Die Karriere der Emily Blunt erscheint steil und geradeaus. Bereits mit 18 wurde die Tochter eines Londoner Anwalts für die Bühne entdeckt. Nach Kinoerfolgen in der britischen Heimat ("My Summer of Love", "Gideon's Daughter") folgte bald der Ruf aus Hollywood. Als ehrgeizige Assistentin Meryl Streeps feierte sie mit "Der Teufel trägt Prada" einen furiosen Einstand. Es folgten Hauptrollen in Filmen wie "Wolfman" oder "Der Plan". In ihrem neuen Film "Fast verheiratet" (Start: 12.07.) wechselt die 29-Jährige jetzt ins komödiantische Fach. Ob es ihr beim Thema des Films geholfen hat, dass Blunt nach dreijähriger Beziehung mit Sänger Michael Bublé seit zwei Jahren mit Schauspielerkollege John Krasinski ("Der Ruf der Wale") verheiratet ist?
teleschau: Sie haben vor zwei Jahren geheiratet. Halten Sie die Ehe immer noch für ein gutes Konzept?
Emily Blunt: Ich bin ein großer Fan der romantischen Idee, sein Leben mit einem anderen Menschen zu teilen. Die Ehe ist eine tolle Sache - wenn man es richtig macht.
teleschau: Wie macht man es richtig?
Blunt: Kommunikation ist sehr wichtig, auch wenn das aus dem Mund einer Engländerin komisch klingen mag. Engländern bereitet das Konzept der Kommunikation grundsätzlich Angst (lacht). Und doch - in einer Ehe geht es ums Reden und Zuhören. Außerdem braucht man eine Menge Humor. Das ist alles nicht so einfach. Viele Paare schaffen es anfangs, diese Regeln zu befolgen. Irgendwann stellen sie fest, dass beide mehr Spaß alleine haben als zu zweit. Das finde ich ziemlich deprimierend.
teleschau: Hatten Sie eine perfekte Hochzeit?
Blunt: Für mich war sie perfekt, auch wenn es nur ein kleines Fest im engen Kreis war. Ich bin keine große Planerin. Es lag mir fern, meine Hochzeit bis ins Detail zu planen, so wie es andere tun. Ich liebe es, spontane Enttscheidungen zu treffen und mich dann einfach treiben zu lassen.
teleschau: Wünschen Sie sich Kinder?
Blunt: Ich möchte gerne Kinder haben, weil ich selbst aus einer großen Familie komme.
teleschau: Viele Komödien beschäftigen sich mit Hochzeiten - warum eigentlich?
Blunt: Weil sich die Zuschauer selbst in diesen Geschichten sehen. Fast jeder hatte schon mal Beziehungsstress. Andererseits kennt jeder den Wunsch, einem Menschen nah sein zu wollen. Darum geht es ja beim Heiraten. Schließlich kommen der ganze Stress und die Krisen, von denen wir in "Fast verheiratet" erzählen. Ich mag das chaotisch-realistische Moment der Geschichte. Es ist ein Film ohne den ganzen süßlichen Schmelz üblicher romantischer Komödien.
teleschau: Im Film stellt Ihr von Jason Segel gespielter Verlobter seine Karriere extrem zurück, um Ihnen eine selbige zu ermöglichen - kann das funktionieren?
Blunt: Ich kenne eine Menge Paare, bei denen einer die Brötchen verdient und der andere sich daheim um Kinder und Haushalt kümmert. Eine solche Situation bringt immer gewisse Spannungen mit sich. Ist der Brötchenverdiener eine Frau, zeigt sich diese Dynamik meist noch etwas ausgeprägter. Es kann aber nie gut ausgehen, wenn sich einer für den anderen aufopfert.
teleschau: Wie war die Chemie zwischen Jason Segel und Ihnen bei diesem Film?
Blunt: Ich hoffe, wir hatten eine gute Chemie! Mal sehen, ob dem Publikum der Film gefällt. Für uns persönlich war es eine tolle Sache, weil wir ohnehin gute Freunde sind. Ich denke, so etwas zeigt sich meistens auch im Film selbst - insofern bin ich guter Hoffnung.
teleschau: Im Film zeigen Sie Ihr Komödientalent. Mussten Sie das erst unter Beweis stellen, bevor Sie in einer Komödie der Judd Apatow-Gruppe mitmachen durften?
Blunt: Viele Leute denken, ich komme aus einer bierernsten Ecke, weil ich früher in vielen Dramenn mitgespielt habe. Tatsächlich stamme ich aus einer schrecklich albernen Familie, in der von morgens bis abends Witze gemacht werden. Vor "Der Teufel trägt Prada" habe ich allerdings nie in Komödien gespielt - außer bei einem Theaterstück. Deshalb war ich nach dem Vorsprechen überrascht, wie schnell ich die Rolle in diesem Film bekam. "Der Teufel trägt Prada" hat einiges verändert. Seitdem werde ich auch als Komödiantin wahrgenommen, was mir natürlich gut gefällt. Schließlich kann ich so wesentlich vielseitiger arbeiten.
teleschau: Haben Sie seitdem das Gefühl, es in Hollywood geschafft zu haben?
Blunt: Ich habe jetzt viel dort gearbeitet, bekam viele gute Angebote. Aber - ehrlich gesagt - man hat nie das Gefühl, der Wettbewerb würde aufhören. Es gibt vielleicht fünf Schauspieler in Hollywood, die sich niemals Gedanken machen müssen, ob sie noch angesagt sind und Rollen bekommen. Alle anderen stehen eher heute als morgen zur Disposition. Es ist ein hartes Geschäft. Vor allem deshalb, weil man auf die meisten Dinge selbst so wenig Einfluss hat. Zu Beispiel darauf, ob ein Film kommerziell erfolgreich ist.
teleschau: Haben Sie einen Plan B in der Tasche - sollten Sie mal keine guten Rollen mehr bekommen?
Blunt: Nein, einen Plan B habe ich nicht. Trotzdem weiß ich außerhalb der Arbeit etwas mit mir anzufangen. Ich lese sehr viel, koche für mein Leben gern und ich bin ein großer Fan des Telefonabschaltens.
teleschau: Sie haben sich schon öfter kritisch über das Hollywood-Geschäft geäußert. Wie kommen Sie mit dem Leben dort klar?
Blunt: Ich versuche im Hier und Jetzt zu leben und die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Ich entscheide mich für oder gegen Rollen aus dem Bauch heraus. Ich mache das, was mir selbst gefällt, weil man ja sowieso keinen anderen verlässlichen Maßstab hat. Abseits meiner Arbeit lebe ich ein Leben, das privat wenig mit Hollywood zu tun hat - ziemlich normal und abgeschieden. Meistens findet es in Los Angeles statt, aber mein Mann und ich haben auch eine Bleibe in New York.
teleschau: England vermissen Sie nicht?
Blunt: Natürlich vermisse ich England. Aber es macht keinen Sinn, dort zu wohnen, wenn man die ganze Zeit in Amerika arbeitet.
teleschau: Was stört ein britisches Mädchen am meisten am Leben in Los Angeles?
Blunt: Die schlechte Schokolade und ddas Fahren auf der falschen Seite der Straße. Mein Auto ist voller Kratzer und Beulen - es ist eine Katastrophe.
teleschau: Welche Art von Humor ist Ihrer?
Blunt: Nun, ich kann meine britische Herkunft nicht verleugnen. Ich mag den schwarzen Humor. Wenn es anderen Leuten schlecht geht oder meinetwegen auch einem selbst - darüber können wir am meisten lachen.
teleschau: Haben Sie eine Lieblingskomödie?
Blunt: Ich liebe die "Pink Panther"-Filme mit Peter Sellers. Ich kann mich aber auch daran erinnern, bei "Mrs. Doubtfire" Tränen gelacht zu haben. Außerdem bin ich ein großer Jim Carrey-Fan. Auch die Sachen von Ricky Gervais von "The Office" liebe ich, weil sie ungemein trocken sind. Insgesamt ist mein Humorzentrum jedoch von ziemlich albernem Kram geprägt.
teleschau: Was halten Sie von den Komödien der Judd Apatow-Gruppe?
Blunt: Ich liebe sie, weil sie Geschichten von ganz normalen Leuten erzählen. Vor Judd hat das im großen US-Kino keiner gemacht, vor allem nicht im Komödienfach. Ich glaube, dies sorgt auch für den Erfolg der Filme - sie sind sehr naturalistisch.
teleschau: Viele Komiker waren in ihrem früheren Leben Außenseiter. Kann man sich bei Ihnen gar nicht vorstellen...
Blunt: Ich kann nicht sagen, dass ich zu Schulzeiten ein besonders populäres Mädchen gewesen wäre. Außerdem habe ich furchtbar gestottert. Das wurde komischerweise erst besser, als ich auf die Bühne ging. Aber - es kommt manchmal wieder, wenn ich sehr aufgeregt oder müde bin. Auch Telefonieren ist manchmal schwierig für mich. Neulich habe ich einen Film mit Bruce Willis gedreht. Er stotterte früher auch und wir unterhielten uns darüber. Privat ist Bruce ein sehr zurückhaltender Mensch. Das ist vielleicht das Gemeinsame an uns Stotterern - im Grunde sind wir sehr scheue Menschen.
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