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Kultur
Donnerstag, 23. November 2017 10° 4

Musik

Zwischen Lebenslust und Lebenslüge

Das Regensburger Duo Ohrange hat sein viertes Album herausgebracht und fühlt sich dabei „Wie ein Mobile“.
Von Michael Scheiner, MZ

Lieder, die die Schwere des Lebens leichter erträglich machen. Foto: www.kirschpanda.de

Regensburg.Bei der Produktion seiner neuen CD hatte das Regensburger Duo Ohrange die wunderbaren kinetischen Spielereien von Alexander Calder vor Augen. „Wir drahn uns weida“, singt Gitarrist Manuel Meier inbrünstig und voller Sehnsucht, „wia a Mobile“. In dem einfachen, flott geklampften Song schwingt aber von Anfang noch ein anderes, zielgerichtetes Verlangen mit. „Da Wind“, der die beiden Liedermacher antreibt, wirbelt sie Richtung Süden: von „Regensburg nach Palermo“. Nun, in der dortigen Galleria d’Arte Moderna hängt möglicherweise auch eines der Mobiles, für die der US-Bildhauer berühmt ist. Während aber Calders wie schwerelos wirkende Objekte richtungslos am Ort schwingen, zieht es die beiden Jungs Basti und Manuel hinaus in die Welt. Wie andere vor ihnen wollen sie hinaus ins Freiheit versprechende Freie, denn „koana weiß, wia lang es geht“.

In die Unbeschwertheit und Lebenslust, die in vielen Songs des Duos steckt und die den warmen Gesang Meiers geradezu ansteckend macht, ist auch oft eine Brise Melancholie mit eingewoben. Es sind Erfahrungen von Verlusten, von Beschwernissen und Schmerz, die das Leben belasten und die man gern – wieder – aussperren würde. Weil das erfahrungsgemäß nicht geht, greifen die zwei Musikanten auf ihr Allheilmittel zurück: die Musik. In „Viel Zu Oft“ singt Meier von Zweifeln, die ihn befallen, und Schwierigkeiten im Zusammenleben. Dann ist es die Musik, „die uns weiterbringt“ und „unser Herz lachen lässt“. Es ist dieser Optimismus, die Haltung, sich selbst am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen, die die Musik von Ohrange sympathisch machen und das Duo grundehrlich erscheinen lässt.

Es sind Songs zum Mitsingen. Lieder, die die Schwere des Lebens nicht ignorieren, aber sie leichter erträglich machen. So singt Meier in Gedanken an einen Tag auf den Winzerer Höhen, an dem die Stadt zu seinen Füßen liegt: „Von Obn Owe“. Hier wird die Musik beschaulich, der Text regt zum Nachdenken an. Mit einer Mundharmonika im Hintergrund wähnt man sich in einer Woge aus Pathos und Gefühligkeit. Der Titel „Wie lange noch?“ denkt über die Zufriedenheit nach und das bluesig-launige Stück „Regisseur“ verweist darauf, dass „du der Regisseur in deinem Leben bist“.

Mit dem vierten Album setzt das Duo wieder an persönlichen Erlebnissen, Begegnungen und Wahrnehmungen an. Basti und Manuel philosophieren über Lebenslügen, die Notwendigkeit zum Innehalten, den Verlust von Liebe und die Gefahr von immer mehr Hass. Manches klingt ein wenig pathetisch und manchmal scheint die eine Aussage nicht so recht mit der nächsten zusammen zu passen.

Doch es sind immer Lieder, die spürbar aus einer inneren Notwendigkeit entstanden sind. Die heiteren ebenso, wie die nachdenklichen. Und natürlich auch jene, die einen Finger in die Wunde legen–- weil Eigennutz und Ellenbogenmentalität immer mehr um sich zu greifen scheinen. Es sind einfache Lieder, die Lebensgefühl und Leidenschaft zum Ausdruck bringen. Aufgenommen wurde das Album in Abensberg.

Ohrange: „Wie ein Mobile“, 2016, Eigenproduktion, www.ohrangemusik.de, Konzerttermine: Dienstag, 19. April, Abensberg, Roxy-Kino (Infos & VVK hier: https://www.facebook.com/events/762497030547305/), Samstag, 16. April, Neustadt an der Donau/Irnsing, Freitag, 29. April, Degginger Regensburg (mit Detterbeck)

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