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Musik

„Solitary Man“: Neil Diamond wird 75

Über 100 Millionen verkaufte Alben: Neil Diamond hat es vom Arbeitersohn zum Weltstar geschafft. Doch er hasst seinen Job.
Von Christina Horsten, dpa

Neil Diamond hat in seiner Jahrzehnte langen Karriere viele Evergreens geschrieben. Doch noch immer fällt ihm das Komponieren schwer. Foto: afp

New York.Das Singen war für Neil Diamond eher eine Notlösung. „Ich bin nicht so schlau“, sagte er einmal dem britischen „Telegraph“. „Wenn ich schlau wäre, hätte ich Medizin studiert, wäre jetzt Biologe und hätte ein Heilmittel für Krebs entdeckt.“ Stattdessen begann er schon als Teenager, Songs zu schreiben. „Ich bin besser darin, Dinge zu fühlen, als sie zu verstehen. Weisheit kommt nur nach Jahren des Nachdenkens. Und wenn ich ein bisschen Weisheit habe, dann mache ich einen Song daraus.“ So entstanden über die Jahre zahlreiche Klassiker wie „Sweet Caroline“, „Cracklin‘ Rosie“, „You Don’t Bring Me Flowers“ und „Red Red Wine“, die sich mehr als 100 Millionen mal verkauften und Diamond zum Weltstar machten.

Die Songs bleiben harte Arbeit

Aber trotz all seines Erfolgs – so richtig genießen kann der Sänger, der am 24. Januar 75 Jahre alt wird, seinen Job immer noch nicht. „Man würde denken, dass mir das Schreiben nach all diesen Jahren leicht und schnell von der Hand gehen würde, aber so scheint es einfach nicht zu sein. Es ist harte Arbeit und es wird nicht einfacher. Ich hasse es. Aber ich mache es jetzt schon eine ganze Weile und ich finde einfach keine andere Möglichkeit, Geld zu verdienen.“

Neil Diamond tritt noch regelmäßig live auf. Foto: dpa

Noch etwas anderes stört den Musiker an seinem Job. „Jeder nimmt Anonymität einfach so als gegeben hin. Aber was, wenn man nirgendwo hingehen kann, wo einen keiner kennt, und wo nicht jedes Wort, das man sagt, weitererzählt wird? Dieser Verlust der Privatsphäre ist eine Strafe.“ Er erwarte auch schon gar keine Ehrlichkeit von seinen Mitmenschen mehr, sagt Diamond. „Es gibt nur sehr wenige Menschen auf der Welt, die mir das geben – meine Kinder, meine Frau und einige sehr enge Freunde.“

Trotzdem macht der Großmeister des Schmusesounds immer weiter, hat 2014 gerade erst wieder ein neues Album veröffentlicht und tourte 2015 mit seiner schmachtenden Reibeisenstimme um die Welt. „Ich bin süchtig nach dem Adrenalin, das bei einem Live-Konzert fließt“, bekannte er einmal. „Ich muss auf Tour gehen, um diese Sucht zu befriedigen.“ Mit seinen mitsingbaren Klassikern füllt er Konzerthallen auf der ganzen Welt. Auch zahlreiche Preise hat er bekommen und es in die Ruhmeshalle des Rock and Roll sowie auf den Walk of Fame in Hollywood geschafft.

Mit Barbra Streisand auf der High School

Dabei stammt der 1941 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene Neil Leslie Diamond aus ganz einfachen Verhältnissen. Sein Vater hatte einen kleinen Laden. Diamond ging auf die Erasmus Hall High School, wo er mit Schulkameradin Barbra Streisand im Chor sang. Mit einem Fecht-Stipendium ging er aufs College, brach das aber ab, als er seinen ersten Job als Songschreiber bekam. Für den New Yorker Brill Verlag arbeitete er in einem winzigen Büro am Broadway, das nur aus Schreibtisch, Klavier und Münzfernsprecher bestand. Die 35 Dollar Wochenhonorar, die er anfangs bekam, waren gut investiert: Für Cliff Richard komponierte er Hits wie „Just Another Guy“ (1966) und „I’ll Come Running“ (1967), für Deep Purple „Kentucky Woman“ (1967), für die Monkees „I’m A Believer“ (1966).

Nach dem ersten eigenen Plattenvertrag 1966 reihte sich ein Hit an den nächsten: „Solitary Man“ (1966), „Girl You’ll Be A Woman Soon“ (1967) und „Red Red Wine“ (1968). Bald zählte Diamond zu den bestverdienenden Show-Stars der Welt. Mit seinem Album „Hot August Night“, einem Live-Mitschnitt eines Konzerts in Los Angeles, konnte er sich 1972 sogar gut anderthalb Jahre in der US-Hitparade halten.

Privat gab es mehr Höhen und Tiefen. Zwei Ehen scheiterten. 2012 heiratete der vierfache Vater seine rund 30 Jahre jüngere Managerin. Damit müsse das Thema dann auch endlich einmal erfolgreich abgeschlossen sein für ihn, privat und beruflich, witzelte der König der Liebeslieder jüngst in einem Interview. „Ich würde das Thema Liebe gerne beenden. Es macht mich wahnsinnig. Ich denke, ich bin nahe dran, es auf eine merkwürdige Art und Weise abgeschlossen zu haben, und ich schätze, dann wird die Welt eine andere Form des Songschreibens von mir sehen.“

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