Gesundheit - Artikel 19.07.2011, 21:17 Uhr

Silber im Knochenzement schützt Prothesen vor Keimen

Regensburger Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, selbst multiresistente Bakterien nach Gelenkoperationen besser in Schach zu halten.

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Von Heinz Klein, MZ

Bad Abbach/Regensburg. Der Mensch greift gerne zu Silber, um sich zu schmücken und trägt das edle Metall dann gut sichtbar an Hals, Ohren oder Fingern. Es gibt aber auch einen guten Grund, ein wenig Silber inwendig mit sich zu tragen, denn Silber wirkt antibakteriell. Das wussten schon die alten Ägypter und reduzierten mit Silber die Zahl der Keime in ihren Wasserleitungen. So kann es von Vorteil sein, ein bisschen Silber dort im Körper zu haben, wo Keime sich gerne versammeln und großen Schaden anrichten können: an neu eingesetzten künstlichen Gelenken, an Endoprothesen in Knie und Hüfte.

Zement in drei Jahren am Markt?

Dieser Einsicht folgend hat man in Regensburg ein Produkt entwickelt, dass sich in der Medizin bald als sehr segensreich erweisen könnte: einen mit Nanosilber angereicherten Knochenzement. Bei einer Abschlussbesprechung in der Asklepios-Klinik Bad Abbach zeigten sich die Beteiligten des Projekts sehr optimistisch, dass der silberhaltige Knochenzement in drei, vier Jahren am Markt sein werde, zunächst als Spezialprodukt für immunreduzierte Patienten wie zum Beispiel Rheumatiker, bald aber auch als Standardprodukt.

Professor Dr. Joachim Grifka, Leiter der Klinik für Orthopädie der Uni Regensburg und Direktor des Asklepios-Klinikums Bad Abbach, umriss die Problematik. Immer öfter werden in unserer alternden Gesellschaft Gelenkteile durch künstliche Prothesen ersetzt, immer öfter in sogenannten Wechseloperationen auch Endoprothesen ausgewechselt. 350000 Endoprothesen werden in deutschen Kliniken jährlich eingesetzt, Tendenz steigend. Bei etwa einem Prozent der Operationen kommt es zu Infektionen, bei den aufwendigeren Wechseloperationen steigt das Infektionsrisiko sogar auf 12 bis 15 Prozent. Sind dabei multiresistente Keime (MRSA) im Spiel, sind die künstlichen Gelenke kaum mehr zu retten und müssen ausgetauscht werden. Der Klinikaufenthalt verlängert sich dann oft auf das Vierfache, die Kosten erhöhen sich auf ein Mehrfaches, schildert Dr. Jens Schaumburger (Orthopädische Klinik der Universität) die Folgen.

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