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Kultur
Samstag, 23. September 2017 21° 1

Tanz

Preis für multimediale Choreografie

Alexandra Karabelas holt Regensburger Kunstpreis: Die Jury würdigte eine komplexe und intelligente Choreografie.

Olaf Hermes, Joachim Wolbergs, Alexandra Karabelas, Peter Wolfrum und Klaus Schulz (von links) bei der Preisverleihung im Reinigergebäude der Rewag Foto: Rewag

Regensburg.„Die multimedial aufbereitete Choreografie ist komplex und intelligent inszeniert und ermöglicht durch ihre Interdisziplinarität den Betrachtern viele Zugänge zur Kunst.“ So begründet die Jury die Entscheidung für die Regensburger Choreografin Alexandra Karabelas. Beim Festakt im Rewag-Casino durfte sie am Mittwochabend den mit 5000 Euro dotierten Kunstpreis der Rewag-Kulturstiftung entgegen nehmen. Im historischen Reinigergebäude würdigten der Kuratoriumsvorsitzende, Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende und Rewag-Vorstandsvorsitzende Olaf Hermes und Jurorin Susanne Wiedamann das Tanzstück. Mit Stiftungsvorstand Dr. Klaus Schulz überreichten sie die Auszeichnung.

OB Wolbergs machte die Preisträgerin bei der Feierstunde glücklich: Seine Äußerung, Regensburg solle langfristig ein Tanzzentrum bekommen, sei für sie das schönste Geschenk, so Karabelas. Auf Nachfrage sagte Wolbergs, ein Tanzzentrum sei wichtig und wünschenswert für Regensburg; konkrete Schritte zur Verwirklichung gebe es allerdings noch nicht.

Fünf Choreografen und Choreografenkollektive aus der Region hatten sich an der Ausschreibung zum Kunstpreis 2014 beteiligt und für die Endausscheidung qualifiziert. Im Rahmen der Regensburger Tanztage am Theater der Universität hatten sie ihre Beiträge präsentiert. Alexandra Karabelas überzeugte die Jury mit „Hungry Butterflies 4“.

Kontrovers diskutiert

„Die Produktionen waren sehr unterschiedlich und sorgten bei den Jurymitgliedern für kontroverse Diskussionen. Nach langem Ringen hat sich die Jury für eine Choreografie entschieden, die – wie viele Produktionen aus dem Finale – das Beziehungsthema aufgreift, aber sich durch die sehr eigenständige Weise unterscheidet“, so die Preisrichter. Karabelas’ Herangehensweise sei mutig; sie stelle den Tanz in aktuelle, gesellschaftspolitische Kontexte.

Juroren waren Anke Hellmann, Dozentin für Tanzgeschichte und -theorie und Jury-Mitglied beim Bayerischen Landesverband für Zeitgenössischen Tanz und beim Förderpreis Tanz der Landeshauptstadt München; Anna Beke, diplomierte Bühnentänzerin und Choreographin; Susanne Wiedamann, Journalistin; sowie Thomas Reher, Dramaturg, Regisseur, Tänzer und Jurymitglied im Bayerischen Landesverband für Zeitgenössischen Tanz.

Alle zwei Jahre ausgelobt

Der Kunstpreis der Rewag-Kulturstiftung ist mittlerweile eine feste Größe in der Regensburger Kulturszene. OB Wolbergs betonte: „Mit dem Kunstpreis können wir ganz gezielt herausragende Künstler fördern. Das ist wirklich eine tolle Sache!“ Rewag-Chef Hermes ergänzte: „In diesem Jahr haben wir eine Sparte gewählt, die in der Öffentlichkeit bisher nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Ich finde es schön, dass wir den Choreographen und Tänzern so zu ein wenig mehr Anerkennung verhelfen können.“

Der Kunstpreis wird seit 2008 alle zwei Jahre ausgelobt, bisher in den Sparten Bildende Kunst, Musik und Literatur.

Leiterin von „Schleudertraum“

Alexandra Karabelas studierte Neuere Deutsche Literatur, Politikwissenschaft und Philosophie an den Universitäten in Tübingen und Genf mit Magisterabschluss und absolvierte zudem die tanzwissenschaftlichen Diplom- und Masterstudiengänge („Tanzkulturen“) an der Universität Bern. Von 2000 bis 2004 war sie als leitende Pressereferentin und Dramaturgin beim Stuttgarter Ballett tätig. Seit 2005 lebt sie in Regensburg und kreiert seitdem eigene Choreografien und Dramaturgien. 2009 gründete sie ihr Label „Tanz_Denken“ (www.tanz-denken.de), unter dem sie Choreografien, Dramaturgien, Texte und Projekte im Bereich des Zeitgenössischen und Klassischen Tanzes sowie der Bildenden Kunst realisiert.

Alexandra Karabelas ist seit 2013 künstlerische Leiterin von „Schleudertraum: Festival für aktuellen Tanz“ und Initiatorin des Symposiums „2BC // Bayerische Biennale Choreografie“. An der LMU München erfüllt sie im Fachbereich Tanzwissenschaft der Theaterwissenschaft an der LMU-München einen Lehrauftrag. Choreografische Verfahrensweisen unterrichtet sie außerdem im Rahmen des Projektes „Zeitung in der Schule“ des Bayernwerks. Gefördert von der Stadt Regensburg, kreiert sie aktuell für die Europäische Kulturhauptstadt Pilsen 2015 mit tschechischen und deutschen Tänzern das Performanceprojekt „Zoes Bios Box 2. Episodes About Who We Are“.

Ein Reigen traumähnlicher Bilder

Die Choreografie „Hungry Butterflies 4“ bildet den Epilog der 2011 von Alexandra Karabelas begonnenen Duett-Serie über das Paar. „Waren die ersten Stücke kammerspielartige Versuchsanordnungen über die Frage, wie die Tiefen im Zwischenmenschlichen über den Dialog von Körpergesten auszuloten sind, beschäftigen mich aktuell die Kriege in der Welt.“, so die Preisträgerin. „Hungry Butterflies 4“ sei „ein theatraler Reigen von traumähnlichen Bildern, zu denen das, was mich beschäftigt, geronnen ist: Verstörung, Druck, Gewalt, Heimatlosigkeit und das Potenzial des Tanzes.“

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