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Kultur
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Auftritt

Vox animata meistert schwere Aufgabe

Der Kammerchor singt „In memoriam“ Werke des ehemaligen Domorganisten Eberhard Kraus und von Max Reger.
Von Gerhard Dietel, MZ

Vox animata Foto: Georg Luft

Regensburg.„Menschen prägen Menschen, Musiker prägen Musiker und Eberhard Kraus hat mich als Mensch und Lehrer geprägt wie kaum ein anderer.“ Der, der sich mit diesen Worten dankbar an den 2003 verstorbenen ehemaligen Domorganisten erinnert, ist Robert Göstl, einst als Leiter der Vorchöre bei den Regensburger Domspatzen tätig und heute Professor für Kinderchorleitung an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Doch Göstl kehrt gerne wieder nach Regensburg zurück, diesmal zu einem Konzert in der Niedermünsterkirche, das er mit dem von ihm 2014 gegründeten Kammerchor vox animata gestaltet. Hierbei werden „In memoriam“ Werke von Eberhard Kraus und Max Reger aufgeführt.

Vox animata: das ist ein Ensemble aus jungen Stimmen, die wunderbar miteinander harmonieren und die Hörer verzaubern. Mit sparsamer, doch deutlicher Zeichengebung, die nur selten einmal energischer ausgreift, inspiriert Robert Göstl seine Sängerschar zu dynamisch fein abgestuften Interpretationen.

Ganz sanft setzt der Chor manche Phrase an, bevor die Stimmen aufstrahlen und dann geschmeidig wieder ins Leise zurücktreten: um der Textinterpretation willen, die bei allem Bemühen um einen kultivierten Gesamtklang stets das Hauptanliegen bleibt.

Aus der Feder von Eberhard Kraus präsentiert der Chor den Zuhörern in der Niedermünsterkirche zunächst dessen Vertonung von „Martin Luthers Marienlob“, die sich aus der einstimmigen Textdiktion heraus immer wieder polyphon verzweigt. Einen Höhepunkt des Konzerts bilden dann die von Kraus sehr individuell komponierten vier „Marianischen Antiphone“, von denen drei an diesem Sonntagnachmittag ihre späte Uraufführung erleben. Eine überzeugende Idee ist es, dass die Männerstimmen des Chores jeweils die entsprechende Choralmelodie vorausschicken, bevor die Fassungen von Kraus ertönen.

Geradezu altmeisterliche Motettenkunst erklingt in „Alma Redemptoris mater“, während bei „Ave Regina caelorum“ die in den räumlichen Hintergrund tretenden Frauen Schichtklänge aufbauen, die den Textvortrag der Männerstimmen farbig einhüllen. Kein Wunder, dass sich bisher noch kein Chor an Kraus‘ anspruchsvolle Partituren gewagt hat, deren komplexe Harmonik das Finden der Einsatztöne nicht leicht macht. Vox animata löst die schwere Aufgabe prächtig, notfalls an besonders herausfordernden Stellen schon einmal unter Zuhilfenahme der Stimmgabel. Diese wird später, bei den geistlichen Gesängen aus Max Regers op. 138, in denen die Singenden gekonnt die unterschiedlichen Tonfälle zwischen hell leuchtendem „Morgengesang“, angstvoller Anrufung („Nachtlied“) und volkstümlicher Schlichtheit („Unser lieben Frauen“) treffen, nicht mehr benötigt.

Im Wechsel mit den Auftritten des Chors gestaltet der junge Organist Martin Chrost das Programm, wobei er überwiegend Choralbearbeitungen musiziert. Neben drei Choralvorspielen Max Regers gibt es von Eberhard Kraus zwei Bearbeitungen aus „Dr. Martin Luthers Geistlichem Gesang zur Messe“ zu hören, dazu zwei Choralvorspiele zu Marienliedern. Seine Fähigkeit, auch umfangreiche musikalische Architekturen aufzubauen, demonstriert Chrost mit Regers Fuge aus op. 59, die er fast unhörbar aus der Tiefe anheben lässt und allmählich mit mächtigem Zug nach vorne kraftvoll steigert.

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