Nachrichten 19.09.2012, 23:02 Uhr

16 Tage Dauerstress für die Anwohner

Ob Lärm von den Fahrgeschäften oder Betrunkene, die hemmungslos in Vorgärten pinkeln - den Anwohnern der Wiesn steht das 179. Oktoberfest bevor.

Auch in diesem Jahr dürfen die Straßen rund um das Oktoberfest nur eingeschränkt passiert werden.

Auch in diesem Jahr dürfen die Straßen rund um das Oktoberfest nur eingeschränkt passiert werden.

München. Bald wird Karl Niederwieser wieder sein Hoftor abschließen. Nächsten Samstag beginnt das 179. Münchner Oktoberfest auf der Theresienwiese. Niederwieser will Vorkehrungen treffen: gegen Betrunkene, die durch die Straßen torkeln und sich in Vorgärten erleichtern, sich übergeben oder gar dort übernachten. Wogegen er nichts machen kann, sind der nicht enden wollende Lärm und das Verkehrschaos rund um die Wiesn.

Der 77-Jährige wohnt seit 60 Jahren in der Rückertstraße, die unmittelbar an den Bavariaring um die Theresienwiese grenzt. Irgendwann hatte Niederwieser genug von dem Trubel - 2001 gründete er eine Bürgerinitiative. „Wir haben uns einfach nicht einschüchtern lassen“, erzählt der frühere Wirtschaftsingenieur. Mehr als 20 Anträge hat er gestellt, mehr als 700 Unterschriften gesammelt. Inzwischen sei schon einiges besser, die Stadt bemühe sich.

So ist seit zwei Jahren der Ring um die Festwiese komplett gesperrt. „Damit konnten wir die Verkehrssituation für die Anwohner verbessern“, erklärt Alexander Miklosy, der Vorsitzende des Bezirks Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt. Noch vor zehn Jahren war der gesamte Ring mit Campingmobilen zugeparkt, jetzt kommen nur noch Anwohner dorthin. Problematisch sei aber immer noch der Lärm, den Festgäste auf dem Heimweg verursachten. „Was immer mehr überhandnimmt, sind die After-Wiesn-Aktivitäten: Da werden Partys in den Straßen abgehalten.“

Lärm machen auch die Achterbahnen. Die waren lange Zeit nahe dem Bavariaring aufgestellt. „Wir haben einen Antrag gestellt, dass die Achterbahnen versetzt werden“, erinnert sich Niederwieser. Verbesserter Lärmschutz sei immer wieder Gesprächsthema in den Bürgerversammlungen gewesen. Miklosy erklärt: „Der Betreiber des Eurostars hat für viel Geld die Rollen der Achterbahnwagen mit Gummi ummanteln lassen.“ Damit sei eine wesentliche Verbesserung geschaffen worden. „Aber dass die Leute schreien, gehört einfach dazu.“

Neben dem Lärm verursachen die Festgäste nicht nur viel Abfall, sondern verrichten zum Teil auch ungehemmt ihr Geschäft in der Öffentlichkeit. Niederwieser fordert deshalb mehr Toiletten, auch auf den Hauptzugangswegen zu den umliegenden U-Bahn-Stationen.

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