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Musik-Kritik
Freitag, 16. Februar 2018 3

Till Brönner & Dieter Ilg: Nightfall

Jazz - Masterworks

  • Gewöhnungsbedürftig, aber doch hörenswert: Dieter Ilg (links) und Till Brönner haben ein gemeinsames Album aufgenommen. Foto: Chris Noltekuhlmann / Sony Music
  • Till Brönner & Dieter Ilg - Nightfall

Die beiden Männer könnten nicht verschiedener sein: Till Brönner ist der charismatische Lebemann, der ganz genau weiß, was er sagen muss und was gut ankommt. Dieter Ilg hingegen hält sich lieber zurück und beobachtet. Genau diese Mischung ist es, die das Zusammenspiel zwischen dem Trompetenvirtuosen und dem kreativen, auf den Punkt genauen Bassisten auf dem Album "Nightfall" so interessant macht. Bei so einer kleinen Jazzformation ist es wichtig, dass die Arbeit auf Augenhöhe statffindet. Hier scheint das wunderbar funktioniert zu haben.

Das liegt unter anderem wahrscheinlich daran, dass sich die beiden hochdekorierten Musiker schon seit über 20 Jahren kennen. Ihr gemeinsames Album wirkt dann auch in vielen Momenten so, als wären die Ideen bei gemeinsamen Sessions entstanden. Allerdings: Die Mischung aus eingängigen Melodien, wie beispielsweise in der Neuinterpretation von "Scream & Shout" (im Original von will.i.am und Britney Spears), und den zum Teil gewöhnungsbedürftigen sphärischen Klängen ist für ungeübte Ohren nicht immer ganz leicht zu meistern. Immer wieder driften Brönner und Ilg in ihre eigene Welt ab, die sich dem Hörer nicht durchgehend erschließt.

Man muss in jedem Fall empfänglich sein für eine Mischung aus Jazz, Pop, Klassik und Soul, um dieses Album zu genießen, denn die stilistische Bandbreite auf "Nightfall" ist groß. Bach und Melchior Vulpuis treffen auf will.i.am, Leonard Cohen auf Ornette Coleman. Der ausgeprägte musikalische Dialog zwischen den beiden Interpreten kann dann auch überfordern, zumindest wenn man sich für dieses komplexe Album nicht die nötige Zeit nimmt. Nach dem zweiten Hören versteht man dann irgendwann, dass sich der Berliner Trompeter und der Freiburger Bassist einfach in keine Kategorie stecken lassen. Doch wenn man erst einmal in ihr Werk eingedrungen ist und sich auf ihr Zusammenspiel einlässt, verschmerzt man gerne auch das gelegentliche Ausufern einzelner Titel.

Wer auf der Suche nach durchgehend modernem, substanzvollem Jazz, wird auf "Nightfall" eher nicht auf seine Kosten kommen. Wer aber offen ist für musikalische Experimente, der sollte der Kollaboration von Till Brönner und Dieter Ilg eine Chance geben.

Bewertung: überzeugend

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