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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Ausstellung

Trauriger Star unter Diamantstaub

Hochkarätige Schau: Andrea Madesta zeigt Pop Art ersten Ranges und holt zwölf große Namen nach Regensburg.
Von Gabriele Mayer, MZ

In der Ausstellung Pop Art – up to today: drei Marilyn-Monroe-Bilder von Russel Young. Mit Diamantstaub bespiegelt er die Abgründe des Glamour. Foto: altrofoto.de

Regensburg.So etwas hat man in Regensburg noch nicht gesehen. Mit ihrer umfangreichen Pop Art-Ausstellung, die 60 Arbeiten von zwölf amerikanischen und britischen Künstlern allerersten Ranges präsentiert, schlägt Dr. Andrea Madesta, Inhaberin der Galerie Bäumler, den Bogen von den Anfängen bis zu neuesten Erscheinungsformen dieser Kunstrichtung. Die Auswahl der zum Teil großformatigen Werke demonstriert die Qualität und Vielschichtigkeit der Pop Art.

Pop steht für populär, für das Bunte, Grelle und Massenkulturartige der Konsumgesellschaft und ihrer Ikonen. Pop Art feiert, verfremdet und bearbeitet es: signalhaft mit klaren Farben, klaren Linien, griffigen, flächig wirkenden Figuren, da muss man nicht viel heruminterpretieren. Aber simpel ist Pop-Art nicht, sondern vertrackt, raffiniert und ironisch, jedenfalls bei den gezeigten Künstlern, die ihrerseits mittlerweile zu Ikonen geworden sind. In München widmen sich derzeit zwei Museumsschauen Pop Art-Künstlern, die eine Andy Warhol, die andere Keith Haring.

Das Gewöhnliche wird verklärt

Wie kein zweiter vor ihm hat Warhol massenmediale Techniken, Formate und Strategien verwendet, auf die Kopie etwa von Illustrierten-, Comic- oder Plakatdarstellungen zurückgegriffen, das Original in Frage gestellt und auf unverwechselbare Weise serielle Bearbeitung und Mehrfachverwertung praktiziert und geadelt. Von Warhol präsentiert Madesta großformatige Siebdrucke: einen Goethe, einen Vampir aus Warhols späten, düsteren Schaffensjahren, und ein Toni Schumacher-Porträt zusammen mit drei Polaroid-Aufnahmen des Fußballers. Außerdem sind zwei sehr frühe Warhol-Bilder zu sehen: die Originalzeichnung einer Katze, die später Eingang in verschiedene Werke Warhols fand, und einen Druck, den der Kommunikationsdesigner Warhol als Kochrezept-Gestaltung entwarf.

Indem er und andere Pop Art-Kollegen Alltagsbilder und Populär-Ikonen künstlerisch überschreiben, kommt es zur bekannten Verklärung des Gewöhnlichen, die man freilich stets zugleich als schillernde Ironisierung der an den Oberflächlichkeiten orientierten westlichen Gesellschaft deuten kann.

Die Vitalität der Pop Art wird greifbar

Gleich im ersten Raum hängen Werke von zwei weiteren Klassikern der Pop Art. Roy Lichtenstein übersetzt rasterartig, aber ästhetisch sehr verdichtet und splitterig die Zeichen der Comic- und Werbebranche in Kunst. Daneben: zwei zarte, großformatige Wesselmann-Siebdrucke. Sie transformieren ehrwürdige Motive, das Stillleben und eine Interieurszene mit halbnackter Dame, in eine scheinbar unkomplizierte fröhliche Darstellungsform. Die Vitalität und Energie dieser Kunst rückt einem plötzlich näher, sagt Madesta.

In den anderen Räumen stellt Madesta eine Verbindung der Klassiker auch mit der nächsten und übernächsten Pop Art-Generation her. Von Keith Haring, dem einflussreichsten Meister der Icons, ist die Farbserigraphie „The Story of Red and Blue“ zu sehen. Madestas Kommentar: Reduktion, Prägnanz, Humor. Anonymisierung und Austauschbarkeit sind Kennzeichen der Massengesellschaft. Alex Katz drückt mit der Verschlossenheit seiner Einzel-Figur zugleich eine Melancholie aus, die auch von der planen Flächigkeit und den einsamen Umrisslinien herrührt, mit der er sie malt. Seine große Vorzeichnung zu einem Gemälde arbeitet sozusagen an diesem Ausdruck.

Die Abgründe des Glamour

Russel Young erkennt mit drei Siebdrucken einer weinenden bzw. traurigen Marylin in verschatteten Farben die Celebrity-Paradiese als verlorene Paradiese und bespiegelt die Abgründe des Glamour mit Diamantstaub. Julian Opie spielt verfremdend mit Bewegungs-Simulation.

Und bei Mr. Brainwash geht es dann schließlich um die totale Infragestellung und Verweigerung der Regeln des Kunstbetriebs, die die Pop Art von Anfang an einerseits benutzt und andererseits immer wieder unterlaufen hat. Möglicherweise, aber nicht sicher verbirgt sich hinter Mr. Brainwash der berühmte Street Art-Künstler Banksy, der bisher freilich auch anonym geblieben ist. Er gibt seine provokanten Bilder im öffentlichen Raum frei oder stellt sie ungefragt selbst in Museen oder verkauft sie billigst und sympathisiert vielleicht mit seinen Plagiatoren. Ein Bruch mit all jenen Normen also, auf die der Kunstmarkt angewiesen ist. Mr. Brainwash ist vertreten mit einer Mickey Mouse-Schablone vor Campell’s Dosen, Rastermotiven und Drop-Painting – und mit einem Elvis, der eine grüne Knarre wie eine Gitarre hält. Wer die Werke des anonymen Künstlers kauft, macht allemal ein spekulatives Geschäft. Besser als mit der Inszenierung so eines Settings kann Kunst die Gesellschaft nicht kopieren.

Madesta präsentiert außerdem schöne Arbeiten von Allan Jones, Robert Indiana, Mel Bochner und Mel Ramos. Wer vieles zeigt, wird manchem etwas geben. Die Ausstellung zeigt aber nicht nur einzelne Bilder, sondern vermittelt Zusammenhänge, Bezüge, Abgrenzungen, damit wird die Ausdruckskraft der Werke differenziert und bereichert Und ganz nebenbei ist die Schau eine Feier der Pop Art in ihrem Einfluss auf andere Positionen.

Die Ausstellung „Pop Art – up to today“ ist bis zum 29. August in der Galerie Bäumler, Obere Bachgasse 16, zu sehen.

Pop Art bei Bäumler in Regensburg

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