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Sonntag, 24. September 2017 20° 3

Boston

Balanceakt zwischen Terror-Doku und Action-Thriller
von Andreas Schöttl

  • Das Drama "Boston" zeigt den verheerenden Anschlag auf den Boston-Marathon im April 2013. Foto: Studiocanal
  • Als in Boston noch alles in Ordnung war: Zum "Patriot's Day" findet alljährlich ein Marathon statt. Am 15. April 2013 wurde die Strecke zu einem blutigen Terrorziel. Foto: Studiocanal GmbH / Karen Ballard
  • Sergeant Tommy Saunders (Mark Wahlberg) ist der Held in Peter Bergs "Boston". Er ist ein fiktiver Charakter, der die Zuschauer durch die schlimmen Geschehnisse von Boston führt. Foto: 2016 CBS Films Inc. and Lionsgate Films Inc. / Karen Ballard
  • Im Zielraum der Marathonstrecke in der Boylston Street in Boston wird auch Cop Tommy Saunders (Mark Wahlberg) von den Sprengkörpern verletzt. Foto: Studiocanal GmbH / Karen Ballard
  • Trotz Verletzung lässt es sich Cop Tommy Saunders (Mark Wahlberg) nicht nehmen, die Attentäter zu jagen. Foto: Studiocanal GmbH / Karen Ballard
  • FBI-Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon) führt die Ermittlungen gegen die Zarnajew-Brüder. Ihre Identität blieb lange ungeklärt. Foto: Studiocanal GmbH / Karen Ballard
  • Erst durch akribische Kleinarbeit, mit der der Verlauf des Terroranschlags in einer Halle nachgestellt wurde, konnten die Zarnajew-Brüder identifiziert werden. Foto: Studiocanal GmbH / Karen Ballard
  • Tagelang machten sich Sondereinheiten der Polizei auf die Suche nach den Boston-Bomber. Am Abend des 19. April 2013 konnte der Überlebende Dschochar Zarnajew gestellt werden. Foto: Studiocanal GmbH / Karen Ballard
  • J.K. Simmons spielt Jeff Pugliese. Der eher gemütliche Cop aus dem Vorort Watertown war maßgeblich an der Überwältigung eines der Zarnajew-Brüder beteiligt. Über Nacht wurde er zu einem Helden. Foto: Studiocanal GmbH / Karen Ballard

Wie viel Zeit sollte vergehen, bevor ein Film nach einer wahren Begebenheit, zumal einer blutigen mit drei Toten und mehr als 260 Verletzten, auf die große Kinoleinwand kommt? Oliver Stones "World Trade Center" beispielsweise arbeitete fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 das Geschehene in einem Drama auf. Peter Bergs "Boston" (2016, nun fürs Heimkino erhältlich) ist bereits gut vier Jahre nach dem Attentat auf den Marathonlauf in der Hauptstadt des US-Bundesstaates Massachusetts in den Heimkinos zu sehen - als fiktiver Thriller.

Zwei Bomben, versteckt in Rucksäcken und abgelegt zwischen den Beinen vieler ausgelassener Zuschauer am Rande der Strecke in der Boylston Street, detonierten mit einem Abstand von nur 13 Sekunden. Die Szenen um diese Explosionen, ausgelöst von den Brüdern Dschochar und Tamerlan Zarnajew, sind es auch, in denen "Boston", immerhin gedreht an Originalschauplätzen, seine Würde behält und eben nicht in ein plakatives Katastrophenszenario biegt.

Klar, es sind blutige Bilder zu sehen. Das muss auch sein, bei drei Toten und mehr als 260 zum Teil Schwerstverletzten. Zwischen verzweifelten Schreien und in einer allgemeinen Panik irrt der ebenfalls verletzte Tommy Saunders (Mark Wahlberg) umher. Schnelle Schnitte begleiten den Polizeisergeant, der versucht, so etwas wie eine Übersicht in verwirrendem Chaos zu erhalten.

Die schlimmen Minuten direkt nach dem Attentat haben eher die Form einer Dokumentation. Regisseur Berg bleibt wohltuend nüchtern, er hält sich mit drastischen Bildern und überzogener Action zurück. Der Schrecken allein entfaltet Wirkung genug. Der Regisseur hätte diesen klugen Dreh zur Aufarbeitung eines sehr sensiblen Themas durchaus länger beibehalten können.

Problematisch in "Boston" jedoch wird es bei der Verfolgung der beiden Attentäter. Einen Schusswechsel in dem Vorort Watertown inszenierte Berg als wilde Ballerei mit gewagten Explosionen. Der Regisseur gibt an, dass er keine reine Doku drehen wollte. Und immerhin sollte sein Film auch mitreißen - diejenigen Zuschauer, die von dem Terror eben nicht direkt betroffen waren. Mit der Action zum Finale macht der Film ihnen ein Zugeständnis, wie zuvor den Menschen in Boston mit einer distanzierten Herangehensweise.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc, Ultra HD Blu-ray und als Video-on-Demand.

teleschau - der mediendienst

Boston
Studio: Studiocanal
FSK: 16
Regisseur: Peter Berg
Schauspieler: Mark Wahlberg, Michelle Monaghan, John Goodman
Land: USA
Genre: Thriller
Sprachen:
Untertitel:
Extras:
Preis:
Bewertung: Film: überzeugend
Bild:
Ton:
Extras:

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