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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 4

Festival

Schulter an Schulter vor dem Chorbuch

Authentische Aufführungspraxis vom Feinsten: Cut Circle faszinierte mit dem Nachtkonzert in der Dominikanerkirche Regensburg.
Von Andreas Meixner, MZ

CutCircle aus den USA beim Nachtkonzert in der Dominikanerkirche: authentische Aufführungspraxis vom Feinsten. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Es ist das Bild, das den Besuchern des Nachtkonzerts am Pfingstsonntag in der Dominikanerkirche in Erinnerung bleiben wird: Die Vokalisten von CutCircle aus den USA stehen dicht gedrängt vor einem großen Chorbuch, Schulter an Schulter. Jesse Rodin positioniert sich als „primus inter pares“ am Pult, gibt die Impulse und blättert die riesigen Seiten der „Missa Ecce ancilla domini“ von Guillaume Du Fay. Das ist authentische Aufführungspraxis vom Feinsten und erzeugte am Schluss des Konzerts eine völlig neue, dichte Klangkultur im Vergleich zur der üblichen chorischen Aufstellung des Abends.

Unter dem mehrdeutigen, vielleicht auch ironisch gedachten Konzerttitel „My Fair Lady“ verbargen sich Werke der Marienverehrung, kontrastiert von höfischen Chansons des 15. Jahrhunderts. Die Welt der Renaissance trennte in der Musik nur gering die geistliche und weltliche Liebe und Verehrung. So verzahnte das intelligente Programm Motetten und Chansons von Du Fay, Antoine Busnoys und Johannes Ockeghem.

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Die acht Sänger traten in verschiedenen Besetzungen auf, stets in bester Intonation und einer unglaublichen Souveränität bei der Gestaltung der hochkomplexen Partituren. Erstaunlich war auch, wie eine Truppe ausgewachsener Individualisten mit Charakterstimmen zu solch einem homogenen Klangkörper zusammenfanden, manches Mal sogar verschmolzen. Dabei war Schönklang nicht das Ziel. Ganz eng orientiert am Text wurde auch zupackend und kräftig musiziert. Auch bei der abschließenden Messe, ganz eng aneinander stehend. Den Atem des anderen im Genick. Dieses Bild wird bleiben.

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