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Kultur
Montag, 11. Dezember 2017 3

Musikalische Lesung

Urtümliches aus Bayern und Böhmen

Arthur Schnabl und das Collegium Musicum Regensburg umkreisen in Texten und Musik einen Kulturraum.
Von Gerhard Dietel, MZ

Das Collegium Musicum: Unter Leitung von Wolfgang Kraus gestaltete das Ensemble den musikalischen Teil der Veranstaltung. Foto: MZ-Archiv/Kraus

Regensburg.Zu einer Veranstaltung mit „Musik und Texten aus der Oberpfalz und aus Böhmen“ hatte das Sudetendeutsche Musikinstitut geladen, die gemeinsam vom „Collegium Musicum“ unter Leitung von Wolfgang Kraus und dem Regensburger Literaturwissenschaftler Arthur Schnabl gestaltet wurde. Gelungenes Ziel dieses Kulturnachmittags im Festsaal des Bezirks Oberpfalz: deutlich zu machen, dass die Regionen dies- und jenseits der deutsch-tschechischen Grenze vor dem Niedergang des Eisernen Vorhangs einen einheitlichen Kulturraum bildeten.

Die erzählenden Texte und lyrischen Beiträge, die Arthur Schnabl für seine Lesungen zusammengestellt hatte, stammten zu großen Teilen von Künstlern, die in der Region geboren oder ansässig waren, doch auch von „Hineingeschmeckten“, die von der kargen Bayer- und Böhmerwaldlandschaft und der Urtümlichkeit ihrer Bewohner fasziniert waren. Zu ihnen zählten der Balte Siegfried von Vegesack, der Schwabe Hermann Lenz und die Hamburgerin Barbara Krohn, von der auch das Veranstaltungs-Motto „…in die Landschaft passen“ entlehnt war. Viele Beiträge standen im Zeichen der Erinnerung, so Adalbert Stifters „Weit zurück“, oder im Zeichen der Naturbeschreibung, darunter Georg Brittings „Schöner Novembertag“.

Arthur SChnabl steuerte die Text-Beiträge zu dem Nachmittag beim Sudetendeutschen Musikinstitut bei. Foto: MZ-Archiv

Manches wirkte dunkel visionär, wie die Textauszüge aus Werner Fritschs „Cherubim“ oder das „Gedicht von der Heimat“ des Pilsener Lyrikers Josef Hruby. Ließ Harald Grills lapidar dargestelltes „Heimkommen“ eines kriegsbeschädigten jungen Mannes das Publikum in Nachdenklichkeit versinken, so wurde es schon bald wieder aufgeheitert: mit Mundartlichem von Eugen Oker und mit „schnubiglbayrischen“ Sprachspielen von Felix Hoerburger. Stilistisch vielfältig und inhaltlich farbig fielen auch die Programmbeiträge des „Collegium Musicum“ aus: Vertonte Natur- und Liebeslyrik aus der Feder von Antonin Dvorak ließen die Chormitglieder erklingen, einen von herben Quintklängen geprägten „Abend“ von Widmar Hader oder einen grau verhangenen „November“ von Walter Müller.

Doch auch der Humor kam nicht zu kurz: in Gestalt eines vom Narrentum handelnden Satzes von Gregor Aichinger oder des köstlichen „Wanzenfests“, das Ernst R. Hauschka erdichtete und Eberhard Kraus in Töne setzte. Von Eberhard Kraus stammten auch einige „Burlesken“, mit denen Wolfgang Kraus am Flügel die Vortragsfolge ergänzte: Musik voll deftigem, oft querständigem Witz, skurrilen Wendungen und manch augenzwinkerndem Zitat.

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