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Kultur
Montag, 11. Dezember 2017 7

Hommage

Schillernde Diva mit vielen Facetten

Eberhard Geyer, Annette Ebmeier und Ursula Gaisa spüren im Turmtheater dem Mythos Marlene Dietrich in Lied und Text nach.
Von Angelika Lukesch, MZ

Ursula Gaisa brillierte im Turmtheater mit einer temperamentvollen Darbietung als Marlene Dietrich. Foto: Lukesch

Regensburg.Woran denkt man beim Namen Marlene Dietrich? Zuerst an hohe Wangenknochen und den erotischen Augenaufschlag, dann an die kühle Distanziertheit, preußische Diszipliniertheit, Laszivität beim Spiel mit Geschlechterrollen, die Erfindung des Männeranzuges für Frauen. Und nicht zuletzt ihre Absage an Hitler und die Auswanderung nach Amerika, das einsame Alter in Paris und ihr Tod im Jahr 1992.

In ihrem langen Leben entwickelte sie sich vom Starlet zum umschwärmten Filmstar, zum scheinbar alterslosen Bühnenstar und schließlich zur einsamen alten Dame, die ihre Wohnung elf Jahre nicht verließ. Fast scheinen zwei Stunden im Turmtheater viel zu wenig Zeit, um den Mythos zu erfassen. Und doch gelang Eberhard Geyer am Klavier, Annette Ebmeier und Ursula Gaisa das Kunststück, einem 91-jährigen Leben mit klug ausgewählten Liedern und gut recherchierten Texten aus Autobiografien, Biografien sowie Aussagen einer Reihe von berühmten Menschen, die zu Marlene Dietrich eine Beziehung hatten, nachzuspüren.

Marlene Dietrich

  • Geburt:

    Am 27. Dezember 1901 wurde sie in Berlin geboren. Sie starb am 6. Mai 1992 in Paris. In den 20er-Jahren arbeitete sie als Sängerin und Schauspielerin in Stummfilmen. 1930 wurde sie mit dem Film „Der blaue Engel“ international berühmt. Sie drehte sehr erfolgreiche Filme und kreierte den Dietrich-Look.

  • Heirat:

    Mit Rudolf Sieber war sie ab 1923 verheiratet. Ihre Tochter Maria Riva wurde 1924 geboren. Ab den 50er Jahren stand sie vorwiegend in Shows auf der Bühne. 1975 dreht sie ihren letzten Film, 1978 zog sie sich aus dem Showgeschäft zurück. Die letzten elf Jahre ihres Lebens verließ sie ihre Wohnung nicht mehr.

Ursula Gaisa versenkte sich tief in die Persönlichkeit Marlene Dietrichs und faszinierte mit dieser wenig subtilen Keckheit, mit der man Marlene Dietrich in ihren jüngeren Jahren als Sängerin assoziiert. Die verschliffenen Übergänge von einem Ton zum anderen, von einer Zeile zur nächsten, die Marlene Dietrichs Gesang so unverkennbar machen, gelangen Gaisa ausgezeichnet, so dass sie zusammen mit ihrer temperamentvollen Darbietung auf der Bühne als Marlene Dietrich im Turmtheater brillierte. Annette Ebmeier hatte, neben einigen gut gewählten gesanglichen Einlagen, den wichtigen Part der Rezitation inne. Sie präsentierte dem Publikum einen Querschnitt von Informationen über Marlene Dietrichs Leben. Kongenial begleitete Eberhard Geyer die beiden Künstlerinnen auf dem Klavier und sang selbst auch das eine oder andere Dietrich-Lied – Marlene hätte nichts dagegen gehabt, sie liebte Männer wie Frauen gleichermaßen.

Potpourri aus Dietrich-Songs

Mit dem Song „Nimm dich in Acht vor blonden Frauen“ und einem Potpourri aus Dietrich-Songs am Klavier begann der Abend über einen Menschen, der, wie Ebmeier sagte, „ein Starlet gewesen (sei), das zum Star wurde und zur Legende“. Die Zwanziger Jahre, während derer Marlene Dietrich zwanzig Stummfilme drehte, wogen für die Dietrich selbst nicht schwer. „Ich war in den Zwanziger Jahren gar nichts“, hatte sie selbst einmal gesagt. Es erklangen die Songs „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“, der beste Einstieg für die Beschreibung des bewegten Lebens der Dietrich, das man als treu einerseits und als unstet andererseits bezeichnen kann. Treu, weil sie mit ihrem ersten und einzigen Ehemann Rudolf Sieber bis zu ihrem Tod verheiratet war. Unstet, weil sie im Laufe ihres Lebens Liebesbeziehungen zu vielen Männern und auch Frauen hatte. Dabei sei sie jedoch immer auf der Suche nach Geborgenheit und Sicherheit gewesen, sagte Ebmeier. Freundschaft wertete die Dietrich höher als Liebe, da sie beständiger sei. Das Publikum im Turmtheater erfuhr, dass sie Affären mit Gary Cooper, Jacques Coucteau, Erich Maria Remarque, Maurice Chevalier und vielen anderen hatte. Ihre große Liebe war Jean Gabin, mit Ernest Hemingway pflegte sie eine innige Freundschaft bis zu dessen Tod.

Sie war blonde Venus und Vamp

Im Lauf des Abends wurde klar, wie komplex die Persönlichkeit der Dietrich gewesen war. Auf der einen Seite war sie die blonde Venus und ein Vamp, auf der anderen war sie die Hausfrau, die der Freundin den Haushalt führte. Der Zuschauer erfuhr, dass sich die Dietrich nicht aus Gründen der Eitelkeit im Alter in Paris völlig von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. „Sie hatte es einfach satt, Marlene Dietrich zu sein“, habe ihre Tochter einmal gesagt.

Nachdem sie mit dem Film „Der blaue Engel“ 1930 zum Star geworden war und ihr erster Ruhm verblasste, inszenierte sie ein glamouröses Comeback im Film „Der große Bluff“ mit James Stewart. Ihr berühmtes Lied daraus „Boys in the backroom“ erklang im Turmtheater und zündete 2017 genauso wie 1939. Auch Dietrichs erfolgreiche Jahre als Bühnenstar passierten Revue: „Lili Marleen“, „Sag’ mir wo die Blumen sind“ oder auch „I get a kick out of you“ erklangen. Einer ihrer berühmtesten Bühnensongs „La vie en rose“ stammt aus der Feder von Edith Piaf, mit der sie eng befreundet war. Der letzte Abschnitt ihres Lebens begann 1978 und fand in ihrer Wohnung in Paris, au 12 l`Avenue Montaigne, statt, die sie elf Jahre bis zu ihrem Tod nicht mehr verließ. 1992 starb Marlene Dietrich und ihr Mythos wurde geboren.

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