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Kultur
Donnerstag, 22. Juni 2017 34° 2

Konzert

Unichor beschwört die Kraft der Sonne

Das Regensburger Ensemble besingt das Licht – und verbreitet schieren Wohllaut, mit Werken unter anderem von Mendelssohn, Schumann und Petr Eben.
Von Gerhard Dietel, MZ

Roman Emilius, Leiter des Regensburger Universitätschors: Mit kleinsten Fingerzeigen animierte er die Sänger im Vielberth-Gebäude der Universität zu höchst nuancierter Interpretation. Foto: altrofoto.de/Archiv

Regensburg.Mögen auch draußen am Himmel dunkle Wolken stehen und bald ein Regenschauer niedergehen: der von Roman Emilius geleitete Regensburger Universitätschor stimmt im Vielberth-Gebäude „Gesäng

e von Sonne und Licht“ an und beschwört gleich mit dem anfänglichen „Die güldene Sonne“ von Johann Georg Ebeling in strahlenden, rhythmisch federnden Klängen die lebensspendende Kraft des Gestirns.

Geistliche Musik durchzieht die Programmfolge und dominiert sie anfangs. In einem lebendigen Konzert von Stimmen, die sich polyphon verflechten und dann wieder zu mächtigen Akkorden vereinigen, ertönt die Motette „Die Himmel erzählen“ von Heinrich Schütz, während in Felix Mendelssohns „Richte mich Gott“ die Unisono-Anrufungen der Männer mehrfach von sanften Harmonien der Frauenstimmen abgelöst werden.

Assisis Sonnengesang

Die weltliche Chormusik der Romantik ist mit Robert Schumanns „Ungewissem Licht“ und Franz Schuberts „An die Sonne“ vertreten, gefolgt von Werken der jüngeren Vergangenheit. Morten Lauridsens „O nata lux“ ertönt als sanfter Appell, der allmählich an Intensität gewinnt und trotz sanfter Reibungen der Stimmen schieren Wohllaut verbreitet. Nicht fehlen darf in diesem vom Licht handelnden Programm der Sonnengesang des Franz von Assisi, hier in der Vertonung von Petr Eben. Souverän bewältigt der Chor die gewagten harmonischen Wendungen der Komposition und entwickelt tänzerischen Schwung auch dort noch, wo es im Lob der Schöpfung den „Bruder Tod“ anzuerkennen gilt.

Wo viel Licht fällt, gibt es dennoch manche, die im Schatten stehen. Eine dunklere Wendung nimmt das Programm mit drei Chorsätzen aus Grégory Nordmanns Zyklus „geboren zu weinen“, in denen der junge Komponist Gedichte von Kindern vertonte, die ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert waren. Trauer über die verlorene Freiheit drücken Texte und schlichte, doch eindringliche Klänge aus, doch auch zarte Hoffnungsfunken glimmen auf. Mehrfach treten Solostimmen aus dem Chor heraus, wie um die Individualität der Gedanken zu betonen. Am beklemmendsten wirkt wohl „Die Angst“: aus stockenden Tönen des Klaviers, an dem Grégory Nordmann selbst musiziert, formt sich ein düsterer Marsch, der sich im Chorpart bis zu greller Klage steigert.

Hitziger Beifall

An den Wänden des Saals im Vielberth-Gebäude verteilt sich der Chor für die Schlussnummern und nimmt die Hörer so mitten in den Klang hinein. Mit großer Ruhe ertönen Rheinbergers „Abendlied“ und Bachs „Nun ruhen alle Wälder“, wobei man bewundern kann, wie Roman Emilius den Chor mit sprechenden Gesten der Hände und selbst kleinsten Fingerzeigen zu einer höchst nuancierten Textinterpretation animiert. Abendfrieden kehrt ein – fast: Denn der Jubel des Publikums, der nun aufbrandet, fällt nicht nur warm, sondern geradezu hitzig aus.

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