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Kultur
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Bühne

Wohltemperiert mit einem Schuss Schampus

Donnernder Applaus für einen brillanten Peter Nüesch beim Chanson-Abend „Die Hosen der Jungfrau“ im Haiplatztheater
Von Peter Geiger, MZ

Peter Nüesch lieferte einen brillanten Auftritt. Foto: Theater Regensburg

Regensburg.Dass was Altes, was Neues und was Blaues die Grundbestandteile einer jeder guten Abendunterhaltung sein sollten, das wussten schon die alten Swing-Orchester der 1930er Jahre: „Something old, something new, something blue“ war deren Motto, wenn sie ihre Radio-Shows präsentierten. Dann hatten sie immer einen Klassiker an Bord, und auch was bluesig Melancholisches, bei dem man (inklusive einer Frau) eine Träne verdrücken konnte. Und das alles hatte natürlich einen irdischen Zweck: Es sollte nämlich auf diese Weise die neue Platte, die es tags darauf im Laden zu kaufen gab, beworben sein.

Einer ähnlichen Rezeptur folgt Peter Nüesch in seinem so wunderbar komponierten Chanson-Abend „Die Hosen der Jungfrau“ im Haiplatztheater: Da begegnen Evergreens der Zwischenkriegszeit wie Otto Reutters „Nehm Se ’n Alten“ oder Bertolt Brechts „Surabaya Johnny“ glanzgewienerten Novelty-Klassikern der Nachkriegs-Schule aus der Feder von Hugo Wiener oder Georg Kreisler.

Ein bisschen Maxim-Flair

Und zwischendrin haben sich mit Udo Lindenberg oder Klaus Hoffmann auch Zeitgenossen versteckt. Aber diese Aufzählung gerät doch fast zur schalen Quantifizierung, angesichts des enormen Gesamterlebnisses dieses rund zweistündigen, brillant moderierten Auftritts von Altmeister Nüesch. Der ist den Regensburgern noch bestens bekannt, aus seiner Zeit, als er im Turmtheater für Intendanz und Regie zuständig war und so ein bisschen Maxim-Flair vermittelte. Das war immer wohltemperiert, aufgepeppt mit einem Schuss Schampus – aber nie so frech, dass Gürtellinien unterschritten wurden.

In Frage gestellt wurden sie allerdings schon – so wie an diesem Abend in Ralph Benatzkys titelgebenden „Hosen der Jungfrau von Orleans“. Die nämlich sind aus Eisen und wurden vom Vater einer Jungfer dazu erdacht, dem Töchterchen diesen Status auf ewig zu erhalten. Aber am Ende, da reimt sich nicht nur „flöten“ auf „löten“, sondern am Ende auch „besser“ auf „Sardinenmesser“. Und das erweist sich schließlich als entscheidender Dosenöffner.

Das Publikum ist entzückt

Dass solche Liebesabenteuer aber vor allem der Jugend vorbehalten sind – das behandelt Nüesch in jenem Teil, der dem Grauen des Alters und der Melancholie gewidmet ist. Als Marlene Dietrich stimmt er eine grandiose, ganz im Geiste des Geriatrischen gestimmte Parodie auf „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ an, und wirft dabei, ganz Gentleman auch als Grande Dame, mit zitternder Hand Kusshändchen in die Zuschauerreihen, nachdem er sich die ins Rutschen geratene obere Gebissreihe wieder eingerenkt hat.

Was für eine Leistung: Peter Nüesch wird von Eva Herrmann am Piano kongenial begleitet, ist brillant vorbereitet, kennt sein Programm in- und auswendig und offenbart so, wie groß der Respekt ist, den er seinem Publikum entgegenbringt. Das wiederum weiß sich umgarnt und bedankt sich entzückt mit donnerndem Applaus.

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