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Kultur
Mittwoch, 24. Januar 2018 4

Interview

Sie schreibt am liebsten in der Küche

Sarah Lesch singt über Dinge, die sie bewegen. Wenn sie keine Musik macht, droht ihre Seele zu platzen.
Von Katharina Eichinger, MZ

„Da Draussen“ heißt Sarah Leschs neue Platte. Foto: Marcus Mlynek

Gerade ist Ihr neues Album „Da Draussen“ erschienen. Wodurch unterscheidet es sich von den anderen?

Ich bin älter geworden. Heute kann ich genauer sagen, was ich möchte. Früher habe ich mich nie so mit dem Handwerk „Musik“ beschäftigt. Meine Alben sind sich aber alle sehr ähnlich und klingen einfach nach Sarah. Auch bei meinem Neuen musste eine Küchenaufnahme dabei sein.

Eine Küchenaufnahme?

Ich lebe quasi in meiner Küche. Ich bin früh Mama geworden – mit 18 – und war viel alleine, als alle meine Freunde nach dem Abi verreist oder weggezogen sind. Da habe ich angefangen zu schreiben und mache das auch jetzt noch.

2016 haben Sie den Protestsong-Contest mit „Testament“ gewonnen. Sollen Ihre Lieder immer wachrütteln?

Nein, eigentlich nicht. Ich schreibe über Dinge, die mich selbst betreffen. Auch ich mache nicht alles richtig und ich glaube nicht, dass ich besser als andere weiß, was richtig ist.

Rechte hatten „Testament“ missverstanden und für ihre Zwecke missbraucht. Achten Sie jetzt besonders auf Ihre Texte?

Das hat mir schon zu denken gegeben, das Lied habe ich für meinen zwölfjährigen Sohn geschrieben. Ich beziehe das auf jeden Fall mit ein. Worum es geht, ist aber letzten Endes, wofür ich stehe. Deswegen ist es nicht so wichtig, dass ich jeden Satz noch mal genau erkläre, denke ich. Wofür ich stehe, kann man leicht herausfinden. Da muss ich einfach drüber stehen.

Profitieren Sie von der Bekanntheit, die Sie dadurch erlangt haben?

Sarah Lesch Foto: Marcus Mlynek

So habe ich das eigentlich nicht erlebt. Es ist natürlich irgendwie spannend, dass der Song viele politische Gruppen anspricht. Ich fand aber schön, dass sich auch junge Leute gemeldet haben, die eher aus dem rechten Spektrum kamen und meinten: Uns stört das gleiche wie die mit den Dreadlocks, vielleicht haben unsere Probleme gar nichts mit der rechten Szene zu tun. Das ist schön, wenn man zum Nachdenken anregt.

Sie singen: „Ich weiß nur, dass man die Angst vergisst, wenn man singt.“ Verarbeiten Sie mit Ihrer Musik Erlebtes?

Ja, nur. Ich habe angefangen, selbst zu schreiben, als meine Großmutter gestorben ist. Sie hat mich großgezogen. In dieser schwierigen Zeit ist mein erstes Album erschienen. Wenn man kreativ ist, kann man etwas Trauriges in etwas Schönes verwandeln. Für mich ist Musik machen, wie atmen. Sonst platzt meine Seele.

Sie schreiben ja nicht nur in der Küche. Eines Ihrer Stücke ist auf der Raststätten-Toilette auf der A9 entstanden.

Ich bin seit drei Jahren nur auf der Autobahn unterwegs. Zu Hause habe ich auf dem Klo immer ein Notizbuch liegen, da habe ich einfach gute Ideen. Witzigerweise ist das auch unterwegs so. Das Lied kam mir einfach und ich hab’s sofort aufgenommen.

Wie viel Zeit bleibt Ihnen überhaupt noch mit ihrem Sohn, wenn Sie so viel unterwegs sind?

Wenn mein Sohn in der Schule ist, lebt er in Baden-Württemberg bei seinem Papa. Das findet er natürlich affencool. Aber er besucht mich oft. Einmal hat er ein zweitägiges Sportcamp abgebrochen, weil er unbedingt zu mir wollte. Er ist auch ganz viel mit mir unterwegs.

Warum sind Sie dann aus Baden-Württemberg weggegangen?

Ich bin in Thüringen geboren. Mein Vater ist auch Musiker, ich kannte ihn eher aus dem Fernsehen. So eine Disney-Vorstellung von mir war es immer, dass er zu einem meiner Konzerte kommt. Ich hatte einfach das Bedürfnis, meine Wurzeln zu verfolgen.

Ist Familie für Sie ein Rückzugsort?

Auf jeden Fall. Abends heimkommen, nichts erklären müssen, keine Fragen beantworten – das ist toll.

Rufen Sie gerade aus der Küche an?

Nein, da sind gerade Handwerker. Aber ich habe heute schon in der Küche gesungen – zur Not kann ich ja auch an die Raststätte fahren. (lacht)

Sarah Leschs neues Album „Da Draussen“ gibt es seit Freitag, 11. August. Die CD kostet etwa 16 Euro, Vinyl circa 18 Euro.

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