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175 Jahre Walhalla
Samstag, 21. Oktober 2017 19° 3

Jubiläum

Verschwenderisch nur bei der Kunst

Kurioses und Wissenswertes zum Ruhmestempel: Was gab es bei der Eröffnung der Walhalla 1842 zu essen?
Von Ulrich Kelber, MZ

Gustav Kraus’ Lithographie „Die Eröffnung der Walhalla“ zeigt, wie der bayerische Künstler das Spektakel am 18. Oktober 1842, vor 175 Jahren, sah.

Donaustauf.In seinen „Memorabilien“, die er nicht veröffentlicht sehen wollte, schrieb Hofarchitekt Leo von Klenze Amüsantes über die Festlichkeiten zur Walhalla-Einweihung 1842. Da imponierten ihm weniger die „hyperpatriotischen Phrasen“, sondern vor allem das Festmahl, zu dem der Fürst von Thurn und Taxis in sein Donaustaufer Sommerschloss eingeladen hatte, wo „ein kolossales Mittagessen dem Kunst-Enthusiamus eine feste Basis gab oder die Krone aufsetzte.“ Wie Rudolf Reiser in seinem Buch „Klenzes geheime Memoiren“ berichtet, war die exotische Hauptdelikatesse bei diesem Diner eine 182 Pfund schwere Schildkröte. Der verblüffte König – so zitiert Reiser den Originaltext Klenzes – „war außer sich vor Bewunderung und Freude über die Anordnungen und den Luxus dieses allerdings lukullischen Males und beschloss dasselbe mit einem wirklich witzigen Spotte auf die Küche seines Hofes.“ Verschwenderisch war Ludwig I. nur, wenn es um Kunst und Bauwerke ging, in Alltagsangelegenheiten verhielt er sich knauserig, was sich wohl auch auf den Speiseplan in der Münchner Residenz auswirkte.

„Büsten können noch zusammengeschoben werden“

Die Entscheidung über die Aufstellung von Büsten in der Walhalla erfolgt durch den Bayerischen Ministerrat, nachdem zuvor die Bayerische Akademie der Wissenschaften den „Kandidaten“ geprüft und eine Stellungnahme abgegeben hat. Die Vorschläge kommen meist von Verbänden und Institutionen, aber im Prinzip kann jedermann seine Wunschperson nennen – sofern er dazu bereit ist, die Erstellung der Büste zu finanzieren. Und wenn über die Walhalla auch gespottet und gelächelt wird: Alle Medien springen gerne darauf an, wenn mal wieder ein besonders strittiger Vorschlag auftaucht. Hans Weber, der Leiter des damals zuständigen Staatlichen Bauamtes, erklärte 2013: „Noch sind drei oder vier Plätze frei. Und die Büsten können auf dem Sims auch noch etwas zusammengeschoben werden, um Platz zu machen.“

Auch Karl May wurde schon vorgeschlagen

Aktuell stehen über 100 Namen auf der Wunschliste. Manche der Vorschläge muten allerdings eher kurios an wie Karl May oder Hans Albers. Auch Tierfilmer Bernhard Grzimek oder der Tiroler Freiheitsheld Andreas Hofer sollten in den Kreis der „rühmlichsten“ Menschen aufgenommen werden. Auffallend ist, dass ein Großteil der Vorschläge ziemlich rückwärtsgewandt ist, sich auf Persönlichkeiten bezieht, die im 19., 18. Jahrhundert oder noch früher gelebt haben. Und manche Namen erscheinen recht rätselhaft, etwa Hugo A. Heiß. Da hilft nicht einmal das Brockhaus-Lexikon. Sollte damit tatsächlich dieser Straubinger Tiermediziner gemeint sein, der auf der Google-Trefferliste auftaucht, und der sich Anfang des 20. Jahrhunderts hervortat als Erfinder des Schlachtschussapparats?

In diesem Jahr feiert die Walhalla in Donaustauf ihr 175-jähriges Jubiläum. Unsere Timeline erzählt ihre Geschichte:

Bösewicht oder nicht? Der Streit um Strauß

2008 brachte der Berliner Ableger des berühmten Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussauds in London die bayerische CSU in Wallung. Sie hatte FJS auf einer Bildcollage abgedruckt – mit dem Titel „Helden und Bösewichte“. „FJS scheint gemeinsam mit DDR-Spion Günter Guillaume klar zur Kategorie der Letzteren gerechnet zu werden“, schrieb damals der „Spiegel“. Die CSU wollte das so nicht stehen lassen. Markus Söder, damals Bayerns Europaminister forderte „gar diplomatische Konsequenzen, Außenminister Frank-Walter Steinmeier soll ran: ,Er muss in London vorstellig werden, ein solches Vorgehen belastet die bayerisch-englischen Beziehungen.‘“ Um die Ehre des Übervaters zu retten, verfiel die CSU auf die Idee, dessen Büste in die Walhalla zu stellen. Söder machte sich für Strauß stark, was umgehend den Protest der bayerischen SPD hervorrief. Diese erachtete Wilhelm Hoegner als Verfassungsvater und ersten bayerischen Ministerpräsidenten für viel würdiger. Sowohl Strauß wie auch Hoegner stehen auf der Vorschlagsliste.

„Eine entblößte Brust wäre nicht schicklich“

Obwohl Ludwig I. verfügt hatte, „kein Stand, auch das weibliche Geschlecht nicht, ist ausgeschlossen“, sind die Frauen in der Walhalla rar geblieben. Von den 130 Büsten und 65 Gedenktafeln erinnern nur zwölf an Frauen. Das reicht von der germanischen Seherin Veleda, der Langobardenkönigin Teutelinde bis zu Zarin Katharina und Kaiserin Maria Theresia. Bei der Gestaltung der Büste der österreichischen Herrscherin hatte Ludwig I. eine besondere Sorge: „Eine entblößte Brust wäre nicht schicklich“. Während sich alle anderen Büsten an die Hermenform der griechischen Kunst anlehnen (ein Sockelpfeiler mit aufgesetztem Kopf und Schultern), werden die Schultern der Kaiserin von einem angedeuteten Kleidungsstück umhüllt.

Warum Besucher lieber nüchtern sein sollten

Für Besucher kann die Walhalla ganz schön gefährlich werden, denn Unfallverhütungsvorschriften und Sicherheitsbestimmungen gab es noch nicht, als 1830 mit dem Bau begonnen wurde. Heute zwingt der Denkmalschutz zum Verzicht auf Geländer und Schutzgitter. Die hohen Sockel und Stufen sind tückisch. In den vergangenen 50 Jahren waren sogar drei Todesopfer zu beklagen, rund 40 Menschen mit mehr oder minder schweren Verletzungen wurden registriert. Der langjährige Walhalla-Verwalter Robert Raith erinnerte (in einem Gespräch mit einem „Zeit“-Journalisten) an einen Fall vom Dezember 1985. Da sei ein Mann, der seinem vom Winde verwehten Hut nachlaufen wollte, in die Tiefe gestürzt. Ein Blick ins Archiv: 2012 erlitt eine ältere Frau bei einem Sturz schwere Verletzungen. Viele Unglücke ereignen sich nachts, wenn junge Leute auf dem Walhalla-Gelände Party machen. Zuviel Alkohol intus hatte wohl ein 25-jähriger Mann, der im August 2013 stürzte und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Seit der 2014 abgeschlossenen Walhalla-Sanierung scheint weniger zu passieren.

Hier geht es zu unserer MZ-Serie „175 Jahre Walhalla“.

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