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Musik-Kritik
Mittwoch, 20. September 2017 17° 6

Radio Doria: 2 Seiten

Pop - Polydor

  • Radio Doria - 2 Seiten
  • Die Gitarre steht ihm gut, die Mütze auch: Jan Josef Liefers, bekannt aus Film und Fernsehen, bringt mit seiner Band Radio Doria ein neues Album heraus. Foto: Michael Zargarinejad

"Wo sich die Geister scheiden, fangen wir erst an." Oh ja. Nach dem hübsch-harmlosen Debüt von Radio Doria, das 2014 immerhin die Top-Ten der Album-Charts erreichte, werden sich auch an der neuen Platte die Geister scheiden. Die Band von Jan Josef Liefers spielt wieder Pop mit Gitarre, der für einen Bier-Werbesot zu wenig Umdrehungen hat, den man sich aber gut im Hintergrund eines gemäßigten Parteitags vorstellen kann. Dabei findet die Gruppe auch heraus, dass alles "2 Seiten" hat.

Sehnsüchte, so viele Sehnsüchte. "Komm mit mir auf Reisen", heißt es in einem Song, später dann singt der "Tatort"-Star und Teilzeit-Poet Liefers: "Lass uns verloren gehen". Auch dem ovalen Tisch in der offenbar ziemlich gemütlichen Datscha bei Moskau träumt der 53-Jährige auf diesem Album hinterher. Was ja alles erlaubt ist, was so aber natürlich auch niemand braucht.

Obwohl Liefers zumindest semi-autobiografisch singt, könnten viele der Texte auch von einer x-beliebigen Schlagerkapelle stammen. "Wir sind ich, wir sind wir, wir sind du." Es fehlte nur noch Müllers Kuh. Und dass alles "2 Seiten" hat, ist am Ende eine der größten Weisheiten des ebenso betitelten zweiten Albums von Radio Doria.

Diese "2 Seiten", die beschreiben dann auch die größte Herausforderung für den Hörer. Denn wenn diese zwölf Meditonsin-seligen Songs, die niemandem wehtun wollen und nie zu irgendwas eine Position einnehmen, mal nicht nichtssagend sind, dann sind sie so versöhnlich, dass es doch wieder wehtut. Alles hat "2 Seiten", zu einem Streit gehören immer zwei, wir gehören für immer und ewig zusammen. Ist gut.

Mag sein, dass manch einer am Ende dieses handwerklich sauberen, gefühlvoll vorgetragenen Albums kurz sein alkoholfreies Pils zur Seite stellt, ergriffen den Partner umarmt und mit glasigen Augen sagt: "Schön, dass wir uns so liebhaben!" Songs wie etwa "Nie egal", ein nettes Duett mit Reinhard Mey, können so eine Wirkung durchaus erzielen. Man wird auf der anderen Seite aber auch die verstehen müssen, die nach zwei oder drei Songs entnervt die CD auswerfen und sich lieber beide Ohren abschneiden würden, als eine Sekunde weiterzuhören.

Bewertung: akzeptabel

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