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Freitag, 15. Dezember 2017 3

Wanderbare Region

Auf dem „Heiligen Berg“ Niederbayerns

MZ-Autorin Andrea Potzler erklimmt diesmal den Bogenberg in Niederbayern. Immer entlang des „Via-nova“-Weges.
Von Andrea Potzler, MZ

  • Wanderbare Region: Auf dem „Heiligen Berg“ Niederbayerns
  • Auf dem „Heiligen Berg“ Niederbayerns
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Bogen. Heute mache ich mich auf den Weg zum 432 Meter hohen „Heiligen Berg Niederbayerns“, Bogenberg. Ich parke vor dem Bahnhof zentral in der Stadt. Hier gibt es große Informationstafeln zu Bogen und zu den Wanderwegen. Der Weg geradeaus führt mich zum Stadtplatz mit einigen Bäckereien und kleineren Läden. Auf der rechten Seite hat jemand in jedes Fenster des früheren Gasthaus Adler einen Buchstaben gemalt, so dass jetzt ein großes YEAH! zu lesen ist. Ich schlendere gemütlich über das Kopfsteinpflaster und sehe mir den Stadtbrunnen an. Das Rathaus ragt gelb leuchtend auf und ein kleiner Buchladen versteckt sich hinter vielen Postkartenständern. Nach links ab führt der Pilgerweg und auf einem Schild steht „via nova“. Ich werde den lila unterlegten Schildern ein gutes Stück folgen. An einem wilden Apfelbaum vorbei sehe ich den Berg hinauf – uff, die Steigung deutet wirklich auf eine Anstrengung hin.

Fuß für Fuß den Kreuzweg hinauf

Ich sollte mich nicht täuschen und schiebe Fuß für Fuß den Kreuzweg mit den modernen Stationen nach oben. Natürlich: Kreuzwege sind so oft bergauf, um dem Wanderer das Leiden Christi so gut wie möglich vor Augen zu führen. Ich komme an einem großen steinernen Kreuz vor einem Privathaus vorbei und freue mich dann über den Schatten des schönen Mischwaldes auf meinem Kiesweg. Noch mehr freut mich ein kleines Bänkchen, das mich zur Rast einlädt. Solchen Einladungen begegnet man hier noch oft und man folgt ihnen gern. Ein Stück weiter komme ich an den Kalvarienberg und über Stufen geht es zu einem großen Jesus am Kreuz. Eine weitere Bank ist wirklich lohnend: Hier sieht man auf die Donau und weit über den Gäuboden, die sogenannte „Kornkammer Bayerns“, wie mir eine Informationstafel erläutert.

Weiter auf meinem Pfad komme ich vor der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt an sieben historischen Verkaufsläden vorbei. Ansässige Bäcker, Krämer, Wachszieher und Goldschmiede durften hier ihre Ware feilbieten. Die Häuschen werden zu größeren Wallfahrten noch heute genutzt. Der Bogenberg, so erfahre ich hier auch, hieß früher „Grintel“ – ein bewaldeter Kopf. Erst seit 1274 nennt man ihn Bogenberg.

Als Naturpark geschützt

Ich gehe durch den Friedhof zur Kirche. Alte Steintafeln erzählen von den Berufen der Verstorbenen. Eine Tafel hat der Neffe dem „Fräulein Tante“ gewidmet. Daneben wird der „ehrengeachteten Frau Tuchhändlersgattin“ gedacht. Ganze Geschichten laufen in meinem Kopf ab, wenn ich mir die hier begrabenen Leute vorstelle. Die Kirche selbst erstrahlt in der Sonne, eine goldene Kanzel, ein prachtvoll geschmückter Innenraum erwarten mich. Die Aussegnungshalle nebenan hat lebensechte leidende Figuren und ein schönes Gemälde im Hintergrund.

Auf einer weiteren Tafel erfahre ich, dass der Bogenberg eine klimatisch begünstigte Wärmeinsel ist und als Naturpark geschützt wird. Er soll die bäuerliche Kulturlandschaft des Bayerischen Walds erhalten, die sich über Jahrhunderte ausgebildet hat.

Hier finde ich auch links das Kreismuseum, das allerdings geschlossen ist. Rechts lockt ein schöner Biergarten mit toller Aussicht und großen Kastanien und einem Pfirsich „Melba“ auf der Eiskarte.

Kurze Zeit bleibe ich hier bergab auf der Teerstraße, bis ich zur Mariengrotte komme. Hier geht der Wanderweg durch den Wald weiter. Ich bleibe noch kurz auf der Teerstraße und laufe zur St. Salvatorkapelle mit Klause und Kerker (eine kleine Kapelle, kein Gefängnis)..

Das Stück Weg zur Mariengrotte laufe ich dann wieder zurück und bleibe auf dem via nova Weg, hier ist er auch als Wanderweg Nummer 2 beschildert. Es geht über Stock und Stein auf einem teils schmalen Pfad.

Unten ist die leider geschlossene Ulrichskapelle. Schöner wäre es nun wieder über den Berg zurückzulaufen, aber ich entscheide mich auf der kurzen, ebenen Strecke, entlang des Donauradwegs zurück nach Bogen zu gehen. Immerhin werde ich für den Straßenlärm und den Teerweg mit gleich zwei lustigen Häusern nebeneinander belohnt. Ein Herr hat seinen Vorgarten mit einer ganzen Kolonie Gartenzwergen bevölkert. Sein Nachbar hat sich dem Motto Schiff verschrieben und hisst des öfteren eine Piratenflagge, erzählt er mir.

Bei ihm sieht man kleine Schiffe in den Fenstern, ein großes Schiffstau als Zaun und eine Anlegestelle mit Schild „Vorsicht! Hier legen Schiffe ab und zu ab und an!“. Ich biege nach rechts und folge der Straße, bis ich wieder am Rathaus bin und gehe den Weg zurück, den ich hierher gekommen bin.

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