Berg und Ski aktuell 05.07.2012, 15:27 Uhr

Kilometer-Jagd und Vertikal-Kick

Das Tannheimer Tal entwickelt sich zunehmend zum Dorado der Rennradfahrer. Aber auch Wanderer und Kletterer kommen hier auf ihre Kosten.

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Vor der mächtigen Kulisse der Roten Flüh macht das Rennradtraining doppelt Spaß. Fotos: TV Tannheimer Tal/sg (3)

Vor der mächtigen Kulisse der Roten Flüh macht das Rennradtraining doppelt Spaß. Fotos: TV Tannheimer Tal/sg (3)

Von Stefan Gruber, MZ

Tannheim. Der Griff in die Bremshebel – hier muss er einfach sein. Wenigstens für ein paar Minuten hat der Blick auf den Rennrad-Tacho jetzt Pause. Dafür schweift das Auge über das seltene Naturschauspiel, das der Lech an dieser Stelle bietet. In unzähligen Armen, mal mächtig breit, mal kaum einen Meter schmal, sucht sich der Fluss sein Bett durchs weite Kiesfeld inmitten tiefgrüner Auenwälder. „In diesem Abschnitt vergessen viele Biker einfach ihre Tempojagd“, sagt Michael Keller. Kein Wunder: Das mäanderartige Tal zwischen Weißenbach und Stanzach zählt zu den landschaftlichen Höhepunkten im äußersten Westen Tirols und wurde 2004 seiner vielfältigen Flora und Fauna wegen zum Naturpark erklärt. Wenn Keller in die Pedale tritt, zieht es ihn oft in diese Gegend. Der Geschäftsführer des Tourismusverbands im nahen Tannheimer Tal und ehemalige Profi-Rennradfahrer ist dabei allerdings nicht mehr allzu oft allein. Seine Heimat hat sich in der Szene herumgesprochen als Trainings-Dorado. Und den passenden Marathon dazu gibt es seit zwei Jahren auch. Am 15. Juli werden wieder rund 2000 Hobbyradler den Asphalt zwischen Tannheim und dem Arlberg unter die schmalen Reifen nehmen. Zwei Strecken, die eine 130, die andere 230 Kilometer lang, stehen zur Wahl.

Deutlich mehr Varianten wollen den ganzen Sommer über erradelt werden. 22 Rennradrunden hat Michael Keller ausgearbeitet und in einem übersichtlichen Booklet zusammengestellt. Wer noch wenig Strecke in den Waden hat, wählt die 50 Kilometer lange Engetalrunde hinaus nach Nesselwang und Pfronten, der ambitionierte Pedaleur strampelt fast 220 Kilometer bis vor Innsbruck. „Das Tannheimer Tal bietet ideale Voraussetzungen für Rennradtouren“, weiß Keller und zählt die Vorzüge auf: „Im Tal finden sich flache Strecken ohne Durchgangsverkehr, welliges Gelände erreicht man schnell im nahen Allgäu und auf die Cracks warten zahllose Pässe.“

Eine Urlaubswoche im Rennradsattel kann aber auch einsam machen. „Oft genug bleibt beim Training die Familie auf der Strecke“, weiß Keller und ergänzt: „Nicht hier im Tannheimer Tal. Schließlich bietet die Region vielfältige Möglichkeiten, sich in der Natur zu vergnügen. Und das für jedes Alter.“

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