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Theaterkritik
Dienstag, 20. Februar 2018 5

Oper

Wildschütz auf schwankender Scheibe

Am Staatstheater am Gärtnerplatz gelingt es nicht, die Verwechslungskomödie als witzig-spritzige Unterhaltung zu servieren.
von Gerhard Heldt

Der Wildschütz am Gärtnerplatztheater spielt zum Teil auf einer Schützenscheibe. Foto: Christian Pogo Zach

München. Der Gestus der deutschen Spieloper, wie wir sie von Albert Lortzing, Otto Nicolai und Friedrich von Flotow kennen, ist prinzipiell leicht – mit einigen schwereren Einschlüssen, die in den tiefstimmigen buffonesken Partien zu finden sind. Das Leichte ist bekanntlich auf dem Theater am schwersten umzusetzen, wie die Neuproduktion von Lortzings „Wildschütz“ am Staatstheater am Gärtnerplatz wieder einmal erwies. Es ist hier weder der Regie noch der Ausstattung (Bühne, Kostüme) überzeugend gelungen, diese biedermeierliche Verwechslungskomödie als witzig-spritzige leichte Unterhaltung zu servieren.

Regisseur Georg Schmiedleitner wollte wohl zu viel, orientierte sich offensichtlich an einem Männerbild, das den Chauvi nur allzu klar betonte – das gilt für den Grafen von Eberbach und den Baron Kronthal, beides Typen, die den Damen gern gleich an die Wäsche gehen und sofort heiraten wollen – Widerstand zwecklos. Nur sind wir hier beim deutschen Singspiel des 19. und nicht beim deutschen Film des 20. Jahrhundertes. Da greifen feinere dramaturgische Mittel, die allerdings hier beiseite gelassen wurden. Den Kontrapunkt zu den beiden Draufgängern stellt der leicht depperte Dorfschullehrer Baculus, der titelgebende Wildschütz, dar, ein Bruder Osmins („Entführung aus dem Serail“) und des Bürgermeisters Van Bett („Zar und Zimmermann“). Schlitzohrig aufs Geld versessen, verkauft er sein Gretchen an den Meistbietenden, hier an den Baron, für 5000 Taler. Die darauf folgende Arie „5000 Taler“ ist ein Kabinettstück für jeden Bass, in der Fülle der Anhäufung von Fremdwörtern mehr als nur „deliziös“. Für den jungen Christoph Seidl kam diese Partie wohl noch zu früh, stimmlich und gestalterisch blieb er nicht nur hier einiges schuldig. Das färbte auch ein wenig auf sein Gretchen (Csilla Csövari) ab.

Wenn auf einer an vier Seilen aufgehängten schwankenden (Schützen)Scheibe (Bühne: Harald B. Thor) gespielt wird, die Protagonisten sich an den Seilen festhalten müssen, um bei den häufigen Schrägstellungen nicht herunterzurutschen, ist die Aufmerksamkeit komplett bei den Agierenden – egal, was sie gerade zu spielen oder zu singen haben. Als Idee ist die Schützenscheibe nicht schlecht, indes engte sie den Spielraum gewaltig ein; die Darsteller waren auf der Scheibe gefangen. Die Kostüme von Alfred Mayerhofer trugen kaum zur Charakterisierung ihrer Träger bei. Dass bei dieser Produktion nicht noch mehr schief lief, lag an der musikalischen Seite, die bei Michael Brandstätter in bewährt sicheren Händen lag – mehr allerdings auch nicht. Es gab keine Ausreißer nach oben, aber auch keine nach unten. Letztlich holten die vier singenden adligen Protagonisten die Kohlen aus dem Feuer, allen voran das Paar Baronin Freimann (mit ansteckender Spiellaune und höhensicher: Mária Celeng) und Baron Kronthal (mit herrlich ausschwingenden Tenorhöhen: Alexandros Tsilogiannis). Etwas schwächer war Margarete Joswig als leicht überkandidelte, Texte der Antike prächtig rezitierende Gräfin; stark dagegen ihr viriler, stark auftrumpfender Gatte Liviu Holender.

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