Kino-Reportagen 21.05.2012, 06:00 Uhr

Halbzeit beim Filmfestival in Cannes

Wenn der Wind kälter weht

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Eine in Exorzismus endende Freundschaft, wankende Männerbilder und Lovestorys, die man selbst so nicht erleben möchte - an der Croisette hat sich beim Filmfestival von Cannes mit dem umschlagenden Wetter auch die Stimmung auf der Leinwand verdüstert. Dabei treiben nicht nur Wind und Regen die vielen Festivalbesucher mit heftiger Drängelei in die bis zum letzten Platz besetzten Säle. Fast jeder neue Tag birgt mit seinem Programm das Versprechen, dass er jetzt endlich kommt, der Film, der die Zuschauer von den Stühlen reißt.

Einen starken Eindruck konnte bereits der Goldene-Palme-Gewinner Cristian Mungiu ("4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage") mit "Beyond The Hills" hinterlassen: Das von dunklem Realismus geprägte Drama spielt sich in einem ärmlichen Kloster in der rumänischen Provinz ab. Alina (Cristina Flutur) will dort Voichita (Cosmina Stratan), ihre beste Freundin aus Waisenhauszeiten, aus dem tristen Kloster holen und mit nach Deutschland nehmen. Doch Voichita glaubt, als Novizin ihren Platz gefunden zu haben. Als sie sich weigert, beginnt Alina langsam durchzudrehen und alles in Frage zu stellen. Die Nonnen sehen sie als vom Teufel Besessene und ergreifen Maßnahmen. - Ein schwerer Brocken, der bei 150 Minuten Laufzeit nicht frei von unnötigen inhaltlichen Wiederholungen ist, aber definitiv nachwirkt. Mal sehen, ob bis zur Preisverleihung.

Sollte sich 2012 das "Jean Dujardin"-Phänomen wiederholen und ein noch weitgehend unbekannter Schauspieler zum besten Darsteller gekürt werden, hat Cannes diesen bereits gefunden: Matthias Schoenaerts. Ein Preis auf dem renommierten Festival könnte für den Belgier ("Bullhead") der Kick für eine internationale Karriere sein. Denn Männer wie ihn sucht Hollywood schließlich immer: muskelbepackt und mit viel schauspielerischem Können. In Jacques Audiard großartigem Drama "Rust and Bone" schhlägt sich der Hüne als Boxer Ali durchs Leben. Er weiß, dass er einer Frau außer seinem Körper nicht viel zu bieten hat. Damit beeindruckt er Stephanie (ebenfalls wunderbar: Marion Cotillard). Sie muss nach einem Unfall mit ihrer körperlichen Versehrtheit als Frau ohne Beine klarkommen.

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