mz_logo

Nachrichten
Mittwoch, 24. Mai 2017 21° 4

Barbaras boshaftes Abc:„C“ wie „Cabrio“...

Barbara Junghans lebt und arbeitet als Autorinin Regensburg

So ein Oben-ohne-Auto ist für manchen jungen Mann der Traum seiner schlaflosen Nächte – mindestens ebenso verführerisch, wie der Gedanke an eine schöne Frau. Denn die – so stellt er sich vor – würde seinem und dem Charme seines offenen Wagens ohnehin erliegen, wenn er nur mit dem Finger schnippe.

Allerdings sieht es dann in der Realität meist so aus, dass in jugendlichem Alter das Geld fehlt für ein solches doch eher luxuriöses Gefährt. In der Phase, in der er dann bevölkerungspolitisch tätig ist, ist an die Anschaffung auch nicht zu denken, da das Platzangebot gerade mal ausreicht für zwei Personen mit sparsamem Gepäck, ohne Kind und Kegel. Da braucht er eine Familienkutsche. Das erklärt, warum die schicken Flitzer oft von soignierten, grauhaarigen oder glanzköpfigen Herren mit sanftem Embonpoint gefahren werden, die diesem Lebensabschnitt entwachsen sind; denen man ansieht, dass sie selbst etliche Kilometer auf dem Tacho haben – und die nun in der Lage sind, sich ihren Jugendtraum zu erfüllen.

Aber wie das manchmal mit lang gehegten Träumen so ist: Da entdeckt man plötzlich ein Haar in der Suppe und stellt fest, dass man jahrelang einer Illusion nachgelaufen ist. Es ist laut, es zieht, es stinkt und man muss ständig aufpassen, dass einem nicht Blätter und anderer Dreck ins Auto geweht werden, stellt mancher spätberufene Cabriofahrer fest. Dazu kommt, dass selbst die luxuriöseste Nobelmarke uns die Außengeräusche ungefiltert genießen lässt, genauso wie den Duft von Blüten und Bäumen, aber eben auch den der dieselnden Rostlaube oder des mit Mist beladenen ländlichen Fahrzeugs vor unserem Kühler. Außerdem ist eine Fahrt mit offenem Verdeck nichts für Eilige, denn ab 100 km/h legt es einem die Ohren flach an den Kopf, ein Kopftuch muss sorgfältig festgezurrt werden und trotzdem sieht man als Frau beim Aussteigen aus, als habe man seine Haare einem Amateurfriseur anvertraut.

Etwas ungerecht finde ich nur, dass manche Männer geradezu in Verzückung geraten beim Anblick von Autos der Altersklasse „Oldtimer“, während sie das Wort in Bezug auf Frauen eher in abwertender Weise gebrauchen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass es für einen fahrbaren Oldtimer Steuererleichterung gibt.

Als es mir vor siebzehn Jahren gelang, meinen Mann zu überzeugen, dass sämtliche gravierenden Nachteile mich nicht im mindesten störten, durfte ich fortan den „Jugendtraum“ benutzen. Das Problem des Fahrtwindes lässt sich inzwischen ja durch einen Windabweiser lösen.

Man hüte sich als ältere Dame allerdings vor Illusionen: Wenn ein junger Mann Kontaktversuche unternimmt, soll man es genießen – aber dabei immer im Auge behalten, dass möglicherweise sein Interesse ausschließlich dem Cabrio gilt. Und wenn er sich nach dem Preis erkundigt, dann darf man nicht sauer sein – er meint auch dabei das Cabrio.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht