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Kultur
Dienstag, 21. November 2017 5

Musik

Trentemøller live in Hamburg

Im Laufe der Jahre hat Trentemøller seinen Musik-Stil ordentlich gewandelt. Aber live passt das alles gut zusammen.

Hamburg.Am Donnerstag stellte der dänische Musikproduzent Trentemøller sein wunderbar düsteres Album „Fixion“ zusammen mit seiner vierköpfigen Liveband in der Hamburger Markthalle vor.

Anders Trentemøller begann seine Karriere als Techno-Produzent, bei der er zu Beginn ausschließlich die Tanzfläche fest im Blick hatte. Zu seinem Markenzeichen zählte ein ausgefeilte, äußerst tanzbare und auf den Punkt gebrachte Produktion, wie beispielsweise das 2005 auf dem dänischen Tic Tac Toe Label veröffentlichte „Serenetti“. Doch bereits mit seinem ersten 2006 auf Pokerflat erschienenem Longplayer „The Last Resort“ befreite er sich mit teils episch klingenden Tracks von den Fesseln und Vorgaben der Dancefloor-Musik.

Zehn Jahre später ist er auf seinem eigenen Label In My Room mit dem aktuellen Album „Fixion“ nun ganz woanders angekommen. „Fixion“ besteht zu einem überwiegenden Teil aus Songs, die an die frühen The Cure oder die düster klingenden 4AD-Bands der Mitachtziger-Jahre erinnern. Zusätzlich finden sich auf dem Album recht harte und teils gemein klingende Elektro-Experimente. Mit Spannung war daher zu erwarten, wie der Däne sein neues Album in sein musikalisches Live-Portfolio integrieren würde.

Trentemøller und seine Band betraten in der fast ausverkauften Markthalle gegen neun Uhr die vernebelte und spartanisch beleuchtete Bühne und eröffneten das Konzert mit der Instrumental-Nummer „November“ im typisch düsteren Musikstil des neuen Albums. Mit dem Song „One Eye Open“ trat dann Sängerin Marie Fisker, die auf vielen Songs von „Fixion“ zu hören ist, erstmals erkennbar ins Scheinwerferlicht. Beim Nachfolger „Never Fade“ griff dann auch der in der Mitte der Bühne positionierte und von seinen Keyboards umringte Trentemøller zum Mikrofon.

Die Band machte an diesem Abend von Beginn an keinen Alibi-Eindruck, sondern spielte die Kompositionen des Dänen fehlerlos, souverän und eigenständig. Anders Trentemøller selbst reiht sich nahtlos und angenehm uneitel in das Bandgefüge ein und wurde immer dann begeistert in der Markthalle gefeiert, wenn er sich mit seinen wohldosiert anfeuernden Gesten dann doch mal explizit ans Publikum wandte. Die druckvolle Band-Performance wurde zusätzlich durch die clever konzipierte Lichtshow verstärkt, die zu Beginn praktisch nur aus Nebel und dezentem Lichteinsatz bestand und im Laufe des Konzerts mit stimmungsvollem Farbspiel, Visuals, Neonröhren und Lasereffekten immer weiter aufgebrezelt wurde.

Das Publikum ging von der ersten Note an mit und feierte und tanzte begeistert zu jedem Song, egal ob Depri-Sound, Club-Track oder rockende Nummer. Trentemøller lieferte dazu eine stimmige und eigentlich obligatorische Auswahl der aktuellen Songs, wie beispielsweise das zu Beginn nach Zoot Woman klingende „Redefine“ sowie die weiteren Single-Auskopplungen „Complicated“ und „River in Me“. Die Band beschränkte sich allerdings nicht nur auf die neuen Hits, sondern spielte auch ältere Tracks sowie einige heftigere Nummern wie das schön gemeine „Circuits“, das live plötzlich viel mehr Sinn als im Album-Kontext machte und die Markthalle ordentlich durchrüttelte.

Das Konzert endete dann nach mehr als einer Stunde mit dem ziemlich genau zehn Jahre alten Clubhit „Moan“. Die anschließende Zugabe begann mit dem letzten Stück „Where The Shadows Fall“ des neuen Albums und schloss stimmig mit dem ersten Track „Take Me Into Your Skin“ des Debütalbums ab.  

Trentemøller beeindruckte an diesem Abend mit einer makellosen Show, einer perfekt eingebundenen Band und einer energiereichen Performance. Die einzige Verbesserungsmöglichkeit für kommende Tourneen liegt vielleicht darin, einen besseren Flow zwischen den doch sehr unterschiedlichen Tracks herzustellen und das ganze Konzert wie einen einzigen durchgängigen DJ-Set - natürlich mit Live-Musikern - zu gestalten. Unabhängig davon ist mit dem dänischen Produzenten auch in Zukunft fest zu rechnen, da er mit seinen musikalischen Fähigkeiten und Erfahrungen wie nur wenige dazu in der Lage ist, den Dancefloor und die Konzerthalle glaubwürdig zu vereinen

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