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Kultur
Freitag, 17. November 2017 5

Klassik

Unbekanntes und Anregendes aus Böhmen

Auf Einladung des Sudetendeutschen Musikinstituts: Das Sojka Quartett aus Pilsen gastiert in der Weinschenk-Villa.
Von Gerhard Dietel, MZ

Andreas Wehrmeyer leitet das Sudetendeutsche Musikinstitut. Foto: Archiv/altrofoto.de

Regensburg.Tschechische Gäste in der Regensburger Weinschenk-Villa: Auf Einladung des Sudetendeutschen Musikinstituts musiziert dort das Sojka Quartett aus Regensburgs Partnerstadt Pilsen und bietet den Hörern Unbekanntes von Musikern böhmischer und tschechischer Herkunft dar.

Im Zentrum des Abends steht die deutsche Erstaufführung des Streichquartetts Nr. 7 des 1945 in Kraslice (Graslitz) geborenen Roland Leistner-Mayer, der persönlich anwesend ist – wird an diesem Abend doch auch eine eben beim Label TYXart erschienene CD präsentiert, auf der dieses zusammen mit zwei weiteren Quartetten des Komponisten eingespielt ist. Mit „Ariadne-Quartett“ ist das siebte und jüngste Quartett Leistner-Meyers betitelt. Dem Namen entsprechend deutet Andreas Wehrmeyer, der Leiter des „Sudetendeutschen Musikinstitus“ das Werk als Darstellung von „Lebenswegen, die sich in Linien schlängeln“. Versonnen und nachdenklich lassen Martin Kos und Martin Kaplan (Violinen), Josef Fiala (Viola) sowie Hana Vitková (Cello) ihre Interpretation beginnen, bevor unversehens die Erregungskurve nach oben führt. Nach einem kraftbetonten Scherzo wird das „Molto moderato“ zum Höhepunkt: eine Musik von großer Innenspannung und rhetorischer Dichte, geprägt vom anfänglichen Zwiegesang der beiden tiefen Streichinstrumente.

Ebenfalls anwesend ist der Pilsener Komponist Karel Pexidr, von dem das in den 1950er Jahren entstandene Streichquartett Nr. 1 erklingt. Als „Romantisch“ hat es der Komponist zwar bezeichnet, doch gehört es in seiner gehärteten Klangsprache eher dem 20. Jahrhundert an, wie von den ersten schroffen Tönen des eröffnenden „Allegro agitato“ an deutlich wird. In Spuren meint man, Anklänge an die Tonsprache Leos Janaceks zu spüren.

Als viel schlichter gestrickt erweist sich die biblisch inspirierte „Sonate für Ruth“ der 1995 geborenen Sára Soukupová. Mit rhythmischen Patterns und einfachen Modellen von Melodie und Begleitung arbeitet die junge Komponistin. Unverhohlene Anleihen bei Romantik und Spätromantik mischen sich bei ihr offenbar mit Anregungen aus Minimalismus und Filmmusik.

Zwei Kompositionen des 18. Jahrhunderts umrahmen den überaus anregenden Konzertabend: Stilistisch janusköpfig mutet ein C-Dur-Quartett von Florian Leopold Gassmann an, das mit Andante und Menuett zur Sprache der Wiener Klassik neigt, doch in den polyphonen schnellen Sätzen noch auf die alte Kirchensonate verweist. Entspannter Ausklang: das melodiefreudige, vom Sojka Quartett mit viel Musizierlust erfüllte B-Dur-Streichquartett von Antonin Kammel und eine Haydn-Zugabe.

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