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Kultur
Sonntag, 22. Oktober 2017 12° 7

Musik

Verspielte Träumerei im Trio

Wenig Adrenalin, dafür viel Gefühl in „11 waves“: Das Florian Peters Trio stellte im Regensburger Jazzclub seine neue CD vor.
Von Susanne Wiedamann

Florian Peters an der Gitarre und Gunther Rissmann am Bass im Jazzclub im Leeren Beutel Foto: Wiedamann

Regensburg.Im hinteren Teil des Saals im Leeren Beutel ist sie aufgebaut, gleich vor dem Mischpult, an dem die Jazzclub-Techniker für den guten Sound sorgen: die Doppelseite aus dem aktuellen Magazin „Jazzthetik“, in dem das Regensburger Florian Peters Trio mit einem beachtlich langen Artikel geadelt wird. Gleich daneben ein Stand mit CDs, dem Erstling „Nàu“ und der eben erschienenen Scheibe „11 waves“, und Merchandising-Artikeln. Gregory Porter könnte es nicht viel besser. Doch hält das Trio, was der professionelle Anschein verspricht? Ja und Nein.

Pianist und Gitarrist Florian Peters hat mit Bassist Gunther Rissmann und Schlagzeuger Roland Duckarm zwei ausgezeichnete Jazzmusiker an seiner Seite. Wirklich zeigen, was sie können, werden sie in diesem CD-Release-Konzert im Jazzclub Regensburg aber nicht. Soli sind auf ein Mindestmaß beschränkt, die Stücke akribisch, aber fein durchkomponiert, alle sanft und smooth. Auf einen echten Rumms, eine dramatische Zuspitzung, wartet man vergebens. „Leidenschaftlich unaufgeregt“ titelte Jazzthetik.

Der eigenen Sprache treu

Ob das Trio ein Jazzstück, Pop, Folk oder einen Bossa Nova anspielt – es bleibt sich treu. Der stilistischen Vielfalt steht eine melodiöse Sprache gegenüber, die weder harmonisch noch rhythmisch Verrenkungen macht.

Was wie ein Manko klingt, ist andererseits eine Stärke. Das Konzert ist wie aus einem Guss. Musik zum Träumen. Florian Peters hat einen wunderbaren Bariton, singt englisch, französisch, italienisch und deutsch, beeindruckt nicht nur mit Charme und Stimme, sondern besonders mit seinen einfühlsamen Texten. Der Regensburger, der den Tonfall der französischen Chansonniers ebenso trifft wie den amerikanischer Singer-Songwriter, komponiert Soundtracks fürs Kopfkino. Er ist ein versierter Erzähler, mal geradlinig, mal verspielt, der mit seinen Stücken Herz und Seele wärmt.

Seltener Trommelwirbel: Roland Duckarm bei einem Solo Foto: Wiedamann

Das Trio beherrscht alle Spielarten, kann als klassisches Jazz-Klaviertrio packend und zugleich minimalistisch zart sein, schafft aber auch den Sprung zum Deutsch-Rock-Pop mit der Nummer „Sind das wir“. Am interessantesten ist die Formation in jazzigen Stücken wie „Nice and dead“, „Melody“ oder „Des grandes vagues“ der neuen, im berühmten Rainbowstudio in Oslo aufgenommenen CD, in denen es mitunter herrlich swingend zugeht und sich die Musiker als fein und ausgefeilt agierende Instrumentalisten erweisen.

Schöne, eingängige Musik

Doch auch Popsongs, gefühlvolle Stücke wie „Guilt“ oder das folkige „Mantra to stop crazyness“ treffen den Nerv der Zuhörer. Florian Peters, Gunther Rissmann und Roland Duckarm haben schöne, eingängige Stücke vorgestellt: Musik nicht nur für Freunde des Easy listenings und Romantiker, sondern Lieder, hörbar nach dem Geschmack des kräftig applaudierenden Regensburger Publikums.

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