium nach dem Scheitern als Opernimpresario in London, wurde im April 1742 in Dublin uraufgeführt. Der Komponist bearbeitete es für jede Aufführung nach den örtlichen Gegebenheiten neu. Diese Tradition hält sich bis heute, wo Wiedergaben stets individuell eingekürzt werden. Die Urfassung des „Messias“ weist, wie die Wiedergabe durch den Raselius-Chor der Regensburger Kantorei in der überfüllten St. Oswald-Kirche belegte, noch etliche Affinitäten zu Händels Opernschaffen auf.

Und das ist beim Gehalt dieser in der Vorweihnachtszeit theologisch eigentlich deplatzierten Komposition durchaus kein Fehler. Denn das Werk weist lediglich im ersten Teil (Verheißung und Geburt des Herrn) einige pastorale Wendungen auf, wie sie bei den Schäferidyllen der Opera seria der Zeit durchaus gebräuchlich sind. Der zweite Teil (Passion und Auferstehung Christi) wird mit dem berühmten „Hallelujah“ beschlossen – nicht etwa zur glorreichen Geburt, sondern zur Überwindung des Todes in der Auferstehung Christi. Der dritte Teil fasst die Erfüllung der alttestamentarischen Verheißungen zusammen. Das Finale „Ehre und Ruhm und Stärke gebührt ihm, der auf dem Thron sitzt“, könnte ebenso die Herrscher-Apotheose einer barocken Oper sein.

Roman Emilius setzte im Wissen um die ersten Aufführungen nicht allein auf klangliche Opulenz, sondern beachtete die zahlreichen Piano-Vorschriften, nahm den Beginn des „Hallelujah“ fast zart. „The Sublime, the Grand, and the Tender“ (Erhabenheit, Größe und Zartheit) bescheinigte man der Dubliner Uraufführung. Zwischen diesen Parametern ließ Emilius seinen Chor, seine vorzüglichen Solisten und das großartig aufspielende Orchester „La Banda“ musizieren. Ihm gelang über nahezu zweieinhalb Stunden fesselndes Musizieren auf sehr hohem Niveau.

Grundlage für diese geglückte Interpretation war das kleine, aber feine Orchester, das nicht originalklang-besessen, sondern, wo es notwendig war, zupackend sowie einfühlsam spielte. Ein Glanzpunkt: die trompetenbegleitete Bassarie „The trumpet shall sound“, von Patrick Henrichs bravourös auf einer ventillosen Barocktrompete mit lediglich vier Grifflöchern gespielt.

Der Raselius-Chor war bestens präpariert, wach, stimmstark, klanglich ausgewogen, im englisch gesungenen Text durchwegs verständlich. Die Fugen kamen präzise, am stärksten aber waren die 41 Choristen mit prächtiger Klangentfaltung in den homophonen Passagen. Als Bass-Solist war der ARD-Wettbewerb-Gewinner Konrad Jarnot angekündigt; er war erkrankt, und für ihn sprang Jochen Kupfer (Semperoper Dresden) kurzfristig ein. Er stellte seine Erfahrungen als Opern- und Liedsänger ganz in den Dienst von Händels Werk, blühte vor allem in den opernhaft-dramatischen Passagen stimmlich auf. Julia Wagners leichter, in der Höhe glockig ausschwingender Sopran stand ihm kaum nach. Den Tenorpart gestaltete Ulrich Cordes mit lyrisch kantabler Stimme überzeugend, und Rebecca Martin (Alt) fand nach kleineren Anfangsirritationen immer wieder zu ausdrucksstarker Gestaltung. Standing Ovations und rauschender Beifall!

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