mz_logo

Nachrichten
Samstag, 18. November 2017 5

Barbaras boshaftes Abc:„B“ wie Blase...

Barbara Junghans lebt und arbeitet als AutorinIn Regensburg

Gelegentlich kann man sich bei den verschiedenartigsten Missgeschicken eine Brand-, Blut- oder Wasserblase zuziehen, aber um die geht es mir nicht. Ich meine jenes menschliche Organ, das der Aufnahme flüssiger Abfallprodukte des Körpers dient.

Diese Blase hat mit ersteren gemeinsam das fatale Druckgefühl, wenn sie gefüllt ist. Das gilt besonders, wenn man sich an Orten befindet wo, mangels eines entsprechenden „Örtchens“, eine diskrete – und vor allem eilige – Entleerung nicht möglich ist.

Wer kennt es nicht, das schreckliche Gefühl des physischen Notstandes im Auto, wenn die Straße sich kilometerweit durch gnadenlos baum- und buschfreies Gelände schlängelt oder – schlimmer noch – die Entfernung zur nächsten Autobahnausfahrt einen zwingt, eine äußerst konzentrierte Sitzposition einzunehmen, um Schlimmes zu verhindern.

Je mehr Zeit verstreicht, desto größere Abstriche nimmt man geistig am Vorhandensein sichtschützenden Strauchwerks vor, bis man schließlich auch mit dem Platz zwischen der vorderen und der hinteren geöffneten Autotür vorlieb nimmt.

Auch bei kulturellen Anlässen ist man nicht gefeit vor derlei Ungemach. Vor sommerlichen Freiluftveranstaltungen sollte man seinen Flüssigkeitsbedarf tunlichst zügeln, weil nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität der entsprechenden Örtlichkeiten nicht immer mit der des Kunstgenusses Schritt hält und man längere Warteschlangen einkalkulieren muss.

Mit einem bestimmten Tag auf der Weltausstellung in Brüssel verbinde ich aus diesem Grund höchst unangenehme Erinnerungen. Ich weiß zwar nicht mehr, warum ich den rettenden „Hof“ erst so spät, fast zu spät und – im wahrsten Sinne des Wortes „mit Müh’ und Not“ erreichte – aber ich kann noch heute diese Angst nachvollziehen, die mich damals in den Klauen hielt und mir suggerierte, es könne sich ein „Missgeschick“ ereignen, das ich als Kleinkind schon verabscheut habe.

Selbst die Häuser samt Toiletten des antiken türkischen Städtchens Side gewannen erst wieder meine volle Aufmerksamkeit, nachdem ich mich davon überzeugen konnte, dass man auch für die derartigen Bedürfnisse des modernen Menschen Sorge getragen hatte.

Männer sind nicht immer zu beneiden, aber etwas haben sie uns Frauen zweifellos voraus. Sie können mit diesem Problem wesentlich unkomplizierter umgehen, als wir. Da bedarf es keiner großen Tarnaktionen, die die meisten Männer sowieso nicht so wichtig nehmen. Ein Ratsch am Reißverschluss – mit der gebotenen Vorsicht allerdings, sonst potenziert sich das Problem nicht unerheblich – und die Befreiungsaktion nimmt ihren Lauf.

Eigentlich ist es schon ein Witz, wie wenig es braucht, damit ein Mensch sich wohl fühlt!

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht