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Kultur
Donnerstag, 25. August 2016 30° 1

Ausstellung

Wundersame Symbole von Heiligen

Der Kunstverein Passau richtet in der St.-Anna-Kapelle ein opulentes Grafik-Bankett an – inklusive Meilhamers Gagelbuch.
Von Florian Sendtner, MZ

Zehn Künstler zeigen zehn Positionen der Handgrafik in der St.-Anna-Kapelle und dem Kreuzgang in Passau. Foto: Sendtner

Passau.„Alles vollgaglt“ – unter diesem Titel stellte die Künstlerin Tonie Meilhamer 2003 zehn 1,5 Meter hohe Kartonstelen mit Graphitzeichnungen aus. Gageln, das Wort findet sich nicht mal in Zehetners Bairisch-Lexikon, bedeutet „ziel- und planlos herumfahren“, und zwar in dem Fall: mit dem Stift auf dem Papier. Tonie Meilhamer hat die Gagelkunst mit Lust und Ausdauer betrieben, ein ganzes „Gagelbuch“ ist von der 2006 verstorbenen Künstlerin erhalten (wenn auch nicht vollständig). Es bildet nun mit drei der Gagelstelen den Mittel- und Ausgangspunkt der Ausstellung „Zeug zeichnen – Zeit zeichnen – Zeichen zeichnen“, mit der der Kunstverein Passau in der St.-Anna-Kapelle „Zehn Positionen der Handgrafik“ präsentiert.

Neun lebende Künstler aus Bayern und Oberösterreich sind um Tonie Meilhamer gruppiert, ein opulentes Grafikbankett unterschiedlichster Stilrichtungen, das in dem weitläufigen Kreuzgang und der Kapelle wunderbar zur Geltung kommt. Bei Oswald Miedl (Linz) bedeckt eine dichte Schraffur oft das ganze Blatt, durch die Schraffur hindurch werden jedoch die Konturen von Gestalten und amorphe Formen sichtbar. Aus den ätherischen Höhen solch künstlerischer Verselbstständigung – in denen sich auch Zita Habarta (München), Anton Kirchmair (Haidmühle) und Karl Schleinkofer (Passau) bewegen – bringt einen Esther Glück (Dachau) wieder auf den Teppich. Karikaturhaft-collagenartig, assoziativ, ironisch und frech setzt sie die Schere an die langen Bärte hochehrwürdiger Autoritäten an.

Auf den zweiten Blick wird ein Elefant sichtbar

Eine dramatische Konfrontation manchmal fast expressionistisch anmutender Gestalten zeigt der umfangreiche Zyklus „Penthesilea“ von Christine Rieck-Sonntag (Tusche auf Collage und Leinwand). Anna Maria Brandstätter (St. Nikola/Donau) ist mit Zeichnungen vertreten, die auf den ersten Blick amorphe Figuren zeigen, die dann aber doch teils deutlich Gestalt annehmen: ein Elefant! Martin Staufner (Linz) übermalt und bearbeitet Berliner Stadtansichten, eine Art kreative Fortentwicklung des Graffiti.

Aus der Serie Bruderschaftsstangen von Renate Haimerl-Brosch: der Heilige Sankt Kassian, in Draht und Wachs Foto: Florian Sendtner

Am besten passen die eigenwillig-charmanten Drahtobjekte von Renate Haimerl-Brosch (Neukirchen) in die St. Anna-Kapelle. Auf ihren „Bruderschaftsstangen“ thronen nämlich die Symbole christlicher Heiliger, etwa der Turm der heiligen Barbara. Und von oben, vom gotischen Kreuzrippengewölbe, grüßen die Freskomedaillons von Heiligen. Freilich sind Haimerl-Broschs in die Luft gezeichnete Objekte alles andere als brave Glaubensbilder, sondern viel eher an die überbordende Fantasie von Terry Gilliam erinnernde Ausgeburten wundersamer Alpträume.

Die Ausstellung „Zeug zeichnen – Zeit zeichnen – Zeichen zeichnen“ ist bis 21. Februar zu sehen: St.-Anna-Kapelle in Passau, Heiliggeistgasse 4, Dienstag bis Sonntag 13 bis 18 Uhr.

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