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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Album

Sanft leuchtende Stimmen

Robert Göstl und Vox animata legen ihr Debüt vor. Dem Chor würde man gern noch länger lauschen als die 34 Minuten der CD.
Von Gerhard Dietel, MZ

Die CD-Aufnahme in der Waldetzenberger Markuskirche war das erste Projekt des neu gegründeten Chors Vox animata. Foto: Göstl

Regensburg.Lange Jahre leistete Robert Göstl musikpädagogische Arbeit bei den Domspatzen, bevor er 2008 Professor für Kinderchorleitung an die Kölner Musikhochschule wurde. Doch Göstls Verbindungen zur Region sind nicht abgerissen, wie eine neue CD zeigt, die in der Waldetzenberger Kirche St. Markus aufgenommen wurde. Auf ihr präsentiert sich der Chorleiter mit seinem 2014 gegründeten Ensemble Vox animata. Der Projektchor tritt in flexiblen Besetzungen auf und erhebt den Anspruch, in allen Epochen und Stilen der anspruchsvollen Chormusik zuhause zu sein.

Vox animata heißt übersetzt „beseelte Stimme“. Diesem Anspruch wird die Debüt-CD des Ensembles gerecht, die mit Sätzen von Schumann, Brahms und Reger ein rein romantisches Programm darbietet, wobei man Vox animata länger lauschen würde als die 34 Minuten auf der CD.

Bedachtsam entfaltete Musik

Anspruchsvollstes Werk in der Folge der Vertonungen ist die ausgedehnte Brahms-Motette „Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen“. Betont langsam und wie stets über den Text reflektierend agieren die Sängerinnen und Sänger hier, mit einem immer wieder in riesige Pausen mündenden, bei allem Insistieren jedoch dynamisch zurückhaltend bleibenden „Warum?“. Chromatisch durchsetzte polyphone Linien lässt Brahms dieser ewigen Frage folgen; in der Interpretation des Ensembles erinnert dies fast an alte Madrigalkunst.

Bedachtsames Entfalten der Dichtungen in ganz ruhigem Zeitfluss, verschattete Klänge, die aus dem Dunkel heraus sanft aufleuchten und wieder ins romantische Zwielicht zurücksinken: damit ist die Grundfarbe der ganzen CD beschrieben. Sanft schwellende Akkorde vernimmt der Hörer bei Brahms’ „In stiller Nacht“ und bei „Da unten im Tale“, balladeskes Erzählen charakterisiert Regers „Königskinder“ und Schumanns Vertonungen von Goethes „König von Thule“ und von Chamissos „Ungewitter“. Meine Lieblingsnummer auf dieser CD ist jedoch Regers „Abendlied“: wie Vox animata hier auf kleinstem Raum Schilderung des Abendfriedens und flammende Bitte um göttlichen Beistand verbindet, hinterlässt nachhaltigen Eindruck.

Die CD „Der Tod ist mir Schlaf worden. Romantic Choral Music“ von Vox animata, Leitung: Robert Göstl, ist im Label TYXart erschienen.

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