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CD & DVD
Samstag, 23. September 2017 21° 3

Silence

Ein Übermaß an Gewissheit
von Andreas Günther

  • Martin Scorsese liefert mit "Silence" ein Schockdrama über die Christenverfolgung im Japan des 17. Jahrhunderts. Foto: Concorde
  • Padre Ferreira (Liam Neeson) zog nach Japan, um die Bevölkerung zu missionieren. Foto: Concorde
  • Aus Furcht vor der Obrigkeit halten Padre Rodrigues (Andrew Garfield, rechts) und sein Mitstreiter Padre Garpe nur in Ausnahmefällen tagsüber Gottesdienste ab. Foto: Concorde
  • Rodrigues (Andrew Garfield, links) stößt auf Dorfbewohner, die seinen geistlichen Beistand nicht hoch genug schätzen können. Foto: Concorde

Im Japan des Jahres 1639 heißt es für Christen: abschwören oder sterben. Sie sollen in einem besonnten Gefängnishof ihren Fuß auf eine Platte mit Jesusbild setzen, eine "Formalie", mit der sie mit dem katholischen Credo brechen. Sie wollen nicht. Sie müssen zurück in die Zelle - bis auf einen. Ein Wächter beginnt mit ihm ein Gespräch, da kriecht unheilverkündend ein schmaler, schräger Schatten heran. Der Kämpfer, der ihn wirft, zieht sein Schwert und trennt dem Gefangenen den Kopf ab. Es mag makaber klingen, dass in diesem Fall nicht das Abschneiden problematisch ist, sondern der Kopf. Beim lebenden Gefangenen war ein Auge zugeschwollen, das abgetrennte Haupt hingegen blickt aus beiden Augen wie erleuchtet und erlöst: Martin Scorseses "Silence" (2016, nun fürs Heimkino erhältlich) übertreibt es mit der religiösen Gewissheit.

Vom Ideal des wahren Glaubens beseelt, wollen die Jesuitenpadres Rodrigues (Andrew Garfield) und Garpe (Adam Driver) zu dem von ihnen bewunderten Padre Ferreira (Liam Neeson) in Japan stoßen, um das buddhistische Land weiter zu missionieren. Obwohl die dortige Obrigkeit die Christen zu Tausenden abschlachtet und sich hartnäckig das Gerücht hält, Ferreira sei längst abgefallen und lebe als Japaner mit Frau und Kindern. Ferreira begegnen sie zunächst nicht. Dafür aber vielen Bauern, die im Verborgenen die christliche Religion praktizieren. Die Padres, denen sie gar nicht genug beichten können, sind für sie Geschenke des Himmels.

Doch Inquisitor Inoue (Issey Ogata) ist misstrauisch und kommt den heimlichen Christen auf die Spur. Rodrigues und Garpe wollen sich stellen oder zumindest verschwinden, um ihre Gemeindemitglieder nicht zu gefährden. Die opfern sich lieber, als ihre Geistlichen zu verlieren. Doch für die Padres zieht sich die Schlinge zu. Inoue will mit ihrem Abschwören dem Christentum in Japan die Wurzel ausreißen. Rodrigues ist fest entschlossen, standhaft zu bleiben. Doch was ist, wenn Christen dadurch sterben?

Das Katz- und-Mausspiel zwischen Jägern und Gejagten sorgt durch den ganzen Film für Spannung. Sein Stärke liegt gleichwohl im ersten Drittel. Auch wer nicht glaubt, wird fasziniert davon sein, mitzuerleben, wie ein Teil der eigenen Kultur in einer vollkommen anderen Kultur aufgenommen und gelebt wird. Und was für eine Kraft der Glaube verleihen kann. Nicht nur in dieser Hinsicht hält sich Martin Scorsese eng an die Romanvorlage des japanischen Autors Endo Shusaku, die sich wiederum auf Aufzeichnungen historischer Priester stützt. Schade ist jedoch, dass "Silence" kritischer Kirchengeschichte umso ferner ist.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

teleschau - der mediendienst

Silence
Studio: Concorde
FSK: 12
Regisseur: Martin Scorsese
Schauspieler: Adam Driver, Liam Neeson, Andrew Garfield
Land: USA
Genre: Drama
Sprachen:
Untertitel:
Extras:
Preis:
Bewertung: Film: akzeptabel
Bild:
Ton:
Extras:

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