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Kultur
Montag, 18. Dezember 2017 5

Kozert

Saga zeigen sich zum 40. in Bestform

Die Kanadier treten in Obertraubling nicht nur als ihre eigene Vorband auf – sondern auch mit Spielfreude und Witz.
von Alois C. Braun, MZ

Saga-Sänger Michael Sadler (vorne) hatte sichtlich Spaß in Obertraubling – und bedankte sich immer wieder bei den Fans. Foto: Niering

Obertraubling.. Zweifellos gehören die Kanadier Saga zum Eigenständigsten, was der Progrock hervorgebracht hat. Bereits auf ihrem ersten Album aus dem Jahr 1977 hatten sie ihren ureigenen Sound entwickelt. Nun ist die Band auf ihrer „40th Anniversary Tour“ und machte auch Station im Obertraublinger Airport. Auch wenn es wohl die letzte längere Tournee dieser Formation sein wird, kann man davon ausgehen, dass sie in Zukunft wohl noch das ein oder andere Konzert spielen werden. Eine Rockwelt ohne Saga ist schwer vorstellbar – speziell in der von Spielfreude geprägten Form, in der sich das Quintett im Airport präsentierte. Aber der Reihe nach.

Die Bühne war anfangs als angestaubt wirkende Bücherei dekoriert. Richtig oldschool; mit bedruckten Tüchern und einer gemalten Leinwand im Background. Auf zwei stilisierten Bücherschränkchen standen gar Leselampen und neben echten Büchern von Wilhelm Busch war gut sichtbar auch der Wälzer „40 Years Of Saga“ zu finden. Dieser Aufwand galt allerdings der Vorband „Pockets“. Punkt 20 Uhr kamen zwei Musiker spitzbübisch grinsend auf die Bühne und nahmen hinter ihren Keyboards Platz. Spätestens jetzt erkannten auch die Nichtinsider, dass es sich bei den Pockets ebenfalls um Saga handelt. Unter diesem Namen hatte die Band einst begonnen und sich erst während der Aufnahmen zum ersten Album umbenannt. Für diese Jubiläumstour firmiert man nun als akustisches Vorprogramm für knapp 40 Minuten wieder unter diesem Namen. Eine mehr als nette Idee.

Eine ungewohnte Note

Was die Pockets dann musikalisch ablieferten, war schlicht grandios! Michael Sadler und Jim Gilmour starteten fast zerbrechlich mit Piano und Keyboardtönen und dem Song „Images (Chapter 1)“. Vom ersten Moment war hör- und spürbar, dass sich die Band jede Menge Gedanken über die akustischen Arrangements ihrer Songs gemacht hatte. In der Mitte des Liedes kamen dann auch Bassist Jim Crichton, Gitarrist Ian Crichton und Drummer Mike Thorne (zunächst an der Akustikgitarre) auf die Bühne und zeigten, warum das Etikett „unplugged“ einst erfunden wurde.

Teils sehr filigran gespielt, bekamen Songs wie „No Regrets“ oder „The Secret Of Illusion“ eine ganz besondere Ausstrahlung. Akkordeon- und Klarinette gaben dem oft keyboardlastigen Sound der Band eine ganz neue, ungewohnte Note. Und dass die Musiker gerne auf der Bühne stehen, konnte man an ihren Gesichtern und der Kommunikation untereinander ablesen. Auch wurde immer wieder gewitzelt. Sadler, der lange Jahre in Saarbrücken gelebt hat, lernte zum Beispiel Gilmour zwei „wichtige Sätze“ (O-Ton Sadler) in Deutsch: „Ein Bier bitte“ und „Noch ein Bier bitte“.

Das Publikum wird zum Chor

Man merkte die Hingabe, mit der hier performt wurde. Der Grund, warum Saga als eine Art Running Gag während des Konzertes immer wieder auf das vorangegangene Abendessen hinwiesen, ist aber nur Insidern bekannt. Natürlich waren die Fans aber gekommen, um die Band rocken zu sehen. Nach der Umbaupause gab es zum Einstieg „Take A Chance“. Mit „How Long“ folgte ein Song aus ihrem ersten Album – erwähnenswert, weil er mit den prägnanten Keyboardtönen und dem akzentuierten Riff den typischen Sagasound in seiner Essenz darstellt.

Sänger Michael Sadler brillierte während der gesamten Show nicht nur durch seine unverändert charismatische Stimme, sondern auch durch gewohnt große Posen, die aber nie aufgesetzt wirkten. Im Gegenteil, der Mann gab sich immer fannah. „Times Up“ bleibt nicht nur ob der Leucht-sticks von Schlagzeuger Mike Thorne in Erinnerung, sondern auch, weil sich Sadler im Refrain darin austobte, den Gesang des Publikums zu dirigieren.

Immer wieder nutzte er für seine Ansagen auch deutsche Worte, sagte an die Zuschauer gewandt, dass die lange Geschichte der Band „nicht ohne euch“ möglich gewesen wäre. Natürlich bot die Band sämtliche Hits, auch „The Flyer“ und „On The Loose“. Bei „Humble Stance“ übernahm der Sänger den Bass und Bassmann Crichton die Keyboards, „Scratching The Surface“ wurde von Jim Gilmour gesungen und bei „You’re Not Alone“ durfte sich erneut das Publikum als vielstimmiger Chor austoben. Zu „Wind Him Up“ lief das Video des Saga-Auftritts bei „Rock am Ring“ 1985. Mit „Compromise“ als letzter Zugabe ging dann ein packendes Konzert zu Ende.

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