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Kultur
Dienstag, 31. Mai 2016 21° 4

Nachruf

Requiem für Randolf Jeschek

Familie, Freunde und Musikerkollegen verabschieden sich am Freitag in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Sallern.
Von Andreas Meixner, MZ

Der Musiker, Wissenschaftler und langjährige MZ-Musikkritiker Randolf Jeschek ist am Samstag im Alter von 64 Jahren gestorben. Foto: Lex

Regensburg.Die Fähigkeit, dem Leben mit allen Sinnen nachzuspüren, sich mit der Welt und der eigenen Existenz intensiv zu beschäftigen und für sich Rückschlüsse zu ziehen, ist eine rare Kunst geworden. Groß ist die Sehnsucht nach Entschleunigung und Achtsamkeit – und doch können und wollen sich scheinbar nur wenige diesen Luxus leisten. Randolf Jeschek war ein solcher Mensch. Ein naturwissenschaftliches Studium und seine Profession in Volkskunde und der Musikwissenschaft waren ihm immer zu wenig, auch wenn er vorrangig als Publizist, als kompetenter und geistreicher Konzertkritiker der MZ und als Musiker in Erinnerung bleiben wird.

Er war ein Universalgelehrter

Randolf Jeschek war das, was man früher einen „genius universalis“ nannte. Einer, dessen Neugier nie versiegte und den sie ständig antrieb, sein eigenes Fachwissen mit anderen Disziplinen und Wissensbereichen in Verbindung zu bringen: Musik und Philosophie, Geschichte und Religion. Er verschlang ein Buch nach dem anderen, oft gleichzeitig und die ganze Nacht hindurch bis weit in den Morgen des nächsten Tages. Um seinen Lieblingssessel stapelten sich Romane und Gedichtbände genauso wie Klassiker der Weltliteratur und Bildbände.

Eine Insel der Bohème

Mit seiner liebenswerten Frau Claudia war so über die Jahre die gemeinsame Altbauwohnung in der Furtmayrstraße zu einer riesigen, aber urgemütlichen Bibliothek mit kleinen, verstreuten Sitzgelegenheiten gewachsen. Ein Ort, an dem man sich gerne mit anderen zum Austausch und Plausch nach einem Konzert traf und es sich gut gehen ließ. Eine kleine, wunderbare Insel der Bohème – wobei Jeschek als Autor und Musiker auch ein akribischer und detailversessener Arbeiter war. Zahlreiche musikwissenschaftliche Publikationen tragen seinen Namen, zeugen von seiner unbestrittenen hohen Professionalität, mit der er sich vorwiegend mit Komponisten aus dem ostbayerischen Raum auseinandersetzte.

Geehrt von der Stadt Regensburg

Die musikalische Liebe galt dem Barock. Sein Violinspiel verfeinerte er über die Jahrzehnte in vielen Fortbildungen und Meisterkursen, war Mitbegründer des Regensburger Barockensembles La Sfera, dessen Verdienste um die Stadtkultur vor einigen Jahren mit dem Kulturförderpreis gewürdigt wurden. Auch Jescheks Begabung als unterhaltsamer Conférencier, Lehrer und Wissensvermittler wird in Erinnerung bleiben. Musik stand bei ihm immer im Kontext zu dem historischen Umfeld, aus dem heraus sie überhaupt erst entstehen konnte. Dies war auch der Grund, warum Gespräche mit ihm sich stets in eine solche Themenfülle ausweiteten, dass man sich am Ende nicht mehr sicher war, worum es eigentlich anfangs gegangen war.

Ein dichtes, gelebtes Leben

Er war ein humorvoller, feinfühliger, aber auch sensibler Zeitgenosse, der nur manchmal vergaß, auf seine Gesundheit zu achten. Vom jüngst verstorbenen Roger Willemsen stammt das Zitat: „Das Leben kann man nicht verlängern, aber wir können es verdichten.“ Randolf Jeschek hat es zweifellos verdichtet und wahrhaftig gelebt. Er starb viel zu früh am Samstag, nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 64 Jahren. Er wird unendlich fehlen – als Musiker, aber vor allem als Mensch.

Das Requiem für Randolf Jeschek findet am Freitag, 26. Februar, um 14.30 Uhr in der Sallerner Kirche Mariä Himmelfahrt statt.

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