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Kultur
Montag, 25. September 2017 19° 3

Kunstmesse

Knallbunte Lebenslust und dunkle Stille

Erfrischende Vielfalt: Über 50 Kunstschaffende aus ganz Bayern präsentieren ihre Arbeiten bei der ersten Regensburger Kunstmesse im Salzstadel.
Von Michael Scheiner, MZ

  • „Gadget Collector“ von Stefan Giesbert Fromberger Fotos: Scheiner
  • „Herz-Jesu-Wärmflaschen“ von Richard Gruber
  • Drahtobjete von Renate Haimerl-Brosch Renate
  • Monika Supes „Reusenhaus“, eine Installation mit Led-Spot und Wandbild

Regensburg.Die Guten ins Töpfchen – die Schlechten…: Von denen, die von der fünfköpfigen männlichen Jury der 1. Regensburger Kunstmesse aussortiert worden sind, weiß man nichts. 150 Kunstschaffende aus ganz Bayern, soviel ist klar, haben sich für den dreitägigen Event im „Töpfchen“ Salzstadel beworben. Etwas mehr als ein Drittel, genau 53, wurden ausgesucht und präsentieren bis Sonntagabend, 18 Uhr, ihre Arbeiten.

Bunt ist, was da alles an Papier-, Porzellan-, Kunststoff-, Holz- und Metallkunst gezeigt wird. Ebenso aber auch einfarbig, schwarzweiß wie bei dem doppelbödigen Scherenschneider Hans Lankes, oder farblich gedeckt, wie bei der in Regensburg lebenden Fotokünstlerin Eveline Kooijman. Deren unscharfe, wie verwaschen erscheinende „Schläfer“ strahlen eine Stille und Passivität aus, die zwischen den marktschreierischen Science-Fiction-Monstern Giesbert Stefan Frombergers und der knalligen Expressivität von Ilse Feiner eine fast schon unheimliche Anziehungskraft entwickeln können.

Rätselhaft viele Vögel

Was die beiden Initiatoren Falko Gaulke und Stefan Birchenender – der mit imponierenden fotorealistischen Ölgemälden banalster Sujets vertreten ist – zusammen mit dem als Veranstalter auftretenden Berufsverband Bildender Künstler (BBK) auf die Beine gestellt haben, kann sich sehen lassen. Im besten Sinn des Wortes. Eine erstaunliche Vielfalt und Breite, was künstlerische Techniken, Material, wie Stilmittel und Ausdrucksformen angeht, ist Beleg für eine treffliche Auswahl an „Guten“. Von den ironisch-frechen hölzernen oder bronzenen Frauen Theodor Holzers (Steinsberg) über die farblich verfremdeten surrealen Grasflächen des in München lebenden Heng Lis, dem glänzenden „Polarbären“ aus silbernen und vergoldeten Metallklammern von Simona Petrauskaite bis zu den depressiv-verspielten Schattenkäfigen aus Licht und Draht von Monika Supe präsentiert sich diese erste Produzentenmesse mit einer wohltuenden Vielschichtigkeit und Fülle. Ganz im Unterschied zu manch anderem Kunstevent sind eben nicht, wie vielleicht der eine oder andere hinter vorgehaltener Hand gespöttelt hatte, die „Immergleichen“ aus dem großen BBK-Topf gezogen worden.

Zwar sind mit dem manchmal am Rand des Kitsch entlang schrammenden Georg Tassev, der materialforschenden Schmuckkünstlern Brigitte Berndt, Fotograf Wolfram Schmidt, Gisela Conrad und dem poetischen Spätexpressionisten Matthias Schlüter auch eine Reihe regionaler, sozusagen einheimischer Künstler vertreten. Auffällig aber ist tatsächlich die Mannigfaltigkeit. Hier hat die offenherzige, pralle Lebenslust der Nackten des Schrobenhauseners Richard Gruber ebenso ihren Platz, wie die formal an Francis Bacon sich reibenden erotischen Obsessionen des Nürnbergers Maxim Fomenko. Bei den Sujets, die viel Figürliches und Landschaften in unterschiedlichster Darstellung offenbaren, ist eine rätselhafte Häufung von Vögeln – meist kleineren Singvögeln – zu vermelden. Da ist der schwarze Tusche-Vogel bei Gilla Buchner, der Fink auf der Nase eines jungen Kerls bei Lankes, Tom Kristens „Tagtraum“ mit einem Vogelwesen und diverse andere gefiederte Fantasien.

Der Besuch lohnt sich

In zwei Gruppenschauen präsentieren sich verschiedene Kunstschaffende aus dem Andreasstadel und – ebenfalls von dort – das „Atelier Kunst inklusiv“ mit packenden Arbeiten voller Frische und Direktheit, die im weitesten Sinn der „art brut“ zugerechnet werden können und oft auch deren Durchschlagskraft besitzen. Etwas schwer tun sich in den kleinen Kojen großformatige Arbeiten, wie die flächigen Abstraktionen von Christine Ambrusch oder die großäugigen Frauenköpfe – mit Kirsche oder Fischen – von Alessandro Serafini. Lohnenswert ist ein Besuch allemal.

Die Regensburger Kunstmesse ist am Samstag, 23. November, bis 23 Uhr geöffnet, am Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Eine Tageskarte (inkl. Katalog) kostet fünf Euro, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Alle Besucher können Stimmzettel für einen Publikumspreis abgeben, der mit 1000 Euro (1. Platz), 500 Euro (2. Platz) oder einem Gutschein im Wert von 300 Euro für Künstlerbedarf bei Farben Eckert dotiert ist.

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