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Kultur
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Pecha Kucha

Wildes Geplapper über Chaos und die USA

Zeitlich begrenzte Powerpoint-Vorträge sorgen für Unterhaltung mit Performance-Charakter.
Von Johannes Bichler, MZ

Die Veranstalter: Florian Toperngpong, Sigurd Roscher, Lisa Vrabec und Susanne Schießl (v. l.) Foto: Bichler

Regensburg. Thyra Thorn steht auf der Bühne im Wintergarten des Andreasstadels und versucht das Zimmer ihres Sohnes anhand von Chaostheorien der 80er Jahre zu analysieren. Auf der Leinwand hinter ihr erscheinen zwei Socken. Auf dem nächsten Bild liegen die beiden Socken schon weiter voneinander entfernt auf dem Boden. Das Chaos ist also schon weiter fortgeschritten. Als Reaktion auf diese Pointe schallt ihr Gelächter aus dem voll besetzten Kinosaal entgegen. Thorn ist mit ihrem ironisch gemeinten Vortrag nicht die einzige, die an diesem Donnerstagabend auf der Bühne steht. Neben ihr stehen noch acht weitere Vorträge auf dem Programm der dritten offiziellen Pecha Kucha Night in Regensburg.

Pecha Kucha ist eine japanische Erfindung. Zwei Architekten aus Tokio führten diese Vortragsform ein, um Powerpoint-Präsentationen spannender zu gestalten. Der Vortragende hat zwanzig Folien und für jede Folie zwanzig Sekunden Zeit, dem Publikum seinen Sachverhalt darzulegen. Jeder, der das Bedürfnis hat, sich mitzuteilen, kann teilnehmen. Der Inhalt und die Art des Vortrags bleibt jedem Referenten selbst überlassen. Kultur kann das, muss es aber nicht sein. Auf diese Weise kommt bei zehn bis zwölf Vorträgen in einer Pecha Kucha Night ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Programm zustande.

Die Themen sind an diesem Abend denn auch weit gestreut. So stellen Felix Zerzawy und Markus Janietz ihre Reiserouten quer durch die USA undSüdafrika vor. Eine andere Art des Inhalts bietet Stephan Rockinger, der in seinen zwanzig Folien siebzehn Rezepte im Schnelldurchlauf aufzählt.

Ein großes Thema des Abends ist auch die Selbstdarstellung der Referenten. Swus und Peter Phobia zeigen dem Publikum sich und ihr Leben. Die Schönheit Regensburgs bringt Eva Karl zur Sprache und macht sich auf der Bühne Gedanken über das Wegziehen aus Regensburg. In einer weiteren Präsentation stellt sie einen nächtlichen Streifzug ihres Freundes Kies vor. Michaela Hanke wendete sich einem anderen Gebiet zu und zeigte ihre Fotografien mit dem Lensbaby Objektiv: Bilder, die gezielt unscharf sind und bei denen die Farben dominieren.

Über ihre Arbeit spricht Lisa Vrabec. Sie stellt ihre Tätigkeit als Designerin auf der Schuhmesse GDS in Düsseldorf vor. Vrabec gehört neben Florian Toperngpong, Sigurd Roscher und Susanne Schießl zu den Veranstaltern der Regensburger Pecha Kucha Night. Sie betreiben gemeinsam eine Bürogemeinschaft und veranstalten schon das zweite Mal eine Pecha Kucha Night im Andreasstadel. Zuvor organisierte Toperngpong schon Abende in Eigenregie im Rahmen des Regensburger Grafikerstammtischs.

Pecha Kucha bedeutet so viel wie wildes Geplapper und wird eigentlich „Petschakk-Tscha“ ausgesprochen. Im Publikum gibt es darüber allerdings Unklarheiten. Toperngpong, der als Moderator durch den Abend leitet, klärt daraufhin auf, dass sich auch die neudeutsche Aussprache „Petscha Kutscha“ eingebürgert hat. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Phänomen Pecha Kucha weltweit ausgebreitet und sich eine vernetzte Community gebildet. Und auch in Regensburg finden die zeitlich begrenzten Powerpoint-Vorträge großen Anklang.

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