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Tage Alter Musik 2017
Montag, 25. September 2017 19° 3

Tanzkunst

Kultur-Mix von „La Fonte Musica“

Griechische Götter und indischer Tanz – bei den Tagen Alter Musik war diese Begegnung in der St.-Oswald-Kirche zu bestaunen.
Veronika Lintner, MZ

La Fonte Musica und Nuria Sala Grau verknüpfen in ihrer Performance nicht nur verschiedene Kulturen, sondern auch die Elemente Tanz, Musik und Mythologie. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Mit Renaissance-Liedern führte das Ensemble „La Fonte Musica“ in die griechische Sagenwelt. Diese Klänge umspielte Nuria Sala Grau wiederum mit indischem Tempeltanz. Die Kombination ist mutig, die musikalische Umsetzung kunstvoll – und stellt einen hohen Anspruch an die Konzentration des Publikums.

Ein „getanztes Konzert“ mit Anspruch

Michele Pasotti begrüßt die Zuhörer in der St.-Oswald-Kirche zu einem „getanzten Konzert“. Er ist der Gründer des italienischen Ensembles. An der Laute gibt er den Takt an. Mit Klang und Gestik führt er die kammermusikalische Besetzung. Dazu zählen zwei Sopranistinnen und ein Tenor, aber auch Fideln, eine Flöte und das Clavisimbalum – ein frühes Tasteninstrument der Renaissance.

„La Fonte Musica“ hat sich der Epoche des „Trecento“ verschrieben, der italienischen Frührenaissance. An dieser Schwelle zur Neuzeit lebte die Antike in der Musik erneut auf. Vor allem in den Kompositionen der „Ars Nova“, der neuen Tonkunst des 14. Jahrhunderts. Die Lieder dieser Zeit besingen antiken Mythen in reich verzierten, hochkomplexen Klängen.

Sie orientieren sich nicht an Dur und Moll, an der Harmonie. Ihr Reiz liegt in der kreativen Verstrickung von Melodien und Stimmen. Und dieser besondere Klang füllt nun die barocken Mauern von St. Oswald.

Zu altitalienischen Klängen gesellen sich griechische Götter

Bekannte Gestalten treten in den Liedern ins Rampenlicht. Figuren der Mythologie, die der Dichter Ovid in seinen „Metamorphosen“ verewigt hat. So erzählt „Non più infelice“ die Story des Narziss, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt. Das Duett zwischen Tenor und Sopran findet dafür ein passendes Klangbild. Die Stimmen, die ihre Melodien kurz nacheinander beginnen, sind hier kein Echo – sondern Bild und Spiegelbild. Doch so wortwörtlich führen die Lieder nicht immer in die Sagenwelt. Manchmal dienen die mythologischen Figuren auch nur als Gleichnis, Symbol oder Zitat. „Ein Phönix war ich, lebte und schuldig und rein, jetzt bin ich verwandelt in eine Turteltaube“, lauten die übersetzten ersten Zeilen von „Fenice fu“. In der Liebesballade von Jacopo de Bologna klingt das Flattern der Flügel in den schnellen, verzierten Melodien der Streicher an. Auch instrumentale, virtuose Zwischenspiele bereichern das Konzert.

Eigentlich fügt sich das Konzert reibungslos in die Tage Alter Musik.

Die Kombi aus Tanz und Musik erfordert Konzentration

Doch eine verblüffende Ergänzung findet „La Fonte Musica“ im indischen Tempeltanz. In rotem Kleid, später in weißer Robe, interpretiert Nuria Sala Grau die Lieder. Ihr Ausdruckstanz wagt zwar keine direkte Deutung von Text und Musik. Aber dem Charakter der Stücke verleiht sie einen körperlichen Ausdruck. Und zu den Klängen von „Python, le mervilleus Serpent“, ein Werk von Guillaume de Machaut, spielt ihre Gestik sogar auf die Bewegungen der Schlange an.

Ihre Darbietung lebt von einer natürlichen, selbstbewussten Körpersprache. Sie nutzt dabei den Kirchenraum und umrundet auch die Bankreihen. Doch wenn sie vor dem Altarraum tanzt, wirkt diese Performance im Gesamtbild manchmal etwas verloren. Aus den engen, knarzenden Bankreihen ist ihre Performance auch nur für einen kleinen Teil des Publikums zu erspähen.

Beiden Elementen konzentriert zu folgen, dem Tanz und der Musik, ist eine Herausforderung. Auch weil die komplexe Renaissancemusik mit verschnörkelten, durchdachten Strukturen auftrumpft. Eine Reizüberflutung für ungeübte Ohren.

Trotzdem honoriert das Publikum diese mutige Idee, und das hohe musikalische Niveau von „La Fonte Musica“, mit einem sehr warmen, respektvollen Applaus.

Weitere Kritiken zu den Tagen Alter Musik in Regensburg finden Sie hier.

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