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Kultur
Freitag, 28. Juli 2017 25° 2

Bücher

Wie der Ochs’ die Heilige Nacht erlebte

In der neuen Anthologie „Bethlehems Begebenheiten“ erzählen ostbayerische Schriftsteller die Weihnachtsgeschichte aus ungewöhnlichen Perspektiven.
Von Jonas Zweifel, MZ

Das Cover der neuen Anthologie „Bethlehems Begebenheiten“ mit 13 Geschichten ostbayerischer Autoren

Regensburg.Im gemütlichen Ambiente des Naturkundemuseums am Herzogpark stellte der Schriftstellerverband Ostbayern seine neue Anthologie vor: 13 Autoren steuerten zu „Bethlehems Begebenheiten“ jeweils eine Kurzgeschichte bei. Jeder dieser Beiträge beleuchtet die Ereignisse rund um Stall und Krippe von einem Standpunkt, über den in der klassischen Erzähltradition der Weihnachtsgeschichte bislang nicht groß nachgedacht wurde: Was mag sich beispielsweise der Ochs’ im Stall angesichts des Trubels um das Kind gedacht haben, das seine Futterkrippe besetzt? Wie muss sich Josef vorgekommen sein, als er dutzende Meilen mit seiner Frau zurücklegte, die steif und fest behauptete, ihre Schwangerschaft rühre vom heiligen Geist her?

Solche und ähnliche Aspekte werden in den 13 Variationen der Weihnachtsgeschichte ausgestaltet, auf durchaus unkonventionelle Weise: So spielen nicht alle Geschichten in der Zeit um Christi Geburt, sondern erst Jahrhunderte später. Die Sprache der Charaktere überrascht durch eine sehr moderne Note. Da kommt auch die Überlegung auf, dass die Volkszählung des Augustus viel einfacher vonstattengegangen wäre, wenn es damals schon das Internet gegeben hätte.

Vier Geschichten wurden im Naturkundemuseum zum Besten gegeben, umrahmt von musikalischer Begleitung durch Fagott und Flöte sowie einleitende Worte und eine Danksagung der Vorsitzenden Marita A. Panzer an alle Autoren. Sie erklärte im Gespräch mit der MZ, warum so ein Buch viel Aufwand bedeutet. Die Autoren müssen ungewöhnliche Perspektiven ein nehmen, etwa die von Tieren oder Sternen, was eine durchaus knifflige literarische Aufgabe ist. Das lasse auch eine nur drei- oder vierseitige Geschichte zu einem großen kreativen Aufwand werden. Nicht zuletzt sei es bei 13 mitwirkenden Autoren nicht einfach, das Buch pünktlich an Verleger und Drucker zu senden. In der Tat waren die am Rande der Lesung zu erwerbenden Exemplare von „Bethlehems Begebenheiten“ erst drei Tage zuvor aus der Druckerei gekommen.

Doch der Aufwand und die Arbeit haben sich gelohnt: Der Schriftstellerverband Ostbayern hat ein Buch vorgelegt, das neue, mal amüsante, mal nachdenkliche Perspektiven auf das Weihnachtsfest eröffnet und hilft, diese kulturell elementare Erzählung mehr denn je als sehr lebendig zu begreifen.

„Bethlehems Begebenheiten“ enthält Geschichten von Elfi Hartenstein, Gernot Häublein, Sylvia Luisa, Udo Kaube, Petra Bartoli y Eckert, Carola Kupfer, Barbara Krohn, Ingrid Kellner, Siegfried Schüller, Marita A. Panzer, Rolf Stemmle, Ulrich Effenhauser und Karin Holz; Illustration: Tom Meilhammer. Erschienen ist es im Regensburger Spielberg Verlag, es kostet 19,95 Euro

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