Detlev Buck wirkt ein wenig fahrig: Kurz vor Interviewbeginn versucht er, ein Taxi zum Flughafen zu organisieren - ein kompliziertes Unterfangen, das ihn auch während der Unterhaltung noch gelegentlich in Anspruch nehmen wird. Trotz dieser etwas widrigen Rahmenbedingungen widmet sich der 49-Jährige gut gelaunt dem Gespräch. Zu viel Persönliches will der Regisseur allerdings nicht preisgeben. Immer wieder kommt er auf seine Verwechslungskomödie "Rubbeldiekatz" (2011, ab 18. Mai auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich) zu sprechen, in der Matthias Schweighöfer sein Glück als Frau versucht. Auch sein neues Projekt "Die Vermessung der Welt" (Kinostart: 25. Oktober) liegt ihm sichtlich am Herzen. Doch die eine oder andere Anekdote lässt sich das entspannte Nordlicht schließlich doch entlocken.
teleschau: "Rubbeldiekatz" war mit mehr als zwei Millionen Kinogängern sehr erfolgreich. Warum hat das Publikum nach wie vor Spaß an Komödien mit Männern in Frauenkleidern?
Detelev Buck: Das Konzept "Männer in Frauenkleidern" alleine reicht nicht. Auch der Rest muss zusammenpassen und überraschen. Schnell und pfiffig sollte es auch sein.
teleschau: Was halten Sie persönlich von einem gelegentlichen Rollenwechsel - Männer versuchen es als Frau, und Frauen als Männer?
Buck: Das kann helfen, mehr Verständnis zu entwickeln. Obwohl die Biologie ja gewisse Dinge vorgibt, daran ist nicht zu rütteln.
teleschau: Das behaupten manche Menschen auch von den Geschlechterrollen. Inwieweit müssen wir daran eventuell noch arbeiten?
Buck: Da ist nie was fertig, weil sich die Gesellschaft und die Ansprüche andauernd verändern. Sowohl Männer als auch Frauen haben heute einen hohen Anspruch an sich, das ist nicht einfach. Deswegen freut man sich über eine Komödie wie "Rubbeldiekatz". Das große Thema des Films isst ja, dass Liebe nicht planbar ist.
teleschau: Ihr neuer Film "Die Vermessung der Welt" basiert auf Daniel Kehlmanns gleichnamigem Roman und handelt von Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt. Die Dreharbeiten fanden in Ecuador statt. Bereisten Sie das Land vor dem Dreh?
Buck: Ich war beim indigenen Volk der Huaorani, das dort im Dschungel lebt. Da kommt man schwer rein, weil es in diesem Gebiet nur noch 150 Stammesangehörige gibt. Die Kolonialisierung zerdonnerte ja so ziemlich alles. Der spanische Einfluss ist spürbar. Letztendlich musste ich Humboldts Welt für den Film komplett aufbauen.
teleschau: Humboldt war einer der bedeutendsten Naturforscher seiner Zeit, Gauß ein brillanter Mathematiker. Weshalb verfilmen Sie ausgerechnet die Geschichte dieser beiden?
Buck: Humboldt und Gauß finde ich fantastisch, weil sie zwei Individuen waren, die sich nicht mit ihrer Situation zufrieden gaben. Sie suchten immer nach Veränderung.
teleschau: Was beeindruckte Sie an Ihrem Drehort Ecuador besonders?
Buck: In diesem kleinen Land am Äquator herrschen 38 Grad und eine Luftfeuchtigkeit wie im Dschungel. Und dann gibt es gleichzeitig Regionen mit einer Temperatur von minus zwei Grad und Schneefall. Auch die Houarani waren etwas Besonderes, da sie noch nach ihren Bräuchen leben - sie jagen zum Beispiel immer noch Affen. Das war eine ganz eigene Welt, die mich sehr faszinierte.
teleschau: Der Dreh zu "Rubbeldiekatz" ist noch nicht lange her, "Die Vermessung der Welt" ist bereits in Postproduktion - das ist ein ordentliches Pensum...
Buck: Stimmt. Ich muss lernen, nicht gleich etwas Neues anzufangen - obwohl ich das sehr mag. Ich arbeite gerne.
teleschau: Entspannung ist also nicht so sehr Ihr Fall?
Buck: Ich freue mich auf das Frühjahr. Dann fahre ich raus aufs Feld und schaue, wie die Pflanzen wachsen.
teleschau: Da spricht wohl der gelernte Landwirt aus Ihnen. Bereuen Sie es manchmal, Regisseur geworden zu sein?
Buck: Ich mache beides aktiv. Jede Branche nervt mich nach einer Zeit - ich wandere gerne zwischen den Welten.
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