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Kultur
Mittwoch, 16. August 2017 27° 3

Konzert

Rockiger Wind im T&T-Schlosshof

Die Scorpions kommen zu den Schlossfestspielen. MZ-Autor Alois C. Braun sprach vorher mit Bandgründer Rudolf Schenker.
Von Alois C. Braun, MZ

Scorpions-Gründer Rudolf Schenker im März dieses Jahres bei der Deutschland-Premiere der Welttour Fotos: dpa

Regensburg.Bei einem wichtigen Ereignis in der Band-Historie der Scorpions spielt Regensburg eine große Rolle.

Richtig. 1973 hatten wir ein Konzert an der Universität. Zusammen mit UFO, die Probleme mit dem Equipment hatten und deren Gitarrist Bernie Marsden (Anm.: später u. a. bei Whitesnake) nicht anreisen konnte. Sie liehen sich deshalb meinen Bruder Michael für das Konzert aus. Nach kurzer Probe in den Umkleideräumen spielten sie den Gig zusammen. Da es hervorragend klappte wechselte Michael danach fest zu UFO. Phil Mogg (Anm.: Sänger von UFO) hatte sein Potenzial schnell erkannt. Das freute mich für Michael, da sein Talent offensichtlich und dieser Wechsel für ihn ein Riesenschritt war. Andererseits war es natürlich zunächst mal nicht so gut für die Scorpions.

Hatte dieser Wechsel damals für Euch eventuell sogar existenzielle Probleme zur Folge?

Ich lasse mich grundsätzlich nicht aus der Ruhe bringen. Der Weg ist das Ziel. Und auch wenn dieser dadurch vielleicht etwas länger war, so hat er doch zum Erfolg geführt. Mir war immer klar, dass wir es schaffen werden. Es war nicht zu übersehen, dass Michael mehr der Solomusiker ist, der sein eigenes Ding machen will. Das Gleiche passierte ja ein paar Jahre später auch mit Uli Jon Roth. Auch er wollte seine eigenen Sachen machen. Und das ist vollkommen in Ordnung! Eine Band muss aber immer als Team aufgestellt sein, wie eine Fußballmannschaft: Vorne sind Matthias (Anm.: Jabs, der Gitarrist) und Klaus (Anm.: Meine, der Sänger), die schießen die Tore. Ich bin der Beckenbauer, verteile die Bälle. Hinter mir ist der Bassist, der verteidigt und das Schlagzeug fungiert als Torwart. Diese Chemie muss musikalisch und menschlich stimmen. Außerdem sind Probleme dazu da, um sie zu lösen. Als Uli Jon Roth ging, war ich gezwungen ein Album alleine zu komponieren. Erst dadurch kristallisierte sich unser erfolgreicher Stil weiter heraus.

Ist diese Einstellung auch einer der Gründe, warum es die Band so lange und so erfolgreich gibt?

Sänger Klaus Meine Foto: dpa

Das ist der Hauptgrund! Deshalb hatten wir anfangs oft personelle Wechsel. Das waren alles tolle Typen, aber sie zweifelten am Erfolg. Wir hatte von Anfang an Visionen, wollten international spielen. Damals haben sie uns ausgelacht.

Während der Tour für „In Trance“ habt Ihr 1975 auch in der Regensburger RT-Halle gespielt. Teilst Du meine Einschätzung, dass dieses Album erstmals alle erfolgreichen und unverkennbaren Trademarks der Scorpionsmusik beinhaltete?

Ja, da hast Du recht. Das lag auch am Produzenten, denn mit Dieter Dirks hatten wir einen Mann an Bord, bei dem die Chemie von Anfang an stimmte. Conny Plank etwa, der das erste Scorpionsalbum produzierte, hatte sich damals am Boden gewälzt vor lachen, als es um den Verlag für unsere Musik ging und wir ihm von unseren internationalen Plänen erzählten. Dieter dagegen wollte exakt das Gleiche wie wir! Er schaffte es, die Besonderheiten herauszuarbeiten und es haben sich Jimi Hendrix, Klaus Meine und Rudolf Schenker in unserem Sound berührt. Ausgereift, auch kompositorisch, war das Ganze dann bei „Lovedrive“, als Matthias in der Band war und auch Michael teilweise mitgespielt hat.

Stationen der Scorpions

  • Die Band wurde 1965

    in Sarstedt vom Gitarristen Rudolf Schenker und dem Schlagzeuger Wolfgang Dziony im Zuge der Beat- und Rockära als Amateurband zunächst unter dem Namen Nameless gegründet. Ein Jahr nach der Gründung nannte sich die Band schließlich Scorpions. Gitarrist Matthias Jabs (unser Foto) kam erst 1979 dazu.

  • Ende 1969

    wurden Sänger Bernd Hegner und Gitarrist Ulrich Worobiec entlassen und es stießen Sänger Klaus Meine (unser Foto) und Rudolfs jüngerer Bruder Michael Schenker von der Band Copernicus zu den Scorpions. In den kommenden Monaten widmete sich die Band verstärkt dem Komponieren eigener Songs.

  • Mit dem Album Lovedrive

    wurden die Scorpions auch in den USA aktiv. Der erste US-Auftritt fand 1979 vor etwa 60 000 Zuschauern in Cleveland beim World Series Of Rock-Festival zusammen mit Bands wie Thin Lizzy, Aero-smith, Ted Nugent und AC/DC statt. In England spielten sie als Headliner beim Reading-Rock Festival.

Die Schlossfestspiele sind für Euch ein eher kleinerer Rahmen. Ist das noch eine Herausforderung für Euch?

Wir machen solche Konzerte immer wieder sehr gerne, weil wir Routine vermeiden wollen. Routine ist meiner Meinung nach tödlich im Rock’n’Roll. In diesem Jahr sind es drei oder vier solcher Auftritte. Es wird eine ähnliche Situation sein, wie beim Scorpions-unplugged-Auftritt für MTV. Musik pur, sehr intim, ohne großen Schnickschnack. Es ist großartig, so etwas machen zu können und dann auch wieder in den großen Arenen zu spielen.

Wird es ein besonderes Programm zu hören geben?

Die Setlist wird sich schon etwas unterscheiden zu der, die auch auf den DVDs der „Return To Forever“-Tour-edition zu sehen ist. Eines der Konzerte wurde letztes Jahr in Frankreich beim Hellfest aufgenommen, als ich Lemmy zum letzten Mal getroffen habe. Er hat uns zu 50 Jahren Scorpions gratuliert und ich ihm zu 40 Jahren Motörhead. Wir verstanden uns sehr gut. Unseren ersten Auftritt in England hatten wir damals auch mit Motörhead. Die hatten schon deftige Scherze drauf und bewarfen unseren damaligen Drummer Rudy Lenners während der Show mit Pommes Frites (lacht).

Gutes Stichwort: Motörhead-Schlagzeuger Mikkey Dee tourte mit Euch in den USA. Ist James Kottak inzwischen zurück in der Band?

Nein. Mikkey wird bis Ende des Jahres, also auch in Regensburg, bei uns sein. James braucht eine Auszeit für seine Gesundheit. Wir können es uns nicht leisten, Russisch Roulette zu spielen. Deshalb haben wir mit ihm ein Abkommen, dass er 2016 dazu nutzt, zurück zu seiner vollen gesundheitlichen Grundstruktur zu kommen. Mit Mikkey haben wir einen klasse Mann an Bord, der Drive in unserer Liveperformance hat sich nochmals erhöht!

Der Erfolg für die Scorpions ist ja weltweit ungebrochen...

...wir sind gerade erst aus den USA und Mexiko zurück und haben schon Anfragen für weitere fünf Shows in Mexiko und eine Tour in den USA. Aber wir werden erst einmal eine Erholungspause einlegen.

Alles zu den Thurn und Taxis Schlossfestspielen finden Sie auch in unserem MZ-Spezial.

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