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Kultur
Donnerstag, 17. August 2017 28° 2

Klassik

Unaufdringliche Meisterschaft am Klavier

Yaara Tal und Andreas Groethuysen eröffnen die Max-Reger-Tage in Weiden: minimaler Blickkontakt, vollendete Präzision.
Von Andreas Meixner, MZ

Pianistin Yaara Tal und ihr Partner Andreas Groethuysen gestalteten den Auftakt der Max-Reger-Tage in Weiden mit einem großartigen Konzert. Foto: Michael Leis

Weiden.Es sind fast über 40 Veranstaltungen, die das Weidener Kulturamt unter der Leitung von Petra Vorsatz im Max-Reger-Jahr 2016 stemmt. Ein klug zusammengestellter Mix aus hochkarätigen Konzerten und Meisterkursen sowie Ausstellungen und Führungen beleuchtet das kulturelle Umfeld des Meisters. Die Stadt zieht alle Register, um dem internationalen Fokus gerecht zu werden. Schon der Auftakt am Sonntag wurde zum ersten Highlight der Saison. Eines der führenden Klavierduos war zu Gast in Weiden und zeigte von Anfang an, was unaufgeregte und schnörkellose Virtuosität bedeutet.

Die israelitische Pianistin Yaara Tal und ihr deutscher Partner Andreas Groethuysen begannen das Konzert mit einer Bearbeitung der bekannten Mozart-Sonate C-Dur (KV 545) aus der Feder von Edvard Grieg. Groethuysen sah sich genötigt, das Publikum auf das Werk mit einigen Anmerkungen charmant einzustimmen und die eigenwillige Romantisierung von Grieg zu entschuldigen. Das war nicht nötig, der Brückenschlag zwischen der Wiener Klassik und der Spätromantik gelang bestens, auch dank der klaren Abgrenzung von Originalsatz und Harmoniebearbeitung durch die zwei Flügel.

Ohne Hektik und Effekthascherei

Es folgte Mozarts Sonate D-Dur (KV 448), die das Musizieren an zwei Klavieren zur ersten Blüte brachte. Fast sinfonisch steigern sich beide Instrumente in einen Klangrausch, imitieren dann wieder die Atmosphäre eines Doppelkonzerts, um sich im Mittelsatz in zarter Intimität die kammermusikalischen Bälle zuzuspielen. Es bedarf dabei der Klasse eines symbiotisch zusammenwirkenden Duos, um den Schattierungen und Farben dieses Meisterwerks differenziert und plastisch zu begegnen, ohne in Hektik und Effekthascherei zu verfallen. Das gelang Yaara Tal und Andreas Groethuysen in vollendeter Klarheit und Präzision, mit wenig Pedaleinsatz und mit fast minimalistischem Blickkontakt und Körperimpulsen.

Spielten in vollendeter Klarheit und Präzision, beim Auftaktkonzert der Max-Reger-Tage in Weiden: Yaara Tal und Andreas Groethuysen. Foto: Michael Leis

Max Regers Variationen über ein Thema von Beethoven op. 86 aus dem Jahr 1904 bilden in ihren zwölf Variationen eine atemlose Verdichtung spätromantischer Ausdruckskraft. Das Andante-Thema verfremdet sich immer wieder ins Unkenntliche, schimmert durch die Harmonien, um sich dann wieder frei zu entfalten. Reger jagt in seiner typischen Art durch die Chromatik und durch kühne Harmoniesprünge, bis sich eine große Fuge mit Macht erhebt und das geniale Werk zum Abschluss bringt. Die großartige Musik und das hochkarätige Klavierduo mit seiner unaufdringlichen Meisterschaft wurden begeistert beklatscht.

Als krönender Abschluss des Konzerts erklangen als Zugabe die drei Variationen und Fuge zum Thema „Heil Dir, im Siegeskranz“. Ein großartiger Auftakt des Reger-Jahres in Weiden!

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