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Kino

Trauer um den freundlichen Fiesling

Ob Shakespeare-Held oder „Harry Potter“-Professor: Alan Rickman glänzte in jeder Rolle. Jetzt starb der Brite an Krebs.
Von Teresa Dapp, dpa

Der britische Schauspieler Alan Rickman ist tot. Foto: dpa

London.Man konnte Angst vor Alan Rickman haben. Als der Engländer die Rolle des Severus Snape in den „Harry Potter“-Filmen annahm, machte er Autorin J.K. Rowling glücklich. Mit seiner hypnotischen, klangvollen Stimme, der Adlernase und den schmalen Augen war er zu Recht ihre Traumbesetzung für den undurchsichtigen Zauberlehrer. Als echter Schurke war Rickman 1988 bekannt geworden – in der Rolle eines Deutschen: In „Stirb langsam“ war er Hans Gruber, Widersacher von Bruce Willis. Rickman starb nun an Krebs, wie seine Familie am Donnerstag mittelte. Im Februar wäre er 70 geworden.

J. K. Rowling zeigte sich schockiert über den Tod von Alan Rickman, der in „Harry Potter“ den Professor Severus Snape spielte. Foto: dpa

Der Action-Thriller „Stirb langsam“ stand am Beginn einer äußerst vielfältigen Filmkarriere, nebenbei blieb der gebürtige Londoner dem Theater treu und führte auch Regie.

„Irgendwas zwischen einem Adler und einer großen Katze“

„Irgendwas zwischen einem Adler und einer großen Katze“, so beschreibt der „Guardian“ den Charakterkopf, der reichlich Film- und Theaterpreise, aber nie einen Oscar gewann. Noch 2013 wählte das „Total Film“-Magazin den damals 66-Jährigen auf die Liste der begehrenswertesten Schauspieler – vor Brad Pitt und George Clooney.

Rickmans Vater, ein Fabrikarbeiter, starb ebenfalls an Krebs. Rickman war damals noch ein Junge, dessen Talent für Malerei und Design früh auffiel. Auch mit der Schauspielerei liebäugelte er in jungen Jahren, hielt den Beruf aber zunächst für zu unsicher.

Der Durchbruch beim Film kam spät

Mit Mitte 20 zog es ihn dann aber doch mit Macht auf die Bühne. Er überschätzte sich nicht und erhielt einen Platz an der weltbekannten Royal Academy of Dramatic Art. Nach dem Abschluss war er mit der – ebenfalls weltbekannten – Royal Shakespeare Company unterwegs.

Das Filmgeschäft kam erst, als Rickman schon ein gestandener Mann und Schauspieler war. Spätestens seit er 1991 als Sheriff von Nottingham Robin Hood das Leben schwer gemacht und dabei Kevin Costner die Show gestohlen hatte, galt er als brillanter Schuft – und bestätigte das als Rasputin in der gleichnamigen HBO-Produktion.

Man konnte ihm kaum böse sein

Als begnadeter Schauspieler konnte er natürlich nicht nur böse. In „Sinn und Sinnlichkeit“ verliebte er sich als aufrichtiger Colonel Brandon in Kate Winslet, als genervter Metatron in „Dogma“ versuchte er, Chaos auf der Erde zu verhindern. 2003 betrog er Emma Thompson in der Weihnachtsschnulze „Tatsächlich Liebe“ und wirkte dabei so depressiv, dass man ihm kaum böse sein konnte.

„Ich bin schon als Labour-Mitglied auf die Welt gekommen.“

Alan Rickman

Der Arbeitersohn war zeitlebens ein politischer Mensch – und links. Er sei schon als Labour-Mitglied auf die Welt gekommen, scherzte Rickman einmal, und engagierte sich unter anderem für Künstler in armen Ländern. der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn war denn auch einer der ersten, der den Schauspieler als „einen der größten seiner Generation“ betrauerte.

„Eine mögliche Kandidatin für eine Heiligsprechung“

Alan Rickman über seine Frau

Das politische Engagement verband Rickman mit seiner Frau Rima Horton, die er schon als Teenager kennengelernt hatte. Erst 2012 hatte das kinderlose Paar – nach mehr als 45 gemeinsamen Jahren – geheiratet. Meist hielt er sich bedeckt, was sein Privatleben anging, nannte Rima aber einmal eine „mögliche Kandidatin für eine Heiligsprechung“.

Skandale oder Klatschgeschichten? Sucht man vergeblich. Er glänzte zwar in zwielichtigen Rollen, wirkte aber selbst aufrichtig und zurückhaltend. In seiner ersten Fahrprüfung fiel Alan Rickman durch – nach eigenem Bekunden, weil er zu vorsichtig über eine grüne Ampel gefahren war. Ein winziger Trost für Fans: Noch in diesem Jahr kommt ein letzter Film mit Rickman ins Kino: „Eye in the Sky“.

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