Aufgetischt - gut zu wissen 26.04.2012, 12:21 Uhr

Das Reinheitsgebot schmeckt nicht jedem

Für manche ist das Reinheitsgebot ein Hindernis, wenn sie kreativ neue Aromen entwickeln und ausgefallene Biere brauen wollen.


        Die Biervielfalt in Deutschland ist groß - trotz der Beschränkung auf nur vier Zutaten.
        Foto: DBB

Die Biervielfalt in Deutschland ist groß - trotz der Beschränkung auf nur vier Zutaten. Foto: DBB

Berlin. Verbraucherschutz ist keine moderne Erfindung: Schon die älteste Lebensmittelverordnung der Welt, das deutsche Reinheitsgebot, sollte Biertrinker vor gesundheitlichen Gefahren schützen. Jedes Jahr am 23. April erinnert der Deutsche Brauer-Bund mit dem „Tag des Bieres“ an den Erlass aus dem Jahr 1516, mit dem einem „manchmal wüsten Treiben beim Bierbrauen“ ein Ende gesetzt wurde. Vorher gelegentlich verwendete Zutaten wie Ruß für Dunkelbier oder Stechapfel und Fliegenpilz waren fortan untersagt. Seither ist deutsches Bier auf vier Zutaten begrenzt: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe.

„Das Reinheitsgebot macht die Menschen extrem kreativ, um mit begrenzten Mitteln etwas Neues zu machen“, erläutert Richard Ebner vom Youth Food Movement, der Jugendorganisation der weltweiten Genusskulturvereinigung Slow Food. Das sei die positive Seite am Reinheitsgebot. Unverständlich sei ihm aber, dass es der Verordnung widerspreche, weitere oder andere Zutaten zu verwenden, die den höchsten lebensmittelrechtlichen Qualitätsanforderungen entsprechen. Als Beispiele nennt er Gebirgskräuter fürs Aroma oder Mais und Reis als Stärkelieferant anstelle von Braugerste.

„Es ist nicht erforderlich, andere Zutaten einzusetzen als die vier vom Reinheitsgebot erlaubten“, hält Peter Hahn dagegen. „Allein durch die Auswahl unterschiedlicher Hopfensorten lassen sich unterschiedliche Geschmacksrichtungen erreichen, etwa ein Pfirsicharoma“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Brauer-Bundes. Das Reinheitsgebot sei ein Alleinstellungsmerkmal deutscher Brauer, die trotz der Begrenzung eine immense Geschmacksvielfalt geschaffen hätten. Und das ganz ohne Geschmacksverstärker, Farbstoffe oder Konservierungsstoffe.

Diesen Verzicht schätzt zwar auch Ebner. Slow Food setzt sich ebenfalls für Lebensmittel ohne Zusatzstoffe und Chemikalien sowie den Erhalt traditioneller Herstellungsweisen ein. Er kritisiert aber dennoch: „So, wie das Reinheitsgebot heute ist, hat es mit dem Begriff ’sauber‘ im Sinne von Slow Food wenig zu tun.“ Nicht immer nämlich werde das ursprüngliche Naturprodukt verwendet, sondern dessen chemische Aufbereitung.

 

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