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Aus der Sicht einer Ameise

Perspektivenwechsel – das Motto der Bundesgartenschau MünchenVon Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Gigantisches Vogelnest
  • Schau mal: Kinder entdecken die BUGA
  • München blüht auf – ab Donnerstag auf der BUGA

Der Blick ist versperrt. Meterhoch ragen Betonwände über die Köpfe hinweg. Es ist grau, feucht und abgedunkelt. Hin und wieder blitzt aus einer Ritze ein dickes Büschel Gras. So fühlt er sich also an, der Alltag der Ameisen.

Neue Perspektiven kennen lernen, so lautet das Motto der Bundesgartenschau (BUGA) 2005, die am kommenden Donnerstag in München eröffnet wird. Das Ausstellungsgelände, das auf dem ehemaligen Flughafen München-Riem entstanden ist, will die erwarteten vier Millionen Besucher nicht nur mit einer Blumenvielfalt begeistern, sondern neue Blickwinkel auf die Natur und die Umwelt ermöglichen. Oberbürgermeister Christian Ude zeigt sich bei der letzten Pressekonferenz vor der großen Eröffnung begeistert von der Umsetzung des Konzeptes. „In den sieben Jahren der Entstehung der BUGA habe ich mitverfolgen können, wie hier aus einer öden Schafweide und einer durch massive Erdbewegungen sowie Baustellenverkehr geprägten Mondlandschaft ein riesiger und höchst attraktiver Park wurde“, lobt das Stadtoberhaupt.

Die BUGA 2005 ist die zweitgrößte Bundesgartenschau aller Zeiten. Eingebettet in einen 200 Hektar großen Landschaftspark werden bis zum 9.Oktober auf einer Ausstellungsfläche von 130 Hektar hunderttausende Blumen und Pflanzen erblühen. Die Veranstalter versprechen bei den „Olympischen Spielen für Gärtner“ ein Erlebnis für alle fünf Sinne. „Wir haben die BUGA 05 so geplant, dass jeder seinen ganz individuellen Urlaubstag verbringen kann, dass er Raum für seine persönliche Entfaltung hat. Und dass er anderen Menschen begegnen kann. Das ist für uns Perspektivenwechsel“, erläutert BUGA-Geschäftsführerin Andrea Gebhard das Konzept.

Also auf zu einem ersten Rundgang. Wie husten Flöhe und wie hört es sich an, wenn das Gras wächst? Im Zellengarten und in den Gärten der Potenzen gibt es überraschende Antworten. Und das funktioniert so: Beim Betreten des Geländes lässt Professor Rainer Schmidt, der den Ausstellungsbereich entwickelte, die Besucher auf die Größe eines Däumlings schrumpfen. „So wird aus der Ameisenperspektive gesehen ein Maulwurfshügel zu einem schier unüberwindlichen Gebirge, eine Pfütze zum See und ein Fußabdruck zu einem riesigen Krater“, erläutert er vor Journalisten.

Zwölf Themen werden im Zellengarten in ungewohnter Mikro-/Makro-Perspektive umgesetzt. In 30-facher Vergrößerung erlebt der Besucher zum Beispiel ein Wiesenlabyrinth, das aus vier Meter hohem Bambus und Weiden besteht, im Fugenlabyrinth findet er sich zwischen den Platten eines Rasenpflasters wieder. Und der Besuch in einem Vogelnest wird aus der Sicht des Däumlings zu einem bedrohlichen Ereignis.

Ähnlich ungewöhnliche Ansichten vermitteln die angrenzenden Gärten der Potenzen. In Schritten von Zehnerpotenzen werden pflanzliche Mikrostrukturen zu Gartenbildern verarbeitet. Grundlagen für die Bilder – die vor allem von der Seilbahn aus betrachtet ihre ganze Schönheit entfalten – sind mikroskopische Abbilder einer Alge, einer Taubnessel oder eines Lindenholzes. Der Besucher erfährt: Pflanzen verbergen in ihrem Inneren nicht nur organische Strukturen, sondern auch streng geometrische. Besonders gelungen ist die riesig vergrößerte Blattunterseite der Sumpfdotterblume: Ihre knallorangen Gummiwege, die sich durch grasbewachsene Hügel schlängeln, dürften zu einem der Besuchermagneten auf der BUGA werden.

Wer die BUGA einmal durchwandern möchte, der muss gut zu Fuß sein. Sieben Kilometer umfasst der Rundgang. Wer es nicht ganz so sportlich mag, dem sei eine Fahrt mit der Seilbahn empfohlen – auch wegen des tollen Überblicks über die Gartenschau und den angrenzenden Landschaftspark. Über die Gärten der Potenzen hinweg schweben die Besucher Richtung See. So groß wie 14 Fußballfelder und bis zu 18 Meter tief ist das Natur-Freibad, das auch nach der BUGA für die Bewohner des neuen Stadtteils Messestadt Riem erhalten bleiben wird.

Noch wirkt das weitläufige Gelände allerdings etwas karg. „Die Blumen brauchen jetzt noch ein paar sonnige Tage und nachts etwas warmen Regen, dann kann nichts mehr schief gehen“, verspricht BUGA-Geschäftsführer Hanspeter Faas. Viele fleißige Gärtner sind derzeit noch damit beschäftigt, einen ganz besonderen Ausstellungsort der BUGA zu gestalten. In den streng geometrisch ausgerichteten so genannten Parallelen Gärten findet sich der Themenbereich „Grabmal und Grabgestaltung“. Insgesamt werden 110 verschieden große Grabstellen bepflanzt. Die aufgestellten Grabsteine sind prämierte Arbeiten von Steinmetzen, Holz- und Metallbildhauern. Ein unerwartetes Thema, das den Organisatoren aber sehr am Herzen liegt.

Was hat die BUGA 05 sonst noch zu bieten? Über 2000 Veranstaltungen werden die 165 Öffnungstage begleiten. Auf die Kinder warten Abenteuerland und Spielplatz Natur, dazu Kindertheater, Abenteuerpfade und Lehrwege. Auf der Kulturwiese finden HipHop- und Reggae-Parties statt. Und die Wiesen und schattigen Bäume im Landschaftspark des französischen Landschaftsarchitekten Gilles Vexlard bieten Erholung und Entspannung nach einem aufregenden Tag.

Was kommt danach? Die BUGA wird am 9. Oktober schließen und Platz machen für eine Wohnbebauung. Landschaftspark und Badesee bleiben erhalten als Ort der Ruhe und Erholung für die einst fluglärmgeplagten Stadtbewohner von München-Riem.

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