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Donnerstag, 26. März 2015 5

Jubiläumskonzert

Wagners Kunst wird sichtbar

Beim Festkonzert auf dem Grünen Hügel in Bayreuth wird der Schalldeckel gelüftet – und die ganze Klasse des Festspielorchesters hörbar und sichtbar.
Von Gerhard Heldt, MZ

Christian Thielemann dirigierte das Sonderkonzert zum 200. Geburtstag von Richard Wagner im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth. Foto: dpa

Bayreuth. Am 22. Mai feierte die Musikwelt den 200. Geburtstag von Richard Wagner. Aus diesem Grunde wurde das Festspielhaus auf dem Grünen Hügel außerhalb der Festspielzeit geöffnet und der Jubilar dort gefeiert, wo er sein Lebenswerk vollendet hat. Das Festspielorchester mit Mitgliedern aus renommierten deutschen und österreichischen Orchestern und Musikhochschulen war zusammengekommen, um – ein wohl einmaliger Vorgang – auf der Bühne und nicht aus dem unsichtbaren „mystischen Abgrund“ einen Abend in gewohnt exzellenter Bayreuth-Qualität zu gestalten. Christian Thielemann hatte die Leitung übernommen.

Wie bei den Festspielen war das Publikum aus aller Welt angereist. Nach Begrüßungsworten von Horst Seehofer war der 1. Aufzug aus der „Walküre“ zu erleben. Die im Vorspiel geschilderte Menschenjagd nahm Thielemann zügig, legte Wert auf die Streicherakzente und ließ das Blech bewusst so direkt klingen, wie man es in Bayreuth sonst nie hört. Mit Eva-Maria Westbroek und Johan Botha war ein stimmlich bestens harmonierendes Wälsungenpaar aufgeboten. Westbroeks lyrisch grundierter Stimme liegen auch die dramatischen Ausbrüche der Sieglinde im 1. Aufzug hörbar gut. In Isoldes Liebestod klang sie unruhiger.

Neue Hörerlebnisse ohne Deckel

Botha singt auch den Tannhäuser, ist aber prädestinierter für lyrischere Partien wie den Siegmund. Wagner lässt den Sänger hier in ausgreifenden melodischen Bögen schwärmen, fordert aber bei den „Wälse“-Rufen heldische Durchschlagskraft, die Botha überzeugend abrufen kann. Kwangchul Youn gab mit sonorem Bass den Hunding. Thielemann nimmt die erotisch-zarten Liebesszenen eindringlich, lässt Ausbrüche nur kontrolliert zu. Die kunstvollen motivischen Verflechtungen werden nicht nur hörbar, sondern, ebenso wie Wagners Instrumentierungskunst, auch sichtbar. Erst zum Schluss „So blühe denn Wälsungenblut!“ gestattete Thielemann dem schweren Blech seinen ungehinderten Auftritt.

Anselm Kiefers auf den Hintergrund projizierter „Rheingold“-Holzschnitt war einziger Bühnenschmuck, nichts lenkte von der Intensität ab, mit der das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ geradezu zelebriert wurde. Der Tristan-Akkord und die ineinander fließenden chromatischen Linien, hauptsächlich Streichern und Holzbläsern in wechselnden klanglichen Kombinationen zugewiesen, bestimmten das Vorspiel, wo Pianissimo-Extreme ausgelotet wurden, wie man sie aus dem verdeckten Orchestergraben kaum wahrnehmen würde. Am Zwischenspiel „Siegfried Rheinfahrt“ (Verwandlungsmusik zum 1. Aufzug der „Götterdämmerung“) fasziniert besonders der unmerkliche Wechsel von Siegfrieds lebensfroher heller Stimmung ins Dunkle, Bedrohliche, das ihn am Gibichungenhof erwartet – mit differenzierten Orchesterklangfarben meisterlich gezeichnet.

Das Publikum aus aller Welt jubelte

Der Trauermarsch (3. Aufzug), der zur letzten Szene überleitet, ist eine Reverenz Wagners an den 2. Satz „Marcia funebre“ von Beethovens „Eroica“. Kurze, harte Doppelschläge bestimmen zusammen mit den Siegfried-Motiven seinen Verlauf. Um den Abend nicht mit einem Moll-Akkord abzuschließen, wählte Thielemann das Vorspiel zu den „Meistersingern von Nürnberg“, das in triumphalem C-Dur endet. Wagners schalkhaft eingesetzte Kontrapunktik, die für die verknöcherten Meister steht, verbindet Thielemann faszinierend mit dem Neuen, das Stolzing einbringt, der letztlich siegt. Riesenjubel nach jeder Nummer!

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