mz_logo

Nachrichten
Freitag, 23. Juni 2017 34° 2

Barbaras boshaftes Abc:„D“ wie „Diät für Dicke“

Barbara Junghans lebt und arbeitet als Autorinin Regensburg

Spätestens wenn der Sommer uns mit den ersten warmen Tagen verwöhnt, müssen wir der nackten Wahrheit ins Auge sehen: Was machen wir für eine Figur, wenn wir uns – in den Grenzen der Schicklichkeit selbstredend – unserer Kleidung entledigen, um uns lustvoll der Sonne oder den Fluten des Freibades auszusetzen? Manche von uns werden ihre winterliche Unmäßigkeit in Bezug auf Speis’ und Trank verwünschen, denn was unter den sichtschützenden Hüllen zum Vorschein kommt, entspricht keineswegs dem Diktat der Illustrierten hinsichtlich der Traumfigur für den Sommer. Wären wir nur wenigstens einem der Diätpläne gefolgt, die in Dutzenden von Frauenzeitschriften angepriesen werden. Dann hätten wir die Chance gehabt, uns (angeblich!) vom beklagenswerten Pummelchen zur ranken, schlanken Elfe zu mausern, um im neu erstandenen Bikini eine gute Figur zu machen. (Von soliden, die Massen wirksam bändigenden, Badeanzügen wird übrigens nie gesprochen.)

Aber leider wurden unsere guten Vorsätze torpediert von Einladungen und Festlichkeiten, die wir aus Höflichkeit unmöglich absagen konnten. Außerdem kam der Urlaub dazwischen, so dass wir nur ca. 25 Prozent der angepeilten Gewichtsabnahme erzielten. Zwar sind Steckerlfische (bay.ugs. für Damen mit wenig Fett und sichtbarem Knochengerüst) durchaus nicht jederManns Sache, aber das tröstet kaum, genauso wenig wie die Tatsache, dass auch viele Männer ihren Waschbrettbauch dem Waschbärbauch geopfert haben.

Sie haben es ja nicht so ganz leicht, die Dicken. Ärzte und Physiotherapeuten, Ernährungswissenschaftler und Psychologen haben zum Sturm auf die Übergewichtigen geblasen. Nun gibt es zwei verschiedene Typen von Dicken. Die einen, die sich alljährlich mit mäßigem Erfolg stressen, die anderen, die sich zu ihrer Fülle bekennen, vergnügt und ungehemmt in ihre voluminösen Kleider, Stilart Zirkuszelt, schlüpfen und sich den Deubel um die Folgen scheren. Ein amerikanischer Nobelpreisträger namens Watson kam zu der Erkenntnis, dass Dicke glücklichere, gemütlichere, in sich ruhende Menschen seien, deren Freude am Sex ungleich größer sei, als der dünner Model-Typen.

Abgesehen davon müsste eigentlich jeder Stoffdesigner dankbar sein, entsprechend üppige Demonstrationsflächen zur Verfügung zu haben statt ein paar mickriger Quadratzentimeter, auf denen rauschende Farb- und Formspielereien ein eher kümmerliches Dasein fristen. Am Beispiel zweier Spaziergängerinnen am Strand möchte ich das erläutern: Die Figur der Dünnen war ansprechender, mehr ent- als verhüllt von einem knappen Bikini, dessen spitzwinklige Dreiecke dementsprechend wenig Platz boten für phantasievolle Dessins. So ergab sich ein eindeutiger optischer Vorteil für die Mollige, deren großflächiger Busen und Kehrseite das opulente Muster optimal zur Geltung brachten. Darum breche ich hiermit eine Lanze für die Fülligen. (Und, vergessen wir eins nicht, auch die Dicken haben Hunger!)

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Anmelden

Hinweis: Bitte schützen Sie Ihr Konto auf öffentlichen Geräten, indem Sie sich nach der Nutzung im Profil-Bereich abmelden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht