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Kultur
Sonntag, 24. September 2017 20° 4

Ausstellung

Wenn aus Beton lebendige Kunst wird

Kreativ und komplex: Sebastian Schuster überzeugt mit seiner Werkschau im Lager in Regensburg.
Von Claudia Böckel, MZ

Eine Hose aus Beton von Sebastian Schuster Foto: Böckel

Regensburg. Eine Hose aus Beton, eine weite Hose, Breeches: Sie steht in der Ausstellung im Lager, einem ehemaligen Lager des Möbelhauses Pusch in der Tillystraße 6. Diese Räume hat der junge Künstler Sebastian Schuster bereits vor Jahren als Jugendlicher mit Freunden zusammen hergerichtet und mit Graffiti gestaltet.

Aber hier steht eigentlich keine Hose, es ist eher ein Teil eines Menschen. Eine Hose, so lebendig, als steckte ein Mensch darin, in Schrittstellung, bewegt, obwohl das Objekt in der Realität sehr schwer ist. Es könnte eine Hose des Künstlers selbst sein, die Größenverhältnisse würden stimmen. Es gibt noch weitere Betonkunstwerke in dieser Ausstellung, sie haben ebenso mit Bekleidung, Hülle zu tun.

Die Arbeiten, die der 1988 in Regensburg geborene Schuster zeigt, sind ein Querschnitt aus seiner Studienzeit an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Professor Stephan Balkenhol, der als einer der renommiertesten Künstler Deutschlands gilt, wegweisend in der zeitgenössischen figurativen Skulptur. 2016/17 war Schuster dessen Meisterschüler.

Nun bricht er auf zu neuen Ufern, wird Deutschland verlassen und für einige Jahre in Australien leben. Bevor alle seine Werke für Jahre eingelagert werden, sieht man hier nun eine bunte Mischung aus Skulptur, Objekt, Malerei, Installation, keine zusammenhängenden Werkgruppen. Und es sind absolut überzeugende Positionen dabei. Hier ist ein junger Künstler am Werk, der sich nicht zufriedengibt mit schönen Oberflächen, der sich abarbeitet mit Schaukästen, mit Erinnerungsstücken, mit Arbeiten, die sich in verschiedene Dimensionen ausbreiten, Gedankenräume öffnen. Eine große Rolle mit Abreiß-Billets, selbstbedruckt von Schuster mit den Worten Ruhm, Liebe, Reichtum, Erfüllung macht so einen Gedankenraum auf. Man kann sich bedienen, die Billets verschenken, sie selber behalten… Die Blow-up Buddies aus dem Jahr 2017 sind große, atmende, aufblasbare Plastikfiguren. Ein wenig beängstigend zunächst, bei näherem Hinsehen aber wirklich gute Kumpels. Installationen aus einzelnen Tafeln wie „Mutterbild 1 – 4“ bringen Kombinationen aus Malerei, Collage und Objekt, Fundstücke wie Perlenketten, Rehgeweihe finden Verwendung.

„Mit den Waffen einer Frau“ zeigt eindrücklich eine gefährlich weibliche Welt aus dem Gerippe eines Bügelbrettes, das kombiniert ist mit einer Vielzahl roter Gemüsemesser. Hier ist ein Künstler am Werk, der mit abstrakten Begriffen spielen kann, sie in Bilder fassen kann, die man so schnell nicht wieder vergessen wird. Den Namen Sebastian Schuster sollte man sich merken. Die Ausstellung ist noch bis Freitag täglich von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Mehr Informationen gibt es unter www.feefyfo.com.

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