Bunte Kräuter- und Blumenwiesen sind Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von blütenbestäubenden Insekten. Fotos: Landratsamt Schwandorf
SCHWANDORF. Blütenbestäubende Insekten wie Wildbienen, Honigbienen, Schmetterlinge und Käfer haben durch ihre Bestäubungsleistung eine entscheidende Funktion nicht nur in naturnahen und kulturbetonten Landschaften, sondern auch in den innerstädtischen Grünanlagen und im privaten Garten. Die Vielfalt an Bienen und die von ihnen bestäubten Blütenpflanzen ist aber leider weltweit zurückgegangen, gibt Wolfgang Grosser zu bedenken. Der Fachberater für Gartenkultur und Landespflege beim Landratsamt Schwandorf bedauert, dass viele Arten „extrem selten geworden und vom Aussterben bedroht“ seien.
Deutliche Mindererträge
Diese Situation könne bei verschiedenen Kulturpflanzen im Gartenbau, in der Landwirtschaft sowie in der Imkerei zu deutlichen Mindererträgen und Qualitätsverlusten führen. Die Hauptursache sei eine Verknappung der Nahrungsgrundlage, also der Rückgang von Nektar und Pollen spendenden Pflanzen, Kräuter- und Blumenwiesen sowie der Verlust an Nistmöglichkeiten im städtischen Bereich und in der Landschaft.
Praktische Nutzanwendung
Vor diesem Hintergrund hat sich bundesweit ein „Netzwerk Blühende Landschaft“ gegründet. 28 Gartenbauvereine im Landkreis Schwandorf beteiligten sich 2012 an dieser Aktion und brachten im Frühjahr den vom Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Schwandorf gespendeten Samen aus. Zur Einbeziehung privater und öffentlicher Flächen wurden in einer Informationsveranstaltung mit den örtlichen Obst- und Gartenbauvereinen Tipps und Hinweise für Maßnahmen gegeben
An dieser Aktion beteiligten sich auch die Minigärtner aus den Gartenbauvereinen Teublitz, Fuhrn, Ettmannsdorf, Mitterauerbach, Ponholz, Teublitz, Teunz und Richt. Zielsetzung sei es, so der Fachberater, „allen Kindern und Jugendlichen etwas über die Natur und den Garten beizubringen“. Grosser: „Natürlich sollen es richtig praktische Dinge sein, wo alle auch mitmachen können und dabei biologisches und auch gärtnerisches Fachwissen erlernen können.“
Eine „Minigärtnerin“ bei der Arbeit
So erfuhren sie beispielsweise, dass der Herbst der beste Zeitraum ist, um den Boden für die Aussaat von Blühmischungen vorzubereiten. Die offene Bodenkrume geht so in den Winter und erhält den Boden fördernde Frostgare. Der Boden sollte grob oberirdisch bearbeitet werden. Tiefer als etwa 20 Zentimeter sollte die Bearbeitung jedoch nicht gehen.
Guter Bodenschluss ist wichtig
Für die Aussaat im Frühjahr wird eine relativ geringe Saatgutmenge benötigt. Lediglich zwei Gramm werden pro Quadratmeter ausgebracht. Um die Aussaat zu erleichtern und gleichförmig auf der Fläche zu verteilen, kann das Saatgut mit Sand, Sojaschrot oder Sägemehl auf das Drei- bis Fünffache aufgefüllt werden. Das Saatgut flach oberflächlich einrechen, nicht eingraben.
Hobelspäne als Mulchschicht
Wichtig ist ein guter Bodenschluss, deshalb nach der Aussaat den Boden andrücken oder walzen. In den ersten zwei bis drei Wochen nach der Aussaat sollte die Fläche feucht gehalten werden. Um den Boden vor Austrocknung zu schützen, kann Gartenkresse (maximal ein halbes Gramm pro Quadratmeter) eingesät oder trockener Rasenschnitt beziehungsweise Hobelspäne als dünne Mulchschicht aufgebracht werden.
Für mehrjährige Blühstreifen auf Ackerflächen oder Bereichen im Garten empfiehlt Grosser die „Mischung Blühende Landschaft“, — erzeugt von Rieger-Hofmann. Sie besteht aus 40 Prozent Kulturpflanzen und 60 Prozent Wildarten aus gesicherter Herkunft und ist für eine Standzeit von fünf Jahren konzipiert. Enthalten sind zum Beispiel Buchweizen, Sonnenblume oder Salbei. Die Kulturpflanzen sind vor allem in den ersten Jahren dominant, später übernehmen die ausdauernden Arten die Führung.
In kleineren Gartenflächen besteht die wichtigste Pflegemaßnahme in der Regulierung beziehungsweise Bekämpfung der Begleitflora, wie Gänsedistel, Senf, Ackerhellerkraut, Melde, Gundermann, Kriechender Hahnenfuß. Die wirkungsvollste Methode sei hier immer noch das manuelle Herausziehen jeder unerwünschten Pflanze. Besonders wichtig sei dies in den ersten sechs Wochen nach der Aussaat.
Wiesenblumen als Bienenweide
Mehrjährige Stauden sollten nicht schon im Herbst geschnitten werden, sondern erst im kommenden Frühjahr, da die verblühten Pflanzen wichtige Überwinterungsräume für zahlreiche Insekten und Nahrung für die überwinternden Vögel sind. Die Pflanzen sollten mindestens zehn Zentimeter vom Boden weg geschnitten werden.
Das Schnittgut wiederum sollte auf jeden Fall abgeräumt werden. Keinen Rindenmulch verwenden! Die Gerbstoffe der Rinde wirken wachstumshemmend. Besser sind hier Grünschnitt, Kies oder Splitt. (er)