Gesundheit - Artikel 17.04.2012, 20:17 Uhr

Ab 50: Blick in den Magen als Vorsorgeuntersuchung?

In der Endoskopie sind Japaner Weltmeister. Prof. Dr. Messmann hat von ihnen gelernt und ist frühen Magen-Darm-Karzinomen auf der Spur.


        Der Endoskopiepräsident aus der Oberpfalz auf Spurensuche in Japan: Prof. Helmut Messmann (rechts) lernte bei Prof. Oyama in Nagano (Mitte) eine Technik, um Tumoren endoskopisch zu entfernen. Foto: Klinik

Der Endoskopiepräsident aus der Oberpfalz auf Spurensuche in Japan: Prof. Helmut Messmann (rechts) lernte bei Prof. Oyama in Nagano (Mitte) eine Technik, um Tumoren endoskopisch zu entfernen. Foto: Klinik

Von Heinz Klein, MZ

Regensburg/Augsburg. Vor wenigen Tagen endete turnusgemäß seine Amtsperiode als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren, doch seine Botschaft will Prof. Dr. Helmut Messmann auch weiterhin transportieren: Der Chefarzt am Klinikum Augsburg und gebürtige Oberpfälzer tritt dafür ein, den über 50-Jährigen nicht nur eine kostenlose Darmspiegelung (Koloskopie), sondern auch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) anzubieten – am besten beides in Kombination. Der Spezialist für Karzinome im Magen-Darm-Trakt weiß, wovon er spricht. Das Klinikum Augsburg hat mit 13000 endoskopischen Eingriffen pro Jahr reichlich Erfahrung und bei Magenfrühkarzinomen die höchste Behandlungszahl einer Klinik in Europa. Eine frühe Diagnose ist die Voraussetzung, den Tumor organerhaltend entfernen zu können. Wenn der Tumor noch auf die oberste Schleimschicht begrenzt ist, lässt er sich auch auf endoskopischem Weg gut entfernen – eine Technik, die Messmann in Japan gelernt hat und bei der Behandlung von frühen Speiseröhren-, Magen- und Dickdarmkrebs einsetzt.

Bei der Fahndung nach winzigen Tumoren in Magen und Darm hat Prof. Messmann am National Medical Laser Centre in London eine Technik entwickelt, um noch nicht sichtbare Tumore durch Laserlicht zum Leuchten zu bringen. Und in Japan ließ er sich bei Prof. Oyama in Nagano in die Feinheiten der Endoskopie einführen. „In der Endoskopie ist Japan der Weltmeister und den Europäern noch um fünf Jahre voraus“, sagt der Professor, der lange in Regensburg praktizierte und weiterhin zwischen Lappersdorf und Augsburg pendelt. Er brachte eine Oberärztin aus Japan mit, die die Augsburger Mediziner drei Monate lang trainierte. Mit dem brandneuen Endoskopie-Zentrum sei man nun in Augsburg „auf dem Weg zu japanischem Niveau“, sagt Messmann.

Mit seinem Ruf nach einer Vorsorge-Gastroskopie ab 50 ist Messmann bisher weitgehend abgeblitzt. Die Vorsorgerichtlinien für Magenkrebs, an denen er mitgewirkt hat, sehen eine Magenspiegelung nur bei Patienten vor, die bereits Symptome wie ständiges Sodbrennen und damit ein erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs haben, weil sich durch den Einfluss der Magensäure die Schleimhaut verändert. Aber 40 Prozent der über 50-Jährigen weisen auch Schleimhautveränderungen auf, ohne je Sodbrennen gehabt zu haben. Angesichts von jährlich 20 000 Magenkrebsfällen, 10 000 Tumoren in Mund- und Rachenraum und 5000 Speiseröhrenkrebsfällen lohne sich der vorsorgliche Blick in den Magen, ist er überzeugt. Und wie geht es weiter in der Endoskopie? Der scheidende Endoskopie-Präsident sieht neue Möglichkeiten der Robotertechnologie und Kapselendoskopie. Bildgebende Techniken nutzen die Interaktionen von Licht und Gewebe immer besser aus, um unsichtbare Schleimhautveränderungen aufzuspüren. Und Chirurgie und Endoskopie werden bei Hybrideingriffen zueinanderfinden.

 

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